Jungbrunnen fürs Gemüt

Die Taschenoper präsentiert im Zeremoniensaal von Schloss Schönbrunn zwei unterhaltsame Intermezzi aus dem 18. Jahrhundert

Wien - Es war einmal eine Zeit, als die Stimmung in einem Opernhaus noch nicht von einer Mesalliance aus Gottesdienst und Geriatrie geprägt wurde, sondern mehr Richtung Fußballstadion und Freudenhaus tendierte. In den Pausen der musiktheatralisch dargestellten Tragödien wurden keine SMS gecheckt, und anstelle von Mineralwasser gab es lustige Intermezzi zu konsumieren.

Zwei davon sind jetzt, präsentiert von der Taschenoper, im weiß-goldenen Zeremoniensaal von Schloss Schönbrunn zu erleben. Unter dem herablassenden Blick Maria Theresias entrollen sich Szenen einer Ehe aus den tonsetzenden Federn von Giuseppe Maria Orlandini und Benedetto Marcello.

Beide sind Anfang des 18. Jahrhunderts für Venezianische Bühnen entstanden, ihre Themen heute noch gültig. Ein Mann wird zerrieben zwischen seiner dominanten Mutter und seiner dominanten Frau (Serpilla e Bacocco); eine Frau wird gefoppt und gedemütigt von ihrem versoffenen Ehemann (Filetta e Spago).

Regisseur Jewgenij Sitochin hat die beiden Zwei-Personen-Stücke um die Rolle eines stummen Dieners ergänzt (den er spielt). Dieser erweist sich als wirkungsvolle Hilfskraft des komödiantischen Handlungsgangs. Und die schrägen, Vivienne-Westwood-mäßigen Kostümlandschaften Charles Korolys (auch Bühne) sind ein lachmuskelaktivierender Support für die lobenswerte Unternehmung. Wundervoll, wie ein übergroß dimensionierter Reifrock zum Versteck wird oder sich zur XL-Richterrobe wandelt.

Erstklassig das Rückgrat mit Biegsamkeit, Kraft mit Eleganz verbindende, zehnarmige Ensemble (Leitung: Ferdinando Maffii), aus dem Cellistin Dorothea Schönwiese herausragte.

Toll Luciana Mancini und Thomas Zisterer, welche die vier Protagonisten darstellerisch versiert und - im akustisch schmeichelhaften Ambiente des Zeremoniensaals - gesanglich freudebringend zum Leben erweckten. Vielleicht hatte sogar Maria Theresia ihren Spaß: Das prominent besetzte und mit angenehm geriatrieferner, smarter Jugendlichkeit durchsetzte Publikum hatte es auf jeden Fall. (Stefan Ender, DER STANDARD, 17.10.2012)

21., 23. und 24. 10, 20.00

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