E-Wirtschaft will keinen "Grünstrom" an der Börse

Der geförderte Strom aus Wind und Photovoltaik wirke verzerrend und dränge Gaskraftwerke aus dem Markt

Innsbruck - Österreichs Strombranche ist sich einig, dass geförderter Strom aus Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen an der Börse nichts zu suchen hat. Grund sei die Preisverzerrung, die damit einhergehe. "Wir können mit Kapazitätsmärkten leben und auch mit einer Situation, in der Strom aus erneuerbaren Quellen von den Versorgern anteilig abgenommen werden muss. Dass wir aber auf Druck von oben Kraftwerke auf Stand-by halten müssen, die sich nicht rentieren, das geht sicher nicht", sagte EVN-Chef Peter Layr am Mittwoch zum Auftakt des Kongresses von Österreichs Energie in Innsbruck. Layr ist zurzeit auch Präsident der Interessenvertretung der Strombranche.

Für Industrie ein Geschäft

Insbesondere für Industriekunden ist der Ausbau der erneuerbaren Energien bisher ein Geschäft. Sie profitieren von niedrigeren Strompreisen. Die Erneuerbaren tragen maßgeblich dazu bei. Weil sie mit konventionell erzeugtem Strom an der Börse gehandelt werden, aber bevorzugt einzusetzen sind, drängen sie insbesondere Gaskraftwerke mehr und mehr an den Rand. Das letzte Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage zugeschaltet werden muss, bestimmt den Börsenpreis. Zu Mittag, wenn der Stromverbrauch am höchsten ist, liefern für gewöhnlich Wind- und Photovoltaikanlagen den meisten Strom ins Netz und drängen damit Kraftwerke, die mit vergleichsweise teurem Gas befeuert werden, hinaus. Gaskraftwerke sind aber als Puffer notwendig, sollte die Sonne nicht scheinen und der Wind auslassen. Sie können im Gegensatz zu Kohlekraftwerken kurzfristig gestartet werden und Strom liefern.

In Österreich sind vom Vormarsch der Erneuerbaren und dem Preisdruck vier Unternehmen betroffen: Energie AG Oberösterreich mit dem Gaskraftwerk Timelkam, EVN (Theiss, Korneuburg), Wien Energie (Simmering, Donaustadt) sowie Verbund (Mellach). 550 Mio. Euro hat der Verbund in der Steiermark investiert; im Vorjahr mussten 110,3 Mio. Euro abgeschrieben werden, im Halbjahr 2012 neuerlich 52,2 Mio. Euro. Ob weitere Abschreibungen nötig sind, werde die Zukunft zeigen, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber dem Standard. "Ich bin überzeugt, dass Gaskraftwerke in zwei, drei Jahren wieder wirtschaftlich sind."

Mit der Forderung nach einer neuen Marktordnung rennt die Branche bei der Regulierungsbehörde E-Control offene Türen ein. "Bis Ende nächsten Jahres sind die Einspeistarife fixiert, darüber hinaus müssen wir ein neues Modell überlegen", sagte E-Control-Geschäftsführer Martin Graf. (Günther Strobl, DER STANDARD, 18.10.2012)

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19 Postings

die erneuerbaren drängen gaskraftwerke an den rand?
was gibts besseres?
wo ist das problem?

das problem sind tage mit flaute und nebel wie es sie immer wieder gibt, zuletzt gehäuft im februar. da funktioniert die stromversorgung mit wind und solarkraftwerken auch dann nicht wenn sich deren anzahl verhundertfacht. trotzdem wollen wir in der früh das licht einschalten können (abgesehen von spitälern, industrie, öffentlichen verkehr etc). der fehlende strom kann in solchen situationen kurzfristig nur von gaskraftwerken kommen. wenn die übers jahr gerechnet aber unwirtschaftlich sind werden sie eingemottet (passiert teilweise bereits) und stehen bei bedarf eben nicht zur verfügung. der restz ist unter dem schlagwort blackout zu finden.

Warum regelt das nicht der Markt?

Wenn eine kWh zu Mittag bei Nebel im Winter eben einfach so viel kostet, dass sich das Vorhalten eines ansonsten stillstehenden Gaskraftwerkes wieder rentiert, dann passt eh wieder alles.

Die Stromhändler müssen sich eben einfach darauf einstellen, dass die Preisschwankungen mit zunehmenden Angebotsschwankungen ebenfalls zunehmen müssen.
Wenn man dann einmal für Spitzenstrom 10€/kWh bekommt, fangen sich vielleicht Speichertechnologien an zu rentieren, die sich heute noch nicht rentieren.

Der Schlüssel dazu wäre doch eigentlich ein komplett deregulierter Markt, mit einer Treibhausgassteuer für fossile Brennstoffe die die Folgekosten des Klimawandels auch wirklich abbildet. --> Dann hat man ökologisches UND volkswirschaftliches Optimum.

es ist die verantwortung eines energieversorgers, dass er die entsprechenden kapazitäten hat. darum gibts auch die gaskraftwerke - für die fälle die sie beschreiben. das "problem" ist, dass der anteil erneuerbarer zunimmt und gaskraftwerke, die über diese notfallkapazität hinausgehen unwirtschaftlich werden.

Vermeiden Sie das Wort "Energieversorger", dieses würde als primäres Interesse und Ziel des Unternehmens die gerechte, kostengünstige/-neutrale Versorgung der Abnehmer bedeuten.
Heute haben wir Energiekonzerne, deren primäres Ziel, die Beherrschung des Marktes, Gewinnmaximierung, "Share-Holder-Value", ... als primäre Unternehmensziele definiert haben.

Die damit unwirtschaftlich gewordenen Gaskraftwerke

sind somit als Nebenkosten der Wind- und Solarkraft zu betrachten.

Das Problem ist, daß die Rendite für die Leistungsträger stimmt nicht.

Sonst hört man immer, man muss mehr bauen, mehr AKW. mehr Kohle und mehr Gas.

Ist doch schön zu sehen, dass es mal genug mit Kraftwerken ist.

Na logo will "die E-Wirtschaft" keinen Grünstrom an der Börse. Dieses Ökostromzeugs ist halt einfach zu billig - zuletzt hätte da gar noch die Endverbraucherin über Umwegen was von dem mit ihrem Steuergeld bezahlten Subventionen... ;-)

Deutschland: "Im vergangenen Jahr haben die erneuerbaren Energien die Strompreise um 4,6 Milliarden Euro gesenkt. Aufgrund der vorrangigen Einspeisung der erneuerbaren Energien ins Netz sei der Strompreis an der Börse um rund 0,9 Cent pro Kilowattstunde niedriger ausgefallen."

http://www.freiepresse.de/NACHRICHT... 123168.php

Dass die E-Konzerne im Eigentum der Länder oder des Bundes vor allem als Ausgediegen für die Altpolitiker dienen die so ihre Pensionen als Vorstände nochmal auffetten können hat sicher GAR nichts damit zu tun dass man bei der gänzlich unpolitischen

E-Control offene Türen mit seinen Forderungen einrennt :D

Dabei sollten die unparteiisch dazwischen stehen.

Seltsame Logik

Egal ob der Grünstrom über die Börse oder via Zuteilung zu den Händlern kommt, es wird sich nichts daran ändern, dass bei gutem Wind und Sonne der Marktpreis sinkt und keine Gaskraftwerke benötigt werden.

Die letzten drei Wörter in der Überschrift des Artikels sind überflüssig. Ist aber wenig überraschend - niemand liebt Konkurrenz, noch dazu wenn die Förderungen bekommt, die man selbst nicht kriegt.

Das Ganze ist ein großer Erfolg für die Ökostrom-Förderung. Bis vor kurzem wurden die erzeugten Mengen noch als vernachlässigbar gering gehalten und die Idee einer Energiewende belächelt ...

Der größte Preisdruck kommt derzeit aber eigentlich vom Gas, das aufgrund der Wirtschaftskrise sehr billig ist - im Vergleich zu dem Gas, das an den Ölpreis gekoppelt ist und das die großen Kraftwerksbetreiber langfristig eingekauft haben. Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, dann werden wieder die Industriebetriebe jammern und die Kraftwerksbetreiber jubeln. Die Erneuerbaren werden den österreichischen Strommarkt so schnell nicht "ruinieren" können. Das liegt an den vielen Speicherkraftwerken in Österreich und an den Netzengpässen, die einen schnellen Ausbau der Ökostrom-Produktion unmöglich machen.

Die E-Wirtschaft braucht sich in Ö eh keine Sorgen machen - wegen der erneuerbaren Energie

Abgesehen von einigen Alibihandlungen - um das Volk ruhigzustellen - wurde die ohnehin abgewürgt wo nur geht.
Förderungen von PV (für ein Jahr) waren z.B. nach 3min !!! aufgebraucht, usw.....

Also die Zuwendungen der E-Wirtschaft an div. Poltiker haben sich wirklich ausgezahlt.

Dass die Photovoltaik-Förderungen schon nach 3 Minuten aufgebraucht waren, zeigt, dass diese viel zu hoch angesetzt waren und dass man der Solarlobby dazu "gratulieren" muss.

Strom hat überhaupt nichts an der Börse zu suchen.
Wenn Strom gehandelt wird - tausche kWh gegen kWh.
Der Stromerzeuger, der die kWh effizienter herstellt, gewinnt dabei. Somit gibt es keine Preistreiberei.

Sie haben auch nicht begriffen, dass eine kWh zu einer Spitzenzeit etwa 5 - 10 mal so viel kostet wie zu Schwachlastzeiten.

Und genau diese Rechnung wird jetzt durch die Solar- und Windkraftwerke nochmals verändert. Und durch teilweise zu hohe Förderungen verzerrt.

kostet == wucherhafter Verkaufspreis
Das Wasser, das den Bach runterrinnt, rinnt heute und morgen um den gleichen Preis (= Herstellungskosten).

Und genau der Strom

oder der Windstrom, wenn er gerade nicht gebraucht wird, wird dann billig verkauft.
Und kluge Leute haben beim Bach eine Mauer gemacht, damit sie das Wasser aufhalten und eben dann rinnen lassen, wenn der Strom gebraucht wird und diejenigen, die ihn brauchen, eben mehr dafür zahlen. Und die ganz klugen haben noch eine Pumpe hingebaut, damit sie dann, wenn der Strom nicht gebraucht wird und daher billig ist, das Wasser wieder hinauf pumpen und es bei Bedarf wieder zu einem hohen Preis Strom produzieren lassen.

Und naive Leute glauben, dass man das Wasser nur einfach rinnen lassen muss.

klingt gut

aber definieres "effizient"...

was genau wollens dabei mit einrechnen?

außerdem verstehe ich nicht ganz, wie sie "kWh gegen kWh tauschen" wollen. irgendeiner wird immer für den strom zahlen müssen, den er verbraucht - also "euro gegen kWh tauschen". wollen sie, daß der verbraucher direkt ans kraftwerk zahlt?

Stromkonzerne verkaufen untereinander Strom (Strombörse). Damit die Preise steigen, werden gezielt Kraftwerke abgeschalten und Verbrauchprognosen manipuliert. Diese Preissteigerungen treffen Industrie und Privathaushalte (durch entsprechende Einrechnung in die Kalkulationen).

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