Arm und Superreich: Die neuen Asozialen

Oberschicht und Unterschicht haben für Walter Wüllenweber eins gemein: leistungsloses Einkommen und Tricksen

"Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut": Der deutsche Wirtschaftsminister und spätere Kanzler Ludwig Erhard hat diese Worte der Nachwelt hinterlassen. Der Vater des deutschen Wirtschaftswunders hat in den Nachkriegsjahren aber auch etwas gemacht, was heute nicht nur in Deutschland absolut verpönt ist. Er bat die Reichen zur Kasse - und das nicht zu knapp.

Verlangt hat er von den Begüterten einen sogenannten "Lastenausgleich" zur Eingliederung der Kriegsvertriebenen. 1948 wurde kurzerhand der Wert der Vermögen geschätzt. Davon mussten die Besitzer glatt die Hälfte abgeben, und zwar über 30 Jahre verteilt. "Würde heute jemand eine Rückkehr der Vermögenden in die Gemeinschaft der Steuerzahler in der Größenordnung des Lastenausgleichs fordern, er würde als ahnungsloser Sozialist beschimpft, als Gefahr für den Standort Deutschland", steckt "Stern"-Autor Walter Wüllenweber den Rahmen für eine Grundsatzdiskussion ab, für die er in seinem akribisch recherchierten Buch "Die Asozialen" reichlich Stoff bietet.

"Bei Erhard nannte man das Wirtschaftswunder. Gäbe es seine geniale Erfindung heute noch, müssten die Vermögenden jedes Jahr rund 27 Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskasse zahlen", rechnet Wüllenweber vor. Ober- und Unterschicht, so lautet seine Diagnose, ruinieren das Land. Ihre Gemeinsamkeit: Tricksen. Die einen bei den Steuern, die anderen bei den Transferleistungen. Mit vereinten Kräften werde an den Rändern der Gesellschaft deren Auflösung vorangetrieben. Und der Staat schaue zu, ja unterstütze diese Entwicklung sogar durch die entsprechende Abgaben- und Sozialpolitik.

Die Last lindern

Was die Oberschicht betrifft, so wäre ihr Beitrag zur Linderung der Krisenfolgen nur gerecht, findet Wüllenweber, wenn er auch konzediert, dass eine konkrete Ausgestaltung nicht einfach wäre. Die "Last", die es heute auszugleichen gilt, sei immerhin die Bewältigung der Krise des Finanzmarktes. Eine Last, die Wüllenweber durchaus in verständliche Zahlen zu fassen weiß: Die Größenordnung der Verschuldung aus der Krise entspricht den Kosten der jeweils größten Vorhaben in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Mit einem Schuldenhügelchen von 20 Prozent des BIP ging man an den Start. Beim Ausbau des Sozialstaates kamen noch einmal Schulden in gleicher Höhe dazu, den dritten Schub verursachten die Kosten der Wiedervereinigung. Der Hügel wurde mit 60 Prozent zum Berg. Das Krisenmanagement nach der Lehman-Pleite hat die öffentliche Verschuldung der Nachbarn um weitere 15 bis 20 Prozentpunkte anwachsen lassen.

Eine Last, die die Welt dem Geldadel zu verdanken habe, wie Wüllenweber drastisch formuliert. Als prominenten Zeugen ruft er den mittlerweile verstorbenen Harvard-Wirtschaftshistoriker John Kenneth Galbraith auf: "Die Vermögenden sind die Verursacher aller Zusammenbrüche in der Geschichte der Finanzindustrie. Wenn die Reichen zu reich werden, wird es gefährlich." Wer über ein großes Vermögen verfüge, verdiene meist mehr Geld mit Zockerei an der Börse als mit Erwerbsarbeit.

Mythos Leistungselite

Nicht allein die Tatsache, dass Vermögen in Deutschland (ebenso wie in Österreich) vergleichsweise gering belastet werden, ist die Sorge Wüllenwebers. Was ihn viel mehr beschäftigt, ist ein Mythos, an dessen Dekonstruktion er heftiges Interesse zeigt. Die Wirtschaftselite als Leistungselite, das sei ein Bild von gestern. Das Bild des Reichtums sei veraltet, ein verblasster Abzug einer Fotografie. Es zeige die bessere Gesellschaft in den 1960er und 1970er Jahren. Damals zeigten sich die Vermögenden mit ihrem Reichtum, und sie beteiligten sich mit hohen Steuerzahlungen nennenswert an der Finanzierung des Staates. Unternehmensgründer waren in der Welt der Habenden noch wer, Erben die Minderheit.

Die Leistungsgesellschaft - Grundlage des deutschen Wirtschaftswunders - habe sich aber zu einer Erfolgsgesellschaft gewandelt, moniert Wüllenweber. Während Leistung Arbeit bedeute, sei Erfolg auch mühelos und mit Hilfe der richtigen Vermögensverwalter zu haben: Erfolg an Renditen und Profit. Ein Unternehmen zu führen sei aktiv, Geld zur Bank zu bringen passiv: Die besitzende Klasse wandle sich vom Aktivposten der Volkswirtschaft zu einem passiven Kostgänger, lautet sein spitzer Schluss. Einen Propaganda-Erfolg könne man den Habenden allerdings nicht absprechen: Sie hätten ihr Image als Leistungselite in weiten Teilen der Bevölkerung etabliert und gefestigt.

Die deutsche Geldelite sei auch keineswegs die vom Finanzamt verfolgte Minderheit, als die sie sich gerne darstelle, konstatiert der Autor. Die Oberschicht gefährde den Wohlstand der gesamten Gesellschaft und überlasse die Finanzierung des Gemeinwesens weitgehend der arbeitenden Mittelschicht. Die Oberschicht, ihr Verhalten und ihre Wertvorstellungen müssten ein Thema in der öffentlichen Diskussion werden, postuliert der Autor - auch wenn sie diese Debatte bisher beharrlich und erfolgreich verweigere.

Der Klub der richtig Reichen

Wüllenweber beklagt, was andere auch feststellen: Sozialwissenschafter (...) vermessen jeden Winkel der Gesellschaft vom gepiercten Pensionisten über den vegetarischen Hundehalter existiere ein detailliertes Bild. Nur von den Reichen wisse man praktisch nichts. Jeder Auseinandersetzung verpasse man sofort das Etikett Neiddiskussion. Ausgerechnet die vermutlich einflussreichste Minderheit entziehe sich der Beobachtung und Beurteilung durch Medien und Wissenschaft. Was Wüllenweber stört: Wenn es um eine Vermögensdebatte geht, stehen immer sofort die Manager als von Berufs wegen sichtbare Reiche im Zentrum. So ist für ihn der falsche Eindruck entstanden, Manager und Reiche seien identisch. Tatsächlich seien Manager nur eine Randgruppe im Klub der richtig Reichen.

Der rekrutiert sich auch bei den Nachbarn vorwiegend aus den Erben (im Gegensatz zu Österreich hat Deutschland die Erbschaftssteuer nicht abgeschafft, Anm.). Und die sind für Wüllenweber eine Klasse für sich, keine Führungsschicht, keine moralische Instanz, keine Klasse von der politische, intellektuelle oder kulturelle Impulse ausgehen, keine Leistungselite. Abgesehen davon, dass die reichen Erben Heerscharen an Vermögensberatern beschäftigen würden mit dem Ziel, keinen Cent Erbschaftssteuer zu entrichten, würden sie sich am stärksten in eine Parallelgesellschaft zurückziehen. Während die Gründergeneration sich noch für die Belange der Gemeinschaft interessiert und engagiert hätte, ließen die neuen Erben das Geld für sich arbeiten, blieben unter sich, zeigten kaum Interesse an politischen Ämtern: zu mühsam, zu schlecht bezahlt.

Erfolg gelte den Reichen nicht mehr als Ergebnis von Leistung, sondern als ein Recht, das einem aufgrund der Herkunft zusteht. Was nicht erstaunt: Nur zehn Prozent aller Erbschaften sind in Deutschland überhaupt erbschaftssteuerpflichtig. Erben ist auch bei den Nachbarn ein Privileg einer absoluten Minderheit. Trotzdem äußert sich die absolute Mehrheit bei Umfragen regelmäßig gegen eine stärkere Besteuerung der Hinterlassenschaften. "Die Mittelschicht verteidigt vehement die Privilegien der Oberschicht", formuliert Wüllenweber, "sie kämpft für die Kinder des Geldadels und gegen die eigenen." Weil über Vermögen, den wahren Reichtum, so wenig bekannt sei, beschäftige sich die Gesellschaft lieber mit ihrem Lieblingsfeindbild: den Besserverdienern.

Der Staat hilft kräftig mit

An der Zementierung der Situation hilft laut Wüllenweber der Staat kräftig mit. Während die Mittelschicht brav Steuern und Sozialversicherungsleistungen abführe, blieben Unternehmensgewinne und Profite aus Kapitalgeschäften - die entscheidenden Einnahmequellen der Reichen - von Sozialversicherungsabgaben verschont. Auch bei den Arbeitseinkommen gibt es nach oben hin Grenzen: Der Milliardär zahlt keinen Cent mehr in die Sozialversicherung ein als seine Chefsekretärin, in aller Regel aber gleich gar nichts: Unternehmer und Selbstständige sind von der Versicherungspflicht generell befreit.

Die stärksten Schultern lassen somit in Wüllenwebers Diktion die Mittelschicht mit den Kosten der Arbeitslosigkeit allein. Sie finanzieren keine Pensionen, bezahlen nichts für die Kosten der Gesundheitsversorgung der sozial Schwachen: "Den Preis der Solidarität zahlen andere, die Superreichen nicht." Und auch was die Steuern betrifft, ortet Wüllenweber nichts als einen dreisten Propagandatrick. Die Einkommenssteuer mache nicht einmal ein Drittel des gesamten Steueraufkommens aus (32,6 Prozent) - die Spitzenverdiener würden davon ein Viertel zahlen - rund acht Prozent der gesamten Einnahmen des Fiskus. Von den Kapitalerträgen zieht das Finanzamt pauschal 25 Prozent ab, beim Arbeitseinkommen wird ein Spitzensteuersatz von bis zu 45 Prozent fällig. Leistung muss sich lohnen? Die deutsche Steuerpolitik fördere nicht Leistung, sondern Reichtum, höhnt der Autor.

Unten kommt nichts an

Die Diskussion werde falsch geführt, moniert Wüllenweber und schreibt noch einmal zusammen, was andere auch schon feststellten: Die wahre Dimension des Reichtums ist nicht das Einkommen, sondern das Vermögen. Diesbezüglich gilt in Deutschland, was auch in Österreich gilt: Vermögen ist ungleicher verteilt als Einkommen und die Vermögenskonzentration hat noch weiter zugenommen. Die großen Gewinner der Umverteilung des jüngsten Jahrzehnts sind die oberen 80.000, das reichste Promille. Früher glaubten viele Wissenschafter an den "Trickle-down-Effekt", daran, dass Reichtum von oben nach unten durchtröpfelt. Reichenforscher Michael Hartmann weiß es in Wüllenwebers Buch besser: "Alle Studien zeigen, unten kommt nichts an."

Unten, das ist für den "Stern"-Autor die nächste Baustelle, die jener der Oberen ähnlicher ist, als man denkt: Beide verabschieden sich gleichzeitig aus der Gemeinschaft und ziehen sich in Parallelwelten zurück. Besonders deutlich würde das bei den Kindern. Hauptschulen entwickelten sich zu Bildungsstätten fast ausschließlich für die Unterschicht, die Kinder der Vermögenden blieben in Privatschulen unter sich: Ghettoschulen für Ghettokinder. Und während die einen immer oben blieben, blieben die anderen immer unten. Beide Milieus hätten Tricksen zum Teil ihrer Lebensform erhoben und würden über enormes Erfahrungswissen beim Aufspüren und Ausnutzen der Lücken im System verfügen. Skrupel seien weder ganz oben noch ganz unten festzustellen. Für das Zerbröseln der Gesellschaft seien beide verantwortlich.

Signatur der Unterschicht

Während der Sozialstaat wirtschaftliche Armut beseitigt habe und keine höheren Transferzahlungen brauche, hapere es an der besseren Bildung. Denn wirtschaftliche Armut sei in unserer Gesellschaft nicht mehr die entscheidende Dimension der Benachteiligung. Mangelnde Bildung, keine soziale Mobilität und damit einhergehend eine ganze Fülle sozialer Probleme sei die Signatur der Unterschicht, die "noch unterschichtiger geworden ist" (Sozialwissenschaftler Wolfgang Hinte).

Die Politik würde die notwendigen Investitionen in ein faires, effizientes Bildungssystem scheuen. Der Unterschicht habe die Politik des Geldverteilens nicht geholfen, sondern geschadet, weil sie ihre wirklichen Probleme verharmlose. Arbeit bedeute Geld und Teilhabe. Keine Arbeit bedeute trotzdem Geld. Aber keine Teilhabe. (Regina Bruckner, derStandard.at, 17.10.2012)

Walter Wüllenweber
Die Asozialen
Wie Ober- und Unterschicht unser Land ruinieren - und wer davon profitiert
DVA Verlag
256 Seiten, 20,60 Euro

Nachlese

Österreich bei Millionärsdichte auf Platz drei?

Erben wichtige Quelle für Reichtum

  • "Stern"-Autor Walter Wüllenweber sieht die Gesellschaft an den Rändern verlottern.
    foto: reuters/sagiol

    "Stern"-Autor Walter Wüllenweber sieht die Gesellschaft an den Rändern verlottern.

  • Artikelbild
    foto: dva
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Danke Frau Bruckner.

Wollte mich unlängst selbst dem Thema widmen. Der Kommentar wurde leider abgelehnt. Doch schön wenn der Standard diese Diskussion endlich in die Öffentlichkeit bringt. Genau diese, aus der Realität nicht nachvollziehbare Theorie, des Trickle-down, ist doch die Basis aller Schwächen gängiger Wirtschaftstheorien. Diese überschüssigen Gelder landen doch immer mehr in den Casinos der Hochfinanz und damit schließlich bei den Banken, welche die härteste Gangart an den Tag legen.

Nochmals vielen Dank, Ihr Wildweststeier

Ich möchte kurz noch einen Aspekt anreißen:
den gegenüber sehr Armen in hohem Grade asozialen Staat.

Insofern nämlich es dessen Behörden überhaupt nicht interessiert, wie denn ein kleiner Selbstständiger, Arbeitsloser oder Invaliditätspensionist denn seine Lebenskosten (Miete etc.) zahlen wird, finden diese, dass ein Cut oder Einzug, z.B. Sozialversicherung-SVA, oder Ausgleichszulage, Arbeitslosengeld fällig ist oder einbehalten wird.

Einen angeblichen Sozialstaat sollte es sehr wohl interessieren, in welchen finanziellen Verhältnissen solche Dinge den Betroffenen Sonst kann sich der Staat nämlich das geheuchelte Interesse, das er für Armutsbekämpfung und Gesundheit bezeugt, sparen und wird darüberhinaus ihm Verfeindete kreieren.

Pensionsversicherungsanstalt,

Ein Beispiel für solche Infamie:

Invaliditätspensionisten mit Ausgleichszulage (ergibt in Summe ca. €777 14x monatlich) ist es meines Wissens in Österreich verboten, einer Nebenbeschäftigung nachzugehen
(sehr sinnvoll), ansonsten der Entzug der Ausgleichszulage droht.

Ich habe umlängst Meldungen von zwei solchen Bekannten erhalten, wonach beide, zweimal, innerhalb von drei, vier Monaten (!) einen "Fragebogen Ausgleichszulage" erhielten (was bis dato laut beiden aber noch nie der Fall war). Da sind 4 Seiten auszufüllen zum Thema "Einkünfte" und persönliche Daten die längst bekannt.

Das schaut für mich sehr nach Schikane aus.

Gleichzeitig, was noch interessanter ist, dürfen plötzlich (laut Standard) Invaliditätspensionisten, die beim

"Meldungen von zwei Bekannten erhalten": das ist (ziemlich durchsichtig) nicht wahr. Ich habe gar keine solchen Bekannten. (Weshalb ein Amtsmißbrauch seitens der Behörde für Menschen wie mich nur schwer zu überprüfen WÄRE: wir kennen einander nicht, dies gilt auch für Arbeitslose häufig). Ich korrigiere daher: ich selbst habe nach nur x Monaten noch einmal das Formular erhalten, obwohl es schon lange, nicht registriert (kostet übrigens zusätzlich) aber einwandfrei 'markiert' abgeschickt wurde.

Unbedingt einschreiben, sonst kann jeder irgendetwas behaupten :).

Beim Anruf, der nur Auskünfte verlangte, die NICHTS mit der Identität einer Person zu tun haben, nämlich z.B., wie häufig wir denn erwarten dürfen, solche Formulare zugesandt zu

bekommen, wurde ich in meinem Anliegen unterbrochen und mir in schärferem Tonfall die SV-Nummer abverlangt (die ich auch hergab). Die Dame behauptete später, als ich daraufhin ebenfalls einen schärferen Tonfall an den Tag gelegt hatte, sie wäre nicht unfreundlich gewesen, ich soll es doch bitte zu ihr auch nicht sein.

- bei der Fa. Reintegra vorstellig werden, sehr wohl stundenweise dazuverdienen. Aber das gehört wohl zur 'Reintegration', ist also eine Ausnahme für Patienten, die mit dieser (späterVollzeit!) Situation bzw. handwerklichen Arbeiten zufrieden sind (bzw. tauglich dafür). Ich nehme an, der Zugang ist freiwillig.

Aber um wieder zum eigentlichen Punkt zu kommen: es interessiert mich, was in den Köpfen derer vorgeht, die so mir nichts dir nichts Geld entziehen; denn das kann leicht an die noch wohnliche Existenz gehen. Es interessiert keinen, ob man Schulden hat oder mitschleppt und/oder krank ist und/oder bald auf der Straße sitzt - unsere Beamten und deren Anführung interessiert es nur, ob, nein DASS man lügt. LÜGT: geringe Einkünfte

ASOZIAL

verschweigt. Sehr katholisch. Sehr fromm. Total hirnlos. Aber Beamte, die wissen, dass 1+1=2, sind wohl politisch nicht erwünscht.

-> ist es, Menschen auf die Straße zu setzen bzw. sie dorthin zu befördern. Neben der nicht ganz unwesentlichen WÜRDE, die eine private Behausung gewährt, ist man mit einem Schlag sämtliches Eigentum los; ob eine Behörde ganz genau WEISS, was sie angerichtet hat, oder nicht, spielt keine Rolle.

Ist das alles einer SPÖ, einer sogenannten christlich-sozialen Partei WÜRDIG? Ist es unserer Gesellschaft würdig? Ist es in Ordnung, sich die Gewährleistung einer Grundsicherung und Krankenversicherung für Obdachlose auf die Fahnen zu schreiben, wenn gleichzeitig für mehr und mehr Obdachlose gesorgt wird?

Die einzige Konsequenz, die einzige Lehre aus den vorigen Absätzen

wäre ein BGE (bedingungsloses Grundeinkommen), und sei er noch so minimal.

(Oder man ist so lieb und überprüft die finanzielle Verhältnisse des Betroffenen, bevor man Cuts durchführt oder Steuernachzahlungen verlangt. Ich wäre eher für ersteres, denn das würde eine Menge an Verwaltungskosten und Beamtenlöhne ersparen.)

Ich würde dieses minimale BGE bei etwa €950 btto, 14x, ansetzen. Das erscheint manchen sicher zuviel: aber hier wäre Wohnbeihilfe (Privatmietmarkt: ca. €130) und Krankenversicherung (ca.€50) inkludiert. (Es blieben €770).

Wohnrecht.

Ferner ist ein Wohnrecht das Gebot des Tages, am besten natürlich EU-weit, sowie BGE auch
(London machte natürlich gerade Squatting strafbar.
+ - Throw the Tories out. - +) Es sollte mindestens erlaubt sein, länger leerstehende Gebäude zu besetzen, die man dann für mindestens ein Jahr nicht räumen lassen darf.

Ferner müßte ein Sozialfonds her für Leute, die gefährdet sind, ihre Wohnung zu verlieren (welcher Fall selbstverständlich nicht so häufig wäre wie vorher, siehe BGE). Das hieße, dass mit Miete usw. vorübergehend eingesprungen werden sollte.

uns was wären Sie lieber? ein reicher asozialer oder ein armer asozialer? Eben.

Es gibt qualitative unterschiede - auch in der Asozialität. Wie man Menschen, die wenigst zum Leben haben, jeden tag um´s überleben kämpfen müssen quantitativ mit Menschen gleichsstellen kann, die so fett in der marie sitzen, dass sie ununterbrochen aus jeder yellow press triefen, ist mir nicht nachvollziehbar. Gut finde ich aber, dass hier endlich das Türl aufgemacht und der Blick in den Bereich des VERMÖGENS freigegeben wird. (wobei gilt: die armen asozialen verfügen ja über kein vermögen, sondern höchstens über geringstes einkommen.) Die Gleichstellung von reichen und armen Asozialen führt erfahrungsgemäß nur dazu, dass man sich die Armen Asozialen vornimmt und ihren Sumpf trockenlegt, während man Vermögens- Asoziale weiterhin verehrt.

18.10.2012, 10:09
alle anderen sind gierig - nur wir nicht ?

man sollte sich von der Vorstellung verabschieden dass es böse, gierige Menschen gibt (also laut diesem Artikel die Ober- und die Unterschicht), sondern verstehen dass jeder Mensch seine Interessen wahrnimmt (und auch das Recht dazu hat) und es nur eine Frage der Möglichkeiten ist WIE er es tut.

Ja und?
Was hat das mit der Tatsache zu tun, dass man Arbeitseinkommen schröpft und Vermögen nicht?

18.10.2012, 10:46

Einkünfte aus Vermögen werden in Österreich nicht besteuert ? Tatsächlich ?

Eindeutig nicht mit 50% wie das Arbeiteinkommen der Mittelklasse.

""Die Mittelschicht verteidigt vehement die Privilegien der Oberschicht", formuliert Wüllenweber, "sie kämpft für die Kinder des Geldadels und gegen die eigenen.""

...das werde ich auch nie verstehen. Nur ist es halt schon so, dass die vermögenden, bzw. deren Wasserträger sich sehrwohl in die Debatten einmischen, um eben genau dieses eigenartige Bild zu erzeugen: Vermögen=Leistung, Mittelstand=Oberschicht!

Andererseits: wie will man Ober- und Unterschicht in die Gesellschaft integrieren? Das ginge nur auf einer ökonomischen Ebene. Dafür gibt es aber zu wenige Arbeitsplätze...

Das ist ganz einfach aus meiner Sicht.

Man kann z.b. die ERbsteuer nehmen. Die Mittelschicht ist dagegen weil sie bei einer Erbsteuer z.b. 7000 Euro zahlen müsste. Das man gleichzeitig dem Wlaschek juniors damit 100Mio spart nimmt man dafür in Kauf.

Das ist letztlich ein zumindest kurzfristig rationales Verhalten. Das der Staat mit 100Mio z.b. bei den Universitäten etwas machen könnte was vor allem den Mittelschichtkindern sehr viel bringen könnte würde a) Vertrauen in den Staat und b) Weitsicht voraussetzen.

Die Wlaschek Juniors zahlen ja keine Erbschaftssteuer.

Deren Vermögen ist in einer Stiftung geparkt, da gibt's kein Erben, sondern nur einen Wechsel der Begünstigten - und damit keine Erbschaftssteuer.

Das wäre eine wichtige und richtige Maßnahme, bringt aber in Bezug auf Integration nix!

Ich kann mir auch vorstellen, dass eben hinter den Kulissen zusätzlich zum "Nein" zu Erbschaftssteuern verhindert wird, dass Vorschläge auf den Tisch gelegt werden, die eine progressive Erbschaftssteuer mit Freigrenzen beinhalten. Denn würde eine solche zur debatte stehen, könnte man keine Interessensgleichheit von Mittel- und Oberschicht behaupten...

Erbschaftssteuer ist eine Mittelschichtsteuer - weil die Reichen sowieso in Stiftungen und andere Konstrukte ausweichen können.

Eine Erbsteuer kostet ja auch in der Einhebung etwas.

Damits also fiskalisch irgendeinen Sinn hat wirds nicht gehen erst bei 5 Mio Vermögen anzufangen.

Aber das sind schon Detailfragen. Grundsätzlich haben Sie recht. Aber die Menschen vertrauen halt auch dem Staat nicht viel. Man befürchtet, dass dann nach wenigen Jahren die breite Masse zu zahlen hat.

"Aber die Menschen vertrauen halt auch dem Staat nicht viel."

zurecht! Das ist aber schon auch eine Frage, die über das eigentliche Thema hinausgeht. Alle sind gegen höhere Steuern, keiner will aber auf Zuwendungen verzichten.
Es ist aber z.B. auch ein Skandal, dass in einem Hochsteuerland z.B. eine gerichtliche Eingabe knapp 100 Euro kostet... Ein Beispiel von vielen!

So oder so wird man nicht drum herumkommen, jene die mehr von der gesellschaftlich verrichteten Arbeit profitieren, mehr zur Kassa zu bitten. Ob das einvernehmlich passieren wird oder unter massiven Druck, kann sich die Oberschicht ja aussuchen...

Nein, das ist auch kurzfristig nicht rational.
Denn die Mittelschicht vergisst, dass man sich das Geld sowieso holt.
Dann eben über Gebühren der verschiedensten Art und über Massensteuern.
Und sie können Gift darauf nehmen, dass der Wlaschek Jr. dann keine 100 Mio zahlt.
Und die Mittleschicht 8000 - 9000 statt 7000.

Es gibt ja diese arabische Fabel vom Affen der verhungert

weil er in einen Tontopf mit Essen greift und es nicht mehr schafft die Faust aufzumachen um das Essen loszulassen und deswegen die Faust nicht mehr aus dem Topf bringt...

Der Grundreflex der Bevölkerung ist halt "no more taxes!".

Eigentlich ist es eh klar

dass das viele Geld, das wenige horten anderswo fehlt - der breiten Masse.

Früher wäre das Volk wohl schon mit Stöcken und Steine gegen die wohlhabenden Nichtsnutze vorgegangen und hätten sie vertrieben ...

Ui das wird dem MIttelstand bzw. der Mittelschicht ja runtergehen wie BUtter:)Leider ist es halt nicht so einfach.

Die strukturellen Defizite der Staaten (also ohne die Blödheiten der FI) ergeben sich halt auch aus dem Verhalten der Mittelschicht. EInerseits sind ja z.b. die ganzen Beamtenberufe klassische Mittelschichtsberufe. Und dort werden Privilegien mit einer beispiellosen Frechheit und einer Uneinsichtigkeit die bedauernswert ist verteidigt.

Andererseits hat die Mittelschicht sich natürlich auch Tricks angeeignet um zu ganz netten Benefits des Sozialstaates bzw. des Subventionsstaates zu kommen und nach oben hin hat man sich auch von den Reichen schon was abgeschaut.

In meinem erweiterten Bekanntenkreis gibt es zum Beispiel schon doch immerhin 3 Beamte die plötzlich am WOchenende auf ihrem brachliegendem EU Grundstück zu Landwirten mutieren

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