Rebellen einigten sich auf gemeinsame Führung

16. Oktober 2012, 21:14
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Bedingung des befreundeten Auslands für Lieferung schwerer Waffen - UNO: Menschenrechtsverletzungen dramatisch zugenommen

Damaskus/Baku/Vatikanstadt - Die Aufständischen in Syrien haben sich nach Angaben aus Rebellen-Kreisen auf die Bildung einer gemeinsamen Führung verständigt. Die Einigung sei am Sonntag erzielt worden, sagten zwei Insider am Dienstag. "Das Abkommen steht, sie müssen es nur noch unterzeichnen", sagte einer von ihnen. Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen in Syrien hat nach UNO-Angaben in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen.

"Mord, ungerechtfertigte Inhaftierung, sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Kinder - die Lage wird immer schlimmer", sagte der brasilianische Diplomat Paulo Pinheiro am Dienstag in New York. Die Kriegsverbrechen würden vor allem durch Regierungstruppen verübt. Es gebe allerdings auch Vergehen der Opposition.

UN-Mission

Pinheiro ist Chef einer vierköpfigen Mission, die im Auftrag der Vereinten Nationen Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren soll.

Der von Dutzenden Rebellen - darunter auch Anführern der Freien Syrischen Armee - getroffene Beschluss für eine gemeinsame Führung solle die militärische Zusammenarbeit im Kampf gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad verbessern. Zudem sei eine geeinte Führung von ausländischen Unterstützern als Bedingung für die Lieferung schwerer Waffen genannt worden, sagten die Insider.

Die Aufständischen baten unterdessen auch die internationale Staatengemeinschaft erneut um konkreten Beistand für die Menschen in den von Rebellen kontrollierten Gebieten gebeten. Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution (SRGC) erklärte am Dienstag, das Assad-Regime lasse die Luftwaffe in den "befreiten Gebieten" Vergeltungsangriffe fliegen. Mit diesen Einsätzen mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern wolle man Rache an den Bewohnern dieser Gebiete nehmen. "Die internationale Gemeinschaft trägt die rechtliche und moralische Verantwortung für die weitere Entwicklung in Syrien", hieß es in der Botschaft der SRGC.

Der internationale Syrien-Sondergesandten Lakhdar Brahimi trifft am Mittwoch mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elaraby (al-Arabi) zusammen. Papst Benedikt XVI. schickt in den kommenden Tagen eine Delegation nach Syrien. "Wir können nicht einfache Zuschauer der Tragödie sein, die sich in Syrien abspielt", erläuterte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone dazu.

Die Türkei und der Iran haben eine engere regionale Zusammenarbeit zur Lösung des Konflikts in Syrien gefordert. Bei einem Treffen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit dem iranischen Staatspräsidenten Mahmoud Ahmadinejad am Dienstag in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku habe es eine Annäherung in der Syrien-Frage gegeben, meldete die Internetausgabe der Zeitung "Hürriyet" unter Berufung auf türkische Regierungskreise. Bisher steht der Iran im Syrien-Konflikt an der Seite der Regierung von Präsident Bashar al-Assad. Die Türkei unterstützt dagegen die Aufständischen.

Am Dienstag wurden nach Angaben von Aktivisten landesweit von den Regierungstruppen 70 Menschen getötet. Wie in Damaskus bekannt wurde, kam der Oppositionelle Maher Abu Majale wieder frei. Der ehemalige Mitarbeiter der Weltbank war in der vergangenen Woche festgenommen worden, als er zu einer Konferenz in Tokio fliegen wollte.

Ein Professor der Universität Damaskus ist in der Haft zu Tode gefoltert worden. Das berichteten syrische Menschenrechtsaktivisten am Dienstag. Mohammed Sakariya al-Nasar unterrichtete an der Fakultät für Bauingenieurwesen. Er war vor einigen Tagen an einer Straßensperre in der Hauptstadt festgenommen worden. Die Aktivisten sehen seinen Tod als Teil einer Kampagne gegen Intellektuelle. Vor etwa zwei Wochen soll der Autor Mohammed Nimr al-Madani an den Folgen der Folter gestorben sein. Madani hatte als Holocaust-Leugner international Schlagzeilen gemacht.

Die Proteste gegen Assad halten seit März 2011 an und haben sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Dabei sind schätzungsweise 30.000 Menschen getötet worden. (APA/Reuters, 16.10.2012)

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