Unternehmer klammern sich an Selbstbehalt

17. Oktober 2012, 12:41
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SVA-Versicherte wollen weiter für Arztkosten geradestehen. Hauptsache, die Versicherungs-Beiträge bleiben gleich

Wien - Die Versicherten der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) sprechen sich mit einer überwiegenden Mehrheit für die Beibehaltung des Selbstbehaltes statt höherer Beiträge aus. Das ergab die erste Mitgliederbefragung der SVA, deren Ergebnisse am Mittwoch präsentiert worden sind. SVA-Obmann Christoph Leitl freute sich bei der Pressekonferenz, dass die Versicherten außerdem das Motto "Vorsorgen statt Heilen" bestätigt hätten, ein entsprechendes Pilotprojekt soll nun in den Regelbetrieb übernommen werden.

Bei der sogenannten SVA-Urbefragung wurden 118.600 Fragebögen abgegeben, das entspricht einer Beteiligung von 21,8 Prozent, rund 99 Prozent der Stimmen waren gültig.

Die klare Mehrheit von 82,9 Prozent sprach sich für die Beibehaltung des Selbstbehaltes und keine Erhöhung der Versicherunsgbeiträge aus - nur 17,1 Prozent hätten lieber eine Abschaffung des Selbstbehaltes und damit einhergehend eine Erhöhung der Versicherungsbeiträge. Bestätigt wurde auch die einkommensorientierte Beitragsentrichtung (79,5 Prozent), rund ein Fünftel will dagegen eine stärkere Umverteilung.

Geringere Beiträge gewünscht

Abstimmen konnte man auch über die wichtigsten Zukunftsthemen für Gesetzesänderungen. An erster Stelle gereiht wurden hier mit 58,3 Prozent geringere Beiträge bzw. Selbstbehalte für einen gesundheitsbewussten Lebenstil. Leitl sah dadurch das derzeit als Pilotprojekt laufende Präventionsprogramm "Selbständig Gesund" bestätigt. Das Projekt soll nun in den Regelbetrieb übergeführt und als fixe Leistung angeboten werden - wie bisher auf freiwilliger Basis. Welche finanziellen Auswirkungen das habe, lasse sich noch nicht abschätzen.

Zu den Top-Anliegen der Versicherten gehören auch eine Vereinfachung der Ausnahmenmöglichkeiten von der Pflichtversicherung bei geringen Einkünften und bei den Mehrfachversicherungen (rund 29 Prozent). Gewünscht wird auch eine schrittweise Senkung der Mindestbeiträge (25,4 Prozent) und ein größerer gesetzlicher Spielraum für Hilfe bei individuellen Zahlungsschwierigkeiten (23,3 Prozent).

Bei Servicethemen wünschen sich die Befragten mehr Transparenz bei der Beitragsvorschreibung (50,8 Prozent), einen Ausbau der individuellen Beratung (33,4 Prozent) sowie den Ausbau der Informationen im Internet (23,6 Prozent).

Die Anliegen der Versicherten will Leitl nun Schritt für Schritt umsetzen. Auf einen konkreten Zeithorizont wollte er sich nicht festlegen, er betonte aber, dass nicht alles kurzfristig gehen werde.

Künstler kritisieren Art der Befragung

Kritik an der Befragung übten Autoren und Künstler: 430 Autoren und Künstler und die "IG Autorinnen Autoren" haben laut einer Aussendung eine schriftliche Gemeinschaftsantwort gegeben. Sie stören sich an "eingeschränkten Antwortmöglichkeiten" und "demagogischen Fragestellungen". Man werde auf reine Beitragszahler reduziert, deren Bedürfnisse keiner gesonderten Beachtung bedürften, hieß es.

Peter McDonald, Obmann-Stellvertreter der SVA, wies diese Kritik zurück. Man habe sich über den Fragebogen viele Gedanken gemacht und eine Gesamtmeinung abbilden wollen, und das sei seiner Meinung nach gut gelungen. (APA, 17.10.2012)

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