Altlasten pulverisierten Gewinn der Bank of America

17. Oktober 2012, 16:59
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Eine milliardenschwere Vergleichszahlung drückt das Ergebnis, das Institut schafft aber einen Mini-Gewinn von 340 Millionen Dollar

Charlotte (North Carolina) - Die Bank of America kämpft noch immer mit den Altlasten der Finanzkrise. Die zweitgrößte US-Bank hielt sich im dritten Quartal nur knapp in den schwarzen Zahlen, weil ein milliardenschwerer Vergleich mit verärgerten Anlegern das Ergebnis belastete. Unter dem Strich stand nur ein Gewinn von 340 Mio. Dollar, wie das Geldhaus am Mittwoch mitteilte. Vor einem Jahr waren es 6,2 Mrd. Dollar gewesen. Damals schönten allerdings auch Verkaufserlöse und andere Sondereffekte die Bilanz auf.

Insgesamt waren die Zahlen besser als erwartet. An der Wall Street verlor die Aktie im frühen Handel dennoch 1,1 Prozent.

Auf dem richtigen Weg

Vorstandschef Brian Moynihan erklärte, die Bank sei auf dem richtigen Weg. Das Kerngeschäft belebe sich zusehends: Bank of America reiche nicht nur mehr Firmenkredite und Hypotheken aus, auch das Investmentbanking ziehe an und die Kundeneinlagen kletterten. "Unsere Strategie greift, obwohl wir durch ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld steuern und nach wie vor bei unseren Rechtsstreitigkeiten aufräumen."

Erst Ende September wurde ein weiterer Fall zu den Akten gelegt: Das Geldhaus zahlt in einem Vergleich 2,4 Mrd. Dollar (1,8 Mrd. Euro) an mächtige institutionelle Investoren, die sich unmittelbar vor der Übernahme des kriselnden Rivalen Merrill Lynch auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 mit falschen Informationen über die Finanzlage beider Häuser getäuscht fühlten. Als die tatsächlichen Zahlen ans Licht kamen, stürzte der Aktienkurs ab, die Anleger verloren viel Geld. Es ist eine der höchsten Vergleichssummen bei einer Sammelklage dieser Art, obwohl Bank of America die Vorwürfe stets zurückgewiesen hatte. Allerdings konnte das Institut damit einen langwierigen Prozess vermeiden.

Die kostspielige Übernahme von Merrill Lynch ist nur ein Beispiel dafür, wie sich die Bank of America - einst der US-Branchenprimus - verhoben hat. Das Institut hatte zuvor auch mit am stärksten von allen auf den heimischen Hypothekenmarkt gewettet und den Immobilienfinanzierer Countrywide gekauft, als die Krise schon längst im Anmarsch war.

Aufräumarbeiten dauern an

Daher dauern die Aufräumarbeiten bei Bank of America - verbunden mit einem milliardenschweren Sparprogramm und dem Abbau von 30.000 Jobs - auch deutlich länger an, während etwa der große Konkurrent JP Morgan schon wieder wie in besten Zeiten verdient. Auch Wells Fargo und Goldman Sachs hatten zuletzt solide Zahlen vorgelegt. Nur die Citigroup ächzt ähnlich stark wie Bank of America unter den Altlasten.

Bei der Bank of America sind die nächsten Belastungen schon im Anmarsch: Das Institut hatte vor dem Crash auf dem US-Häusermarkt Hypotheken niedriger Qualität in Wertpapiere gebündelt und an Investoren weiterverkauft. Viele der Papiere wurden später wertlos. Etliche Investoren klagen darauf, dass die Bank of America die Verbriefungen zurücknimmt. Gut 16 Mrd. Dollar hat das Institut dafür schon zurückgestellt. Allerdings musste Finanzchef Bruce Thompson nun einräumen, dass das vermutlich nicht reichen wird. (APA, 17.10.2012)

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