Sterberisiko "Gebrochene Hüfte"

17. Oktober 2012, 17:31
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Nach Angaben des DKOU stirbt in Deutschland bis zu einem Drittel der über 85-jährigen Patienten mit hüftgelenksnaher Fraktur innerhalb eines Jahres

Berlin - "Auf Stürze gehen die meisten Todesfälle bei älteren Menschen zurück. Rund ein Drittel aller über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal im Jahr schwer", sagte Christoph Josten am Mittwoch bei einer Pressekonferenz des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU). "Glücklicherweise benötigen davon nur ein Fünftel medizinische Betreuung aufgrund von Verletzungsfolgen", ergänzt der Experte.

Das Risiko, an den Folgen einer Oberschenkelhalsfraktur zu versterben, sei nach Angaben des Mediziners für ältere Menschen besonders hoch: „Jeder dritte bis vierte Patient über 85 Jahre mit hüftgelenksnaher Fraktur stirbt innerhalb des ersten Jahres", erläutert Josten. Dies entspreche dem Sterberisiko von Frauen bei Brustkrebs. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) Patienten innerhalb von 24 bis 48 Stunden zu versorgen. So lassen sich Komplikationen an Fraktur sowie Fälle von Lungenentzündungen, Thrombosen und Druckgeschwüren reduzieren.

Lebenslange psychische und physische Folgen

Doch Betroffene haben nicht nur ein erhöhtes Sterberisiko. Selbst bei einem optimalen Behandlungsverlauf leiden sie den Rest ihres Lebens unter psychischen Folgen und sind häufig pflegebedürftig. "Die Angst, erneut zu stürzen - das sogenannte 'Post Fall Syndrome' - schränkt Betroffene in ihrem Aktionsradius radikal ein", ist Josten überzeugt. Sie trauen sich nicht, ihre alten Gewohnheiten aufzunehmen, die sie unter Umständen in diese Situation gebracht haben. Sie bewegen sich seltener und treiben weniger Sport. Die Folge: Ein Teufelskreis aus Folgeerkrankungen wie Osteoporose, Muskelabbau sowie Schwächung des Kreislaufes und der geistigen Verfassung. Ein Drittel aller Patienten findet daher nicht mehr in sein Wohnumfeld zurück und benötigt pflegerische Hilfe - der erste Schritt in die soziale Isolation.

Wie Mobilität bei alten Menschen gefördert werden kann, um sozialer Isolation und Folgeerkrankungen vorzubeugen, diskutieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sowie des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) am 23. und 25. Oktober in Berlin. (red, derStandard.at, 17.10.2012)

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