Noch keine Entscheidung über Bestände der Wiener Kultusgemeinde

18. Oktober 2012, 09:39
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Empfehlung des Israelischen Staatsarchivs nicht bindend - Prozess wird am 1. November fortgesetzt

Wien/Jerusalem - Im Prozess über die historischen Bestände der Wiener Kultusgemeinde (IKG) ist ein Urteil weiterhin ausständig. Das teilte die IKG am Mittwoch mit. Sie dementierte damit Berichte, die eine Entscheidung für den Verbleib in Israel gemeldet hatten.

"Die Entscheidung über den Verbleib der Dokumente liegt beim zuständigen Gericht, nicht beim Israelischen Staatsarchiv", sagte die IKG-Restitutionsbeauftragte Erika Jakubovits. Die "Jerusalem Post" hatte zuvor berichtet, dass das Staatsarchiv in Jerusalem über die Bestände entscheiden könne. Der Prozess laufe noch, die österreichische Seite wurde laut Jakubovits noch nicht einmal angehört. Die Verhandlung solle am 1. November fortgesetzt werden. 

IKG entscheidet sich für Klage

Die historischen Bestände der Wiener Kultusgemeinde wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von Wien nach Israel ausgelagert. In den 50er Jahren sei nicht klar gewesen, wie es mit der jüdischen Gemeinde in Wien weitergehen werde und ob sie überhaupt eine Zukunft habe, sagte Jakubovits. Daher habe man die Bestände leihweise dem Zentralarchiv für die Geschichte des Jüdischen Volkes in Jerusalem zur Verfügung gestellt.

Heute gebe es jedoch wieder eine blühende jüdische Gemeinde in Wien, man sei daher bemüht, das gesamte Archiv (das auch in Russland, Polen und Tschechien liegt, Anm.) wieder nach Wien zu holen, sagte Jakubovits. Die IKG habe in zahlreichen Briefen und Gesprächen mit dem Zentralarchiv um eine Rücküberstellung gebeten. Daraufhin habe sich die Kultusgemeinde im November 2011 zu einer Klage entschlossen.

Zentralarchiv verweigert Rückgabe

Das Zentralarchiv in Jerusalem verweigert die Rückgabe und spricht von einer "permanenten Leihgabe". Im Gerichtsverfahren wurde auf Initiative des Zentralarchivs eine Stellungnahme des Israelischen Staatsarchivs angefordert. Diese kommt zu dem Schluss, dass die historischen Bestände in Jerusalem bleiben sollen. Allerdings ist sie rechtlich nicht bindend, teilte die IKG mit. Die "Jerusalem Post" hatte berichtet, das zuständige Gericht habe die Entscheidungsgewalt dem Staatsarchiv übertragen. (APA, 18.10.2012)

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