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Tausche Autogramm gegen Stimme? Witali Klitschko hat jedenfalls alle Hände voll zu tun.
Kurz nach sechs ist es noch dunkel in Kiew. Tief hängt der Nebel an diesem Herbstmorgen über der Stadt. Beinahe surrealistisch erklingt aus der trüben Masse Hahnenkrähen (das Tier gehört einem traditionell-ukrainischen Restaurant in der Innenstadt) und kündigt den Tag an. Witali Klitschko ist schon auf. Es ist Wahlkampfzeit, und sein Tross klappert heute die Region Tscherkassy, 150 Kilometer östlich von Kiew, ab. Vier Stationen stehen auf dem Programm. "Ein leichter Tag", sagt Klitschko. "Wir hatten auch schon bis zu acht Auftritte am Tag."
Trotz trüben Wetters; die Stimmung ist gut: Die jüngsten Umfragen sehen Klitschkos Partei Udar (Neudeutsch: Punch) als stärkste Kraft innerhalb der jetzigen Opposition mit Werten zwischen 16 und 19 Prozent. "15 Prozent sind unser Minimalziel", sagt der Boxweltmeister. Die zahlreichen Wahlplakate demonstrieren das Selbstvertrauen der Udar-Leute: "Die Zeit für den Punch ist gekommen", so das Wortspiel, mit dem die Partei wirbt.
Udar ist völlig auf Klitschko zugeschnitten. Bekannte Persönlichkeiten neben ihm gibt es nicht; Klitschko will das als Vorteil verstanden wissen: "Wir sind neu und unverbraucht." Es bedeutet aber auch, dass der gesamte Wahlkampf auf seinen Schultern lastet. Seit dem 13. September reist er durchs Land. Neun Millionen Euro kostet die Wahlkampagne, der Großteil stammt aus seiner eigenen Tasche.
Überall spricht er vom Kampf gegen die Korruption, um europäische Lebensstandards zu erreichen. Auch an diesem Tag. In Schpola hat er seine Bühne aufgebaut - neben der Stadtverwaltung mit Blick auf das Lenin-Denkmal. Kinder halten mit leuchtenden Augen Klitschko-Plakate hoch. Der Hüne betritt die Bühne, und Jubel brandet auf - Klitschko ist ein Idol im Land.
Doch die Verehrung gilt dem Sportler; der Politiker Klitschko hat es schwer im neuen Metier: Die eingeübte Rede klingt hölzern. Klitschko bemüht sich, ballt die Fäuste und hebt die Stimme. Er erinnert an die erfolgreiche Transformation in Osteuropa und den Kampf gegen die Korruption in Georgien. Die Ukraine unter Wiktor Janukowitsch ähnele hingegen einer "Bananenrepublik". Doch den Worten fehlt das Feuer - und den Ukrainern das Vertrauen in Politiker.
Rentner Boris jedenfalls, der mit dem Fahrrad neben der Bühne steht, ist skeptisch: "Sie versprechen alle viel. Ich weiß nicht, wem ich glauben soll." Er habe sich noch nicht entschieden, für wen er stimme. Auch Nina Simonjuk zweifelt. Die 35-jährige Mutter zweier Kinder ist arbeitslos. Früher habe es eine Näherei, eine Konditorei und Fabriken in der Stadt gegeben. "Jetzt hat alles dichtgemacht, wir sind verzweifelt." Immerhin, sie will Klitschko wählen, "auch wenn ich nicht weiß, ob ich ihm glauben kann".
Klitschko kämpft nicht nur mit eigenen Unzulänglichkeiten, sondern auch mit Behördentücken: Der Strom wird abgeschaltet, Veranstaltungsorte werden gesperrt oder Provokateure geschickt. In Smila, der nächsten Station, gibt es Ärger. Der Direktkandidat im Wahlkreis hat Feinde: Zuschauer werfen ihm vor, sich bereichert zu haben. Provokateure oder Unzufriedene? Das bleibt unklar. Klitschko muss einschreiten und versprechen, der Sache nachzugehen. "Wir sind ehrlich", sagt er der Menge. Ein paar kann er gewinnen, etwa die 65-jährige Rentnerin Raissa Tartzun: "Ich denke, er kann die Korruption besiegen - mit unserer Hilfe."
Der Auftritt hat Klitschko Kraft gekostet. Nach acht Stunden auf Achse ist einer seiner Assistenten im Auto eingenickt. Klitschko kann ein Gähnen nicht unterdrücken. Dabei ist erst Halbzeit. Zeit für Interviews, dann ein Termin in der einstigen Kosakenfestung Tschigirin. Hier läuft es besser für Klitschko. Die Fragen, die er beantworten muss, sind freundlich. Kandidat und Wählervolk scheiden in gehobener Stimmung voneinander.
Der größte Erfolg wartet in Tscherkassy auf den Kandidaten: Etwa 5000 Fans von Klitschko sind gekommen. Die Rede endet im Jubel. Noch ehe in Tscherkassy die letzten Transparente eingerollt sind, ist Klitschko wieder auf dem Heimweg - um 23 Uhr wird er in Kiew sein. "Wenn ich abends nach Hause komme, falle ich nur noch um und schlafe", sagt er. Am Folgetag steht die nächste Region auf dem Programm. (André Ballin, DER STANDARD, 18.10.2012)
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die Klitschkos manipulieren den Boxsport sei etlichen Jahren in ein Koma. Ok da braucht es auch die Gegner dafür, aber gerade die K2 gehen jedem gefährlichen Herausforderer immer aus dem Weg und faseln dann vom Sport. So wie Frank, der geht in Canada beinahe pleite, politisch unter, dann erklärt er uns die echten Werte. Von jetzt an reichen die alten Hausweisheiten: wer einmal mogelt, dem glaubt man nicht und auch die politische Einserfrage ist zu stellen: würde ich Klitschi einen Gebrauchtwagen abkaufen ?
Na ja, gut dass ich dort nicht wählen muss.
Die Richtige Anrede waere: Praesident der Slowakei. Aber Vladimír Meciar war nie Praesident der Slowakei sondern Ministerpraesident von 1990 bis 1998. Er war fuer einige Jahre ein Amateur Boxer.
Also vergleichen Sie nicht Aepfel mit Birnen! Nur weil Sie einige male Fussball gespielt haben, vergleichen Sie sich ja auch nicht gleich mit Pele ? Oder ?
Die allermeisten dieser Autogramm-Jäger dürften wohl noch kein Wahlrecht haben. Das sind erkennbar Kinder und Jugendliche.
Im Übrigen: Warum sollte sich Klitschko nicht engagieren? Ich finde es gut, dass er sich in die Politik einmischt. Wer soll´s denn sonst tun, wenn nicht interessierte und halbwegs unabhängige Bürger?
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