Alpine macht Kunden und Banken nervös

Claudia Ruff, Jan Marot, 17. Oktober 2012, 22:29
  • Johannes Dotter, lange Jahre bei der Porr und seit Jahresbeginn Alpine-Chef, 
trat zurück. Es folgt ein Spanier.
    foto: apa/fohringer helmut

    Johannes Dotter, lange Jahre bei der Porr und seit Jahresbeginn Alpine-Chef, trat zurück. Es folgt ein Spanier.

Johannes Dotter ist als Chef der Alpine Geschichte. Die spanische Mutter FCC steht weiter hinter dem Baukonzern

Wien/Madrid - Für den überraschenden Rücktritt von Alpine-Chef Johannes Dotter, der erst seit Jahresbeginn den Baukonzern leitet, gibt es für Branchenkenner die Theorie: Dotter wurde Opfer seiner eigenen Taktik. Er selbst hat jenes vernichtende Gutachten der Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gegeben, dessen Veröffentlichung der Alpine-Eigentümer, der spanische Infrastrukturkonzern FCC, schließlich als mangelnde Loyalität interpretierte. Andere berichten, die spanische Mutter FCC habe von Dotter verlangt, dass er etwas Positives zu Marktberuhigung veröffentlichen solle, was dieser aber ablehnte.

Nach Standard-Informationen wollte FCC, dass die heimischen Banken der hochverschuldeten Alpine 200 Mio. Euro nachlassen. Laut Profil online verlangten die Gläubigerbanken ihrerseits - allen voran Erste Group, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und UniCredit Bank Austria - von FCC einen Sanierungsbeitrag von 150 Mio. Euro ab, den die FCC aber vorerst nicht leisten könne oder wolle. Dem Vernehmen nach hat die Alpine in den vergangenen fünf Wochen keine Rechnungen mehr bezahlt.

Und so hieß es dann auch in einer Stellungnahme der FCC am Mittwoch: "Johannes Dotter hat die gemeinsam vereinbarte Konzernstrategie verlassen. Alejandro Tuya und Enrique Sanz werden diese als Geschäftsführer der Holding weiter konsequent umsetzen." Tuya ist derzeit stellvertretender Vorsitzender im Alpine-Aufsichtsrat, Sanz zweiter Geschäftsführer neben dem scheidenden Dotter. Damit leiten zwei Spanier, die kein Deutsch sprechen den Baukonzern. Im Aufsichtsrat sitzt übrigens noch die frühere österreichische EU-Kommissarin Benita Ferrero Waldner.

KPMG zufolge drohen der in Salzburg beheimateten Alpine heuer Wertberichtigungen von 300, möglicherweise sogar 400 Mio. Euro. Unter Einrechnung der Wertberichtigungen werde für 2012 ein negatives Ergebnis vor Steuern in der Höhe von 263 Mio. Euro erwartet. Laut KPMG war das bilanzierte Vermögen der Konzern-Dachgesellschaft Alpine Bau zum 31. Juni 2012 mehr als aufgebraucht. Das Eigenkapital war demnach mit 138 Mio. Euro negativ.

Aufträge gestoppt

Wie es mit der Alpine weitergeht wird wohl auch davon abhängen, wie liquid die Mutter ist und welche Garantien diese hat. Die Stuttgarter Zeitung berichtet bereits, dass erste Auftraggeber in Deutschland die Vergabe eines Planungsauftrags an die Alpine zum Bau für ein Kongresszentrum gestoppt hätten.

Die FCC stellte sich jedenfalls hinter Alpine und versuchte zu beruhigen: "Als Präsident und CEO der FCC-Gruppe möchte ich allen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten der Alpine die volle Unterstützung zusichern", sagte Baldomero Falcones, der auch Aufsichtsratschef der Alpine Holding ist. Die Alpine sei ein wichtiger Teil der Gruppe. Inoffiziell erfuhr der Standard in Madrid, dass die FCC Alpine "unter keinen Umständen fallen lassen, verkaufen oder gar liquidieren" werde. Die FCC werde die Liquidität der Alpine garantieren: "Die Banken müssen sich des Rückhalts seitens der FCC bewusst sein."

FCC-Mehrheitseigentümerin ist die spanische Milliardärin Esther Koplowitz, die rund 53 Prozent der FCC hält.

FCC hat weltweit über 90.000 Mitarbeiter in den Bereichen Bau, Infrastruktur, Energie, Immobilien, Abfall- und Wasserwirtschaft. Im Vorjahr setzten die Spanier 11,7 Mrd. Euro um, davon kamen 3,6 Mrd. von der Alpine. Der Gewinn fiel mit 108 Mio. Euro angesichts von Verbindlichkeiten von 6,65 Milliarden Euro (Stand Juni 2012) bescheiden aus.

Nicht nur die heimischen Banken wollen Geld von der FCC: Die spanische Großbank BBVA wollte die FCC dazu bewegen, bei ihrer Tochter, dem Zementhersteller Cementos Portland, Schulden im Volumen von 1,4 Mrd. Euro zu refinanzieren, biss aber auf Granit. FCC gab der Tochter jüngst 100 Mio. Euro, nachdem eine Kapitalerhöhung am miserablen Marktumfeld gescheitert war.  (Claudia Ruff, Jan Marot, DER STANDARD, 18.10.2012)

 

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dotter ...

... war wohl nicht das gelbe vom ei ;-)

Dotter ist nicht das gelbe vom Ei-Diesen passenden Wortwitz hörte man von Leuten der Wiener Alpine-Belegschaft seit Dotter und sein Stab an externen Experten und A.Kriechern an der Macht waren. Jetzt könnt es mit der Alpine wieder bergaufgehen!?!?

Es ist sicher zu hoffen, im interesse aller MitarberInnen der Alpine, dass es mit diesen Unternehmen wieder aufwärts geht. Die Probleme die Alpine derzeit hat sind sicherlich nicht nur in der relativ kurzen Zeit entstanden an der Dotter ander Macht war. Die Wurzeln der Probleme haben bestimmt eine längere Vorgeschichte.

das wird der markt schon regeln.

Corporate Bonds: Anleger zittern um Anleihen von Alpine Bau

Die zuletzt boomenden Unternehmensanleihen bergen doch noch Risiko in sich.

http://bit.ly/PDmPHB

die alpine steht nich so schlecht da, wie kolportiert

der rennomierte wirtschaftsprüfer kpmg hat seine younster flotte, die von bauwirtschaft grad mal keine ahnung haben da rein geschickt, die haben fleissig, aber sinnlos jedes risiko mit 100% schlagend bewertet und raus gekommen ist am ende eine wertberichtigung von 400mio. ohne das ergebnis dann kritisch zu hinterfragen hat der dotter den blödsinn "vorsichtshalber" in die öffentlichkeit geplärrt+ist nun "verdottert", daß das dem eigentümer nicht gefällt. no na gefällt´s der fcc nicht, wenn quasi über nacht ein werthaltiges asset von dessen eigenen chef zum sanierungsfall gemacht wird, die banken logischerweise "unrund" werden, der markt verrückt spielt und die reputation perdü ist.

Es gibt nicht viele Prüfer mit Bau-Expertise, das stimmt, schon gar nicht unter den Assistenten, die die Kanzleien nach einem halben Jahr wieder verlassen.

Und jedes Risiko mit 100% anzusetzen zeugt natürlich von Ahnungslosigkeit.

Aber die Alpine kann offenbar die Rechnungen nicht mehr bezahlen und sie hat Corporate Bonds emittiert, weil diese mit 6% billiger waren als ihre Kreditmöglichkeiten.

Die KMPG Bewertungsapokalypse heizt die Krise an, ist aber nicht die Ursache für die Zahlungsnot.

hehe,

der war ja bei Porr... den Mitbewerber jetzt schlecht dastehen lassen ist ev. eine "gut durchdachte" Aktion - vielleicht ist eine Übernahme geplant?

Soso, und deshalb bezahlt die Alpine seit Wochen ihre Rechnungen nicht mehr....

Leider ist unabhängig vom Wertberichtigungsbedarf die Liquidität offenbar sehr eng - es gibt also definitiv gröbere Probleme.

ach so ?

könnte aber auch sein, daß die schlechte presse jetzt die Liquidität schwächt........ das eine geht zwangsläufig mit dem anderen einher. und wo hat die begleitende Bank hingesehen, als im heurigen Jahr noch ein Corporate Bond begeben wurde ?. Ich mein ein Liquiditätsengpass der "passiert" ja nicht urplötzlich-bei der Emission hat das also niemand "übernasert", was nun die von Dotter geholten Wirtschaftsprüfer feststellten ? - also es gibt nur 2 Möglichkeiten: entweder hat jemand davor "groß angelegt getrickst" oder jetzt ist Panik ausgebrochen, die genau für die Katz ist & die eigentlich das Unternehmen beschädigen. Wobei ich bei den Handelnden eher davon ausgehe, daß 2teres der Fall ist.

und wenn die banken nervös werden, ist es für den steuerzahler an der zeit hellhörig und auch nervös zu werden

bin nicht so sicher...

banken werden ja erst nervös, wenn sie keinen blankoscheck von den steuerzahlern haben.

dürfte noch nicht systemrelevant sein die alpine. aber die övp wirds schon richten!

Es ist mir nicht aufgefallen, dass Frau Ferrero-Waldner ...

... Ihre Aufsichtsratpflichten rechtzeitig wahrgenommen und ausgeuebt haette ! Sonst haette sich Dotter wohl nicht so hasardmaessig verhalten koennen.

Du wusstest davor auch nix davon. Oder, Genosse?

ich sitze ja auch nicht im AR ...

... mit Zugang zu allen Kennzahlen und strategischen Entscheidungen und Einflussmoeglichkeiten auf diese, mein Herr !

Richtig, woher willst du dann beurteilen, ob sie sich richtig verhalten hat?

Ahhhaaaaaa.....

Frau Ferrero-Waldner hat den Nick "Ruabnzuzla"...? Gut zu wissen...

naja, die alpine ist in letzter zeit auch überall mit wahnsinnspreisen reingefahren...

Rücktritt

Auf einer Mauer.
Ich trete zurück.
Ich muss nur vorher darauf achten dass wenn ich dann hinten runter falle ich ganz weich lande.

Wieso können spanische Konzerne Bauunternehmen in Mitteleuropa wie Hochtief und Alpine übernehmen?

In Spanien gibt es seit Jahren eine gewaltige Immobilienblase. Den Banken und Baukonzernen scheint es nicht gut zu gehen. Ca. 60 bis 100 Mrd. Euros müssen da schnell von der EU rüberwachsen, um die Banken vorm Bankrott zu bewahren. Wieso können die Spanier dann nicht gerade kleine Firmen wie Hochtief oder Alpine übernehmen. Das Geld wird ja nicht aus der Portokassa kommen, sondern über Kredite aufgebracht werden.

Die Akquisitionen zumindest der Alpine erfolgte noch vor der Krise und da waren die Spanier angetrieben durch die spanische Baukonjunktur hochprofitabel bzw. war es ihnen zur damaligen Zeit ein leichtes das Geld auf zu treiben.
So schnell kanns gehen.

Hochtief gehört aber zur Strabag!!

Um sie auszusaugen.

Ich denke, das ist schon geschehen. Deswegen werden die Banken bluten.

von Krediten eben jener Banken.....die die Bauwirtschaft am Laufen halten (müssen) damit ihre Kredite nicht abgeschrieben werden müssen.
Die Bauwirtschaft ist ein einziger Kreditscherbenhaufen der nur durch Weiterbauen, Weiterbohren.....und so weiter, weiterbestehen kann

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