300 Entwürfe: Wie das Microsoft Surface entstanden ist

Von Sinofskys Skating-Künsten, Falltests und dem Tablet als Gateway zwischen Desktop und Smartphone

Ende nächster Woche wird Microsofts neues Tablet, Surface, gemeinsam mit Windows 8 in den Verkauf starten. Doch schon am Montag gewährte der Softwarekonzern im Redmonder Hauptquartier einen kleinen Einblick darüber, wie das erste eigene Pad seit 2001 entstanden ist.

Ein "perfektes Produkt"

Dem anwesenden Publikum wurden jene Anlagen gezeigt, wo das Gerät erdacht und Prototypen mittels 3D-Druckern erstellt wurde. Die Referenzdesigns wurden aber nicht nur aus Plastik geformt, sondern teilweise auch aus Karton gebastelt. Über 300 Entwürfe wurden erstellt, bis das Surface seinen finalen Look gefunden hatte.

Und man wurde nicht müde, zu betonen, dass das Tablet ein "perfektes Produkt" sei und wie man sich mit einem neuen Ansatz von Apple und Google unterscheiden möchte. Oder wie es Panos Panay, Manager des Surface-Projektes, laut The Verge ausdrückt: "Es gab keine Unfälle bei diesem Gerät".

Das Surface-Skateboard

Der Großteil des Prozesses lief in-house ab, erst späte Designmuster wurden nach China für breitere Produktion ausgeschifft. Dort werden die gleichen 3D-Drucker verwendet, wie in Redmond. Das Designteam hatte auch hier seine Augen auf dem Prozess und unternahm allein 2012 zehn Ausflüge in die Volksrepublik. Zwischen dem Start und dem finalen Produkt stehen über 300 Entwürfe.

Um die Verarbeitung macht man sich keine Sorgen. Panay merkte während eines laufenden Falltests aus rund 91 Zentimetern Höhe an, dass er sich mehr Sorgen um das Bodenparkett, als um das Tablet machte, während Windows-Chef Steven Sinofsky seine Skateboardkünste auf einem Surface mit Rädern demonstrierte.

"Das iPad ist in Microsofts Kopf"

Das Surface hat verschiedene Inspirationsquellen, darunter etwa das Moleskine Notebook. Während Sinofsky nur wenige Worte über die Konkurrenz aus dem Android-Lager und Produkte wie den Kindle Fire verlor, tauchte Apples iPad immer wieder als Referenzpunkt auf.

"Kurz gesagt: Das iPad ist in Microsofts Kopf. Was interessant ist, denn als man begonnen hat, ein eigenes Tablet zu machen, wählte man eine fundamental andere Strategie als die Konkurrenz", merkt dazu Wired-Redakteur Mat Honan an, der ebenfalls in Redmond vor Ort war.

Alternativer Zugang

Dieser Unterschied zeigt sich im Gerät und im Betriebssystem. Apple und Google verstehen Smartphone und Tablet weitestgehend als Variationen voneinander, die mit dem gleichen Betriebssystem laufen können, während der Desktop klar abgegrenzt wird. Bei Microsoft teilen sich Tablet und Desktop Windows 8, dafür bekommen Smartphones mit Windows Phone ihre eigene Plattform.

Das Tablet dient als Gateway zwischen beiden, wie besonders am Surface RT ersichtlich ist. Obwohl darauf eine abgespeckte Windows-Version für ARM-Plattformen läuft und man auf die üblichen Desktopprogramme verzichten muss, laufen viele Apps - wie Mailclient, Internet Explorer, der People-Social Hub oder der Windwos Store - nativ auf dem Gerät, auf dem sich per USB auch zahlreiche externe Hardware wie Drucker oder Festplatten anschließen lässt.

Touch Cover: Mehr als nur Zubehör

Honan zeigt sich begeistert von der Detailarbeit, die Microsoft in das Tablet gesteckt hat. Selbst zwischen der Vorstellung im Juni und der Vorstellung in Redmond erfolgten noch Überarbeitungen der Hardware. So hat man etwa die Abschrägung des Randes noch einmal überarbeitet, um das Gerät besser anfassbar zu machen.

Sowohl dem Vertreter von The Verge und Wired fiel auf, dass das Touch Cover nicht lediglich Zubehör, sondern tatsächlich ein integraler Bestandteil des Bedienerlebnisses des Surface ist. Gleiches gilt für die ungewöhnliche Größe des Geräts.

Mittelweg

10,1 Zoll, das aktuelle Standardmaß für "große" Tablets erwies sich für die Designer als zu klein für Multitasking. 11,1 Zoll wiederum erschien für ein solches Gerät zu groß. Der Mittelweg, eine Bildschirmdiagonale von 10,6 Zoll, soll beides erfüllen.

Laufzeit statt High-res

Jedoch musste Microsoft beim Bau des Surfache auch Kompromisse eingehen. Kein Problem, wie die Vertreter des Unternehmens anmerkten, denn von Bedeutung sei, dass es die richtigen sind, wovon man überzeugt sind. Hierin liegt auch der Grund, warum sich das Unternehmen vorerst nicht ins Rennen um hohe Auflösungen einschaltet.

Während das aktuelle iPad mit 2.048 x 1.536 Pixel neue Maßstäbe gesetzt hat, sind es beim Surface 1.366 x 768. Laut Sinofsky ermöglicht diese Entscheidung, den Akku des Surface innerhalb einer Stunde auf 50 Prozent aufzuladen und das Gerät lange zu betreiben.

Neues Selbstbewusstsein

Insgesamt ist man in Redmond wohl ehrlich überzeugt von den Kapazitäten und damit auch vom Erfolg des Surface. Wie gut sich das Tablet auf dem Markt bewähren wird, bleibt abzuwarten. Denn man muss es auch mit Konkurrenz im eigenen Segment, etwa dem Lenovo IdeaPad Yoga oder dem Sony Vaio Duos 11 aufnehmen.

Das Surface RT kostet je nach Version und Ausstattung 479 Euro oder mehr. Es wird in Österreich allerdings vorerst nicht erhältlich sein. (red, derStandard.at, 17.10.2012)

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