Schmerzmittel können Schmerzen fördern

  • Josef Donner von der MedUni Graz warnt vor den Risiken der Selbstmedikation.
    foto: pixelio.de/michael staudinger

    Josef Donner von der MedUni Graz warnt vor den Risiken der Selbstmedikation.

Mit steigendem Schmerzmittelkonsum erhöht sich das Risiko eines medikamentenbedingten Dauerkopfschmerzes - auch bei Kindern und Jugendlichen

Graz/Mannheim - 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen nehmen Schmerzmedikamente, zeigt eine auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim vorgestellte Studie. Die am häufigsten eingesetzten Schmerzmedikamente bei Kindern und Jugendlichen sind nichtsteroidale Antirheumatika wie Paracetamol und Ibuprofen, die von jeweils etwa der Hälfte der Kinder und Jugendlichen eingenommen werden. Etwas mehr als ein Viertel der Betroffenen nimmt sogar beide Analgetika parallel ein.

Mädchen werden signifikant häufiger mit NSAR, Opioiden und Metamizol behandelt als Burschen, auch für Ibuprofen gibt es einen "weiblichen Trend". Gleichzeitig steigt die Anzahl der Kinder, die Medikamente einnehmen, mit zunehmendem Alter signifikant an. Besonders deutlich wird dies am Beispiel von Metamizol: Während bei den unter 12-Jährigen jedes zehnte Kind Metamizol verabreicht bekommt, ist es bei den über 12-Jährigen schon jedes fünfte Kind.

Risiko: Schmerzmittel-Kopfschmerz

Kinder leiden, abhängig von ihrem Alter, hauptsächlich an Bauch- oder Kopfschmerzen. Bei Jugendlichen kommen Schmerzen am Bewegungsapparat und bei Mädchen Regelschmerzen dazu, erklärt Josef Donnerer vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der MedUni Graz. "Solange man ein paar Mal pro Monat ein Schmerzmittel einnimmt, ist das prinzipiell in Ordnung. Problematisch wird es erst, wenn der Konsum steigt", sagt der Experte. Denn mit dem zunehmenden Schmerzmittelkonsum steigt auch das Risiko des so genannten Analgetika-Kopfschmerzes, bei dem das Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen auslösen kann. Werden weiter Schmerzmittel eingenommen, um den Kopfschmerz zu bekämpfen, kann das bis zur Medikamentenabhängigkeit führen.

Keine Selbstmedikation

Josef Donner betont, dass die Behandlung von chronischen Schmerzen bei Kindern von einem Arzt oder einer Ärztin durchgeführt, und nicht als Selbstmedikation ohne ärztliche Konsultierung betrieben werden sollte. "Metamizol ist nur für die kurzfristige Anwendung geeignet und sollte keinesfalls länger als eine Woche lang eingenommen werden", so der Mediziner, der auch auf die Bedeutung eines Magenschutzes bei der Einnahme von NSAR hinweist: "Magenprobleme sind unabhängig vom Alter. Daher sollte man bei Magenproblemen auf jeden Fall einen Magenschutz zum Schmerzmittel geben". (red, derStandard.at, 17.10.2012)

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8 Postings

jedes 5. kind kriegt metamizol?

fällt mir sehr schwer zu glauben, fürchten sich doch alle in inadäquatem maß vor der möglichen agranulozytose...

...wenn da nicht diese Interessenskonflikte wären!

So wie es z.B. schmerzmittelinduzierte Kopfschmerzen gibt, gibt es auch eine ganze Anzahl von pharmainduzierten Krankheiten.

ja

heissen aber Nebenwirkungen und sind kein Grund zur Aufregung.

Sich über die Folgen von Medikamentenmissbrauch zu beschweren ist so als wurde man mit 200 aus der Kurve fliegen und sich dann beim Autohändler aufregen.

die meisten leute wissen gar nicht, dass sie medikamentenmissbrauch betreiben. bei kopfschmerz sollte man maximal an 10 tagen aber nicht mehr als 3 tage hintereinander schmerzmedikamente einnehmen (egal ob diese brufen, seractil, thomapyrin heißen). viele leute wissen das nicht - sie haben kopfschmerzen und müssen arbeiten, also wird ein schmerzmittel eingenommen. oft wissen die leute auch gar nicht wie oft sie diese mittel einnehmen - subjektiv ist es immer weniger als real. das merkt der patient erst wenn er einen kopfschmerzkalender führt. daher ist es nicht so einfach zu sagen, wer einen schmerzmittelindizierten kopfschmerz hat ist selber schuld.

Schmerzmittel können Schmerzen fördern

naja, sagt ja auch schon der name, sonst würde es schmerzgegenmittel heissen.
:P

Bingo!

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Schon richtig

dass es auf dem Gebiet wenig neues gibt. Allerdings ist die Aufklärung der Leute bezüglich dieser Thematik immer wichtiger geworden und dabei sollte man auch wissenschaftlich untermauern können. Ebenso müssen Statistiken aktuell gehalten werden.

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