ÖFB-Metamorphose zur Torfabrik

16. Oktober 2012, 23:01
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Zwei Tore von Marc Janko und je eines von David Alaba und Martin Harnik sicherten Österreich nach einer starken Leistung einen klaren und hoch verdienten 4:0-Sieg gegen Kasachstan

Wien - Die Wahrheit liegt laut Teamchef Marcel Koller auf dem Platz. Es gehe nicht um Worte, das Geschwätz "vom Pflichtsieg" sei belangloses "Blabla". Die österreichische Nationalmannschaft hat am Dienstagabend gesprochen. Kasachstan wurde mit 4:0 aus dem Happel-Stadion geschossen, die WM-Qualifikation macht wieder Sinn.

Drei Veränderungen

Koller hatte die Mannschaft an drei Positionen verändert, denn so toll war das 0:0 am vergangenen Freitag in Astana wirklich nicht. György Garics, Julian Baumgartlinger und Andreas Ivanschitz mussten raus, Florian Klein, David Alaba und Marc Janko durften rein. Marco Arnautovic hat die Rotation überstanden, er wechselte an die linke Seite, Martin Harnik stürmte rechts, er überließ Janko die Mitte. Diese Maßnahmen hatten eine gewisse Logik, denn in einem Heimspiel auf Naturrasen gegen Kasachstan darf man durchaus ein bisserl offensiver sein.

Mit der Aufstellung von Alaba sollte auch - das ist aber nur eine inoffizielle Überlegung - das Publikum animiert werden. Denn der 20-Jährige ist quasi der Musikant unter den österreichischen Fußballern, deshalb spielt er ja auch für Bayern München. Dass er seit fast fünf Monaten kein Pflichtspiel bestritten hatte - es lag an einem gebrochenen Mittelfußknochen -, tangierte Koller nicht. "Irgendwann muss er ja Spielpraxis bekommen."

43.000 Zuschauer

Die 43.000 Zuschauer im Happel-Stadion wurden animiert. Die Österreicher legten los, erarbeiteten Chancen im Dreiminutentakt, die Mauer der Kasachen wirkte leicht bröckelig. Der Ballbesitz lag bei gefühlten 97 Prozent, Janko, Harnik, Arnautovic und noch einmal Harnik trafen nicht ins Tor, wobei ein Treffer diesmal wirklich nur eine Frage der Zeit war. Arnautovic hatte starke Szenen, er kann ja kicken. Alaba musizierte im zentralen Mittelfeld. Kasachstan bewies immerhin, warum es die Nummer 147 der Welt ist. Das war nur ein Art Fußball, offensiv gelang gar nichts, der österreichische Tormann Robert Almer hätte Bücher lesen, telefonieren oder auch schlafen können.

24. Minute: Präzise Flanke von Alaba, Janko köpfelt wuchtig und aus sieben Metern das 1:0. Es war sein zwölftes Tor im Team, er benötigte dazu 30 Einsätze. Alaba vollierte spektakulär an die Stange (28.). Die Leistung passte jedenfalls, zu bekritteln war der fahrlässige Umgang mit den Chancen. Weltklassemannschaften hätten 4:0 geführt, aber zu dieser Spezies zählt Österreich halt nicht. Optimisten sagen: noch nicht.

Dominanz und Premiere

In der zweiten Halbzeit hat sich wenig geändert. Die Dominanz wuchs weiter, die Kasachen wehrten sich verbissen, Einsatz ist keine Frage der Qualität. Aleksandar Dragovic ersetzte den verletzten Sebastian Prödl (58.). In der 63. Minute wurde die 24. wiederholt: Flanke Alaba, Janko köpfelt nicht ganz so wuchtig das 2:0 und erhöht sein Konto auf 13 Stück. Und dann wurde noch ein kleines Märchen erzählt. Alaba lupfte den Ball zum 3:0 ins Netz (71.). Es war seine Torpremiere im 20. Länderspiel. Er umarmte Vorbereiter Arnautovic, der einen Purzelbaum schlug, und lief zu Koller, um diesen zu herzen. Nach 80 Minuten durften die beiden Torschützen gehen und sich den Sonderapplaus abholen. Harnik erhöhte in der Nachspielzeit nach Vorlage von Arnautovic auf 4:0.

"Danke an an den Teamchef für das Vertrauen. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Die Mannschaft stand immer hinter mir. Wir haben das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute dominiert", kommentierte Alaba bescheiden, wie das seine Art ist. Janko: "Jetzt sind wir wieder in der Spur. David war eindeutig der Mann des Spieles."

2012 tritt das Nationalteam noch einmal auf, am 14. November in Linz gegen die Elfenbeinküste. Die WM-Quali wird im März 2013 fortgesetzt, am 22. daheim gegen die Färöer und am 26. in Dublin gegen Irland. (Christian Hackl, DER STANDARD, 17.10.2012)

WM-Qualifikation, Gruppe C, Dienstag

Österreich - Kasachstan 4:0 (1:0)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 43.000, SR Jakob Kehlet (DEN)

Tore:
1:0 (24.) Janko
2:0 (63.) Janko
3:0 (71.) Alaba
4:0 (93.) Harnik

Österreich: Almer - Klein, Prödl (59. Dragovic), Pogatetz, Fuchs - Kavlak, Alaba (81. Leitgeb) - Harnik, Junuzovic, Arnautovic - Janko (81. Jantscher)

Kasachstan: Sidelnikow - Nurdauletow, Muchtarow, Dimitrenko (74. Gurman), Kirow - Bogdanow - Konisbajew, Schachmetow (70. Islamchan), Korobkin, Nurgalijew (83. Chairullin) - Gridin

Gelbe Karten: Harnik, Kavlak bzw. Bogdanow

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    Mann des Spiels mit zwei Assists und einem Treffer: David Alaba.

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    Treffsicher: Marc Janko mit zwei Toren.

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    Endlich von der Seuche am Fuß befreit: Martin Harnik.

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    Vier Tore für ein ÖFB-Halleluja.

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    Und ein gewaltiger Schub für das Nationalteam-Stimmungsbarometer.

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