Big-Brother-Awards: Erste Nominierungen bekannt gegeben

17. Oktober 2012, 11:29

E-Control, Raiffeisen und Co. - Verleihung geht am 25. Oktober über die Bühne

Auch heuer werden in Österreich wieder die unter der Schirmherrschaft von Privacy International stehenden Big-Brother-Awards vergeben. Veratwortlich für die Negativ-Auszeichnung in Sachen Datenschutz und Privatsphäre ist der Verein Quintessenz. Die Verleihung findet am 25. Oktober, einen Tag vor dem Nationalfeiertag, im Wiener Rabenhof Theater statt. Die ersten Nominierungen wurden bereits bekanntgegeben.

IFPI beharrt auf Netzsperren

In der Kategorie "Business und Finanzen" finden sich der Musikindustrieverband IFPI, der sich weiterhin für Netzsperren ausspricht und eine Auskunftspflicht für Internetprovider bei etwaigen Verstößen von Privatnutzern fordert.

Der gläserne Patient

Für Analyse und Vermarktung von Patientendaten ist IMS Health auf der Liste gelandet. Laut Nominierungsschrift bietet das Unternehmen Ärzten 432 Euro jährlich an, um die Praxissoftware via Plug-in Daten automatisch übermitteln zu lassen. Erfasst werden etwa Geschlecht, Geburtsjahr, Diagnosen oder Medikamente und deren Dosierung. Auch mit Krankenhäusern und Apotheken arbeitet man zusammen.

Zahlen beim Vorbeigehen

Dritter Anwärter ist das CardService der Raffeisen Bank International. Dessen Leiter, Gerhard Kubu, wünscht sich kontaktloses Bezahlen ohne zusätzlicher Abfrage eines PINs. Via NFC und PayPass soll bei "Tap&Go" schon die Annäherung an die Kassa als Zustimmung zum Bezahlvorgang gelten - nicht nur zur Freude der Banken, sondern aufgrund der zahlreichen, denkbaren Missbrauchsmöglichkeiten auch für Kriminelle.

Im Vorjahr "gewann" A1-Chef Hannes Ametsreiter diese Kategorie, und zwar für Aussagen im Wall Street Journal und anderen Medien, die allgemein als Angriff auf die Netzneutralität gewertet wurden.

Petitionsplattform schickt Daten an Google

Auch die potenziellen Preisträger der Rubrik "Behörden und Verwaltung" stehen bereits fest. Als Erste auf der Liste finden sich Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und die Leiterin der Digitale Medien-Abteilung, Ines Kerle.

Grund: Bei der Einreichung von Petitionen und Bürgerinitiativen über die Webseite des Parlamentes wird ein Captcha-Dienst von Google als Sicherung verwendet. Damit landen heikle Daten beim Netzriesen, deren Auswertung beispielsweise rückverfolgen ließe, welcher Österreicher welches Vorhaben unterstützt hat.

Eine Frage des Lebensstils

Ebenfalls gute Chancen auf den Award haben Christoph Leitl und Peter McDonald, ihres Zeichens Präsident bzw. Obmann-Stellvertreter der Sozialversicherungs-Anstalt. Diese hat ein System eingeführt, dass Versicherten eine Senkung des Selbstbehalts beim Ärztehonorar von 20 auf zehn Prozent ermöglicht. Dazu muss gemeinsam mit dem Arzt ein Gesundheitsziel definiert und erreicht werden.

Daran wird heftige Kritik geübt, die man mit Bevormundung begründet. "Patienten, die nicht wollen, dass ihnen vorgeschrieben wird, wie sie zu leben haben, werden allerdings bestraft", so die Erklärung. Denn sie haben keine Chance auf den Bonus. Auch für Ältere und chronisch Kranke ist der Zugang zu dieser Ermäßigung nur schwer bis gar nicht möglich.

Dazu scheint man es mit dem Datenschutz bei der SVA nicht all zu genau zu nehmen. Für die Urbefragung wurden die Fragebögen mit individuellen Nummern ausgestattet. Diese fand sich später in einer personalisierten E-Mail wieder, die von der Jungen Wirtschaft ausgeschickt worden war.

Smart Meter als Vermarktungsinstrumente

Zu Nominierungsehren kommt auch das Smart Meter-Projekt. Die Daten, die von der neuen Generation an Stromzählern erhoben werden, lassen offenbar zahlreiche Rückschlüsse auf das Leben der Bewohner des Hauses oder der Wohnung zu - von der Nutzungsfrequenz einzelner Haushaltsgeräte bis hin zum gewählten TV-Programm. Daten, die von hohem Wert für Händler und Werbewirtschaft sein könnten.

Bis 2019 sollen alle bisherigen Zähler durch die neuen Geräte ersetzt werden, insgesamt 5,5 Millionen Stück. Statt einer jährlichen Verbrauchsablesung erfolgt diese dann wenigstens alle 15 Minuten automatisiert. Die Verbrauchsdaten sollen drei Jahre auf Vorrat gespeichert werden, eine Verordnung der E-Control unter Martin Graf und Walter Boltz, wofür die beiden auch persönlich nominiert sind. Die Behörde will den Stromlieferanten bei neuen Anwendungen und Geschäftsmodellen freie Hand lassen, wenngleich eine personalisierte Auswertung immerhin einer Zustimmung bedürfen wird.

MA 40 räumte ab

Letztes Jahr räumte die Leiterin der Wiener Magistratsabteilung 40 den Preis ab. Diese reicht die Daten von Sozialhilfe-Antragstellern an AMS, Bundespolizei, Arbeitgeber und zwölf weitere Empfänger weiter, die dazu auch noch ein Auskunftsrecht erhalten. Besonders heikel ist, dass in Wien auch der Vermieter informiert wird. Eine Klausel, deren Widerrufsmöglichkeit auch noch ungünstig - direkt unter der Zustimmungserklärung - platziert ist.

Morgen werden die Award-Kandidaten der Kategorie "Politik" bekanntgegeben, am 22. und 24. Oktober folgen dann "Kommunikation und Marketing" und "Weltweiter Datenhunger". (red, derStandard.at, 17.10.2012)

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21 Postings
BITTE WAS????

"Für Analyse und Vermarktung von Patientendaten ist IMS Health auf der Liste gelandet. Laut Nominierungsschrift bietet das Unternehmen Ärzten 432 Euro jährlich an, um die Praxissoftware via Plug-in Daten automatisch übermitteln zu lassen. Erfasst werden etwa Geschlecht, Geburtsjahr, Diagnosen oder Medikamente und deren Dosierung. Auch mit Krankenhäusern und Apotheken arbeitet man zusammen."

Also das ist ja völlig irre!

Smart Meter

Die Detailangabe ist wirklich falsch...
Aber trotzdem geht es keinem was an, wann ich genau wieviel Strom verbrauche ...
Warte nur bis Hacker dann den Einbrecherbanden die Daten weitergeben...
Ein großteil ist hier reine Geschäftssache (das Zeug verkaufen) und Abwälzung von Energieversorgungs-Verantwortung auf den Endkunden. Eine zentralere Erfassung Wohnblock Hausverbund reicht !!

Die Uni Wien für ihre "generalpräventive" Videoüberwachung seit 01.10. samt 30tägiger Speicherdauer wäre auch eine Nominierung wert. http://pdfcast.org/pdf/uni-w... berwachung

geht unter volkswahl

in den anderen kategorien ist es sache der jury.

ich hab den herren in der volkswahl eingereicht, der gegenstand dieses schreibens an die justizministerin ist:

brief an justizministerin karl wegen bmlvs/kammerhofer

http://www.ceiberweiber.at/index.php... es&id=2525

"...bis hin zum gewählten TV-Programm"

Das ist aber mal wirklich eine absolut schwachsinnige Behauptung! Bei hunderten empfangbaren TV-Programmen und tausenden TV-Gerätemodellen möchte ich wirklich gerne sehen, wie da jemand rein über den Energieverbrauch irgendwelche Rückschlüsse über den Programmkonsum ziehen will. Abgesehen davon hängt ja sowieso nicht nur der Fernseher alleine am Zähler, sondern der ganze Haushalt, es kommen potentiell also nochmal etliche dutzend andere Verbraucher dazu, die die Daten verzerren könnten. Mißtrauen ist bei Überwachungsthemen zwar immer angebracht, aber solange die Endgeräte nicht von sich aus Informationen ins Stromnetz einspeisen (die vom Smartmeter auch verstanden werden müßten), ist hier wirklich keine Paranoia nötig.

Deutsche Forscher sind stolz darauf, dass sie bereits 600 Hollywoodfilme eindeutig über den Stromverbrauch identifizieren können.
Aufgrund der Hell- und Dunkeltöne schwankt der Stromverbrauch...

das geht aber nur

im labor und nicht in einer wohnung wo auch noch andere, selbst schwankende, stromabnehmer laufen...

da ist es 100x wahrscheinlicher dass man auf das laufende TV programm aufgrund der elektromagn. abstrahlungen des displays schliesst...

Halt blöd, wenn man sich dann trotz der großartigen Auswahl von 600 analysierten Hollywood-Filmen erdreistet, was anderes anzusehen... ;-)

Abgesehen davon, so extrem effizient sind die meisten TV-Netzteile auch wieder nicht, daß man primärseitig jede kleine Helligkeitsänderung entsprechend ablesen könnte. Wenn das Gerät halbwegs auf Langlebigkeit ausgelegt ist, sind die Netzteil-Elkos so dimensioniert, daß man über den Momentanverbrauch bestenfalls zwischen Dauerhell und Dauerdunkel unterscheiden könnte...

Mal schauen, vielleicht wirds diesmal ein Jahr wo UPC nicht für den BBA nominiert wird?

obwohl die Wahrscheinlichkeit ist doch sehr gering.

Die Daten, die von der neuen Generation an Stromzählern erhoben werden, lassen offenbar zahlreiche Rückschlüsse auf das Leben der Bewohner des Hauses oder der Wohnung zu - von der Nutzungsfrequenz einzelner Haushaltsgeräte bis hin zum gewählten TV-..

Darüber wären weiter Infos sicher nicht schlecht! Vor allem, wo die Geräte schon eingebaut wurden, wo man sich eventuell erkunden kann etc.

TV-Programmkann man nur ablesen wenn man die Zählerdaten Sekundenweise speichert lässt. Stromzähler im Haushalt speichern die Daten im Normalfall jedoch nur alle 15min.
Aus diesen Daten kann man höchsten die Anwesenheit oder die Einschaltzeiten der Beleuchtung für die Setzlinge auslesen ;)

vor allem auch

wenn sie auf urlaub sind .....

und bald funkt jedes elektrogerät auch seine daten ...

Und die BB Awards gehen an...

INDECT
Vorratsdatenspeicherng
ACTA
SOPA
PIPA

IMS Health

dafuq...wer gibt einem Arzt das Recht meine Daten weiterzuverkaufen ?

freu mich schon auf diese zähler es gibt jetzt schon anleitungen im internetz die einem zeigen wie man diese zähler so manipuliert das nur ein bruchteil der verbrauchten energie erfasst wird. :-)

Bitte um einen passenden Link, wäre sehr an einem "Stromspar-Update" für mein Smartmeter von Landis&Gyr interessiert. :)

Link?

deswegen werden die auch nicht so schnell kommen meiner Meinung nach.
Man hat schon immer alles manipulieren können. Obs der Kilometerstand beim Auto war, oder meinetwegen jetzt das Smart-Meter.
Nur in den heutigen Zeiten ist es für eine Breite der Masse wirklich leichter an solche Infos zu bekommen und der Schaden für Betreiber, Verkäufer und Co. noch viel größer.

Und rechts geschieht ihnen. Ehrlich. Den Bürger unter Generalverdacht zu stellen, oder ihn überwachen zu wollen, ohne dass er es vermeindlich mitbekommt, geht mal gar nicht.

smartmeter

"Statt einer jährlichen Verbrauchsablesung erfolgt diese dann wenigstens alle 15 Minuten automatisiert"

der beste beweis dafür, dass diese dinger nur zu "spionagezwecke" vorgesehen sind. für den verbraucher hat der 15 minuten-rythmus absolut keinen nutzen.

und sicher sind diese teile auch nicht, obwohl der netzbetreiber immer wieder das gegenteil behauptet.

updates gibts für diese dinger auch immer wieder, werden natürlich aus der ferne aufgespielt. klingt sehr vertrauenserweckend, vor allem wenn man ja schon von haus aus nicht mal weis was diese dinger überhaupt "können".

missbrauch wird mit diesen teilen tür und tor geöffnet, die hacker wirds freuen.ist nur eine frage der zeit und verbreitung,bis es angriffe auf diese teile geben wird

15min

Hintergrund dürfte die Annahme sein, dass größere Siedlungen mit Solaranlagen versehen sein könnten und bei wechselnder Bewölkung auch wechselnden Strombedarf haben.
Für 99% der Fälle sind 15min schlicht unsinnig.

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