Neuwahlen nach Skandal in der Lombardei ausgerufen

16. Oktober 2012, 20:09

Lega-Chef Maroni will für Amt des Gouverneurs kandidieren

Rom - Der ausgedehnte Korruptionsskandal, der die norditalienische Region Lombardei erschüttert, zieht weitere Kreise. Der Präsident des lombardischen Regionalparlaments, Roberto Formigoni, kündigte am Dienstag Neuwahlen an, die voraussichtlich sogar noch vor Weihnachten stattfinden könnten. Formigoni zog die Konsequenzen einer ausgedehnten Bestechungsaffäre, die sein Regionalparlament seit Tagen schwer belastet.

Nachdem Domenico Zambetti, ein hochrangiges Mitglied des lombardischen Regionalparlaments, am Mittwoch wegen Mafia-Verstrickungen verhaftet worden ist, wird in Italien laut der Rücktritt Formigonis, eines engen Vertrauten von Ex-Premier Silvio Berlusconi, gefordert. Formigoni, der ebenfalls wegen Kontakten zu skandalumwitterten Unternehmern in den vergangenen Monaten stark unter Beschuss geraten ist, wehrte sich bisher hartnäckig gegen seinen Rücktritt. Nachdem ihm die verbündete Partei Lega Nord jedoch die Unterstützung entzogen hat, musste Formigoni kapitulieren und Neuwahlen ankündigen.

Der Chef der Lega Nord, Roberto Maroni, erklärte, er wolle seine Kandidatur für das Amt des lombardischen Präsidenten einreichen. Maroni hatte im Juni die Führung der rechtspopulistischen Partei übernommen, nachdem Lega-Gründer Umberto Bossi im Zuge eines Skandals um veruntreute Parteigelder das Handtuch werfen musste.

Skandale erschüttern seit Monaten die italienische Regionalpolitik. Auch der Regionalrat der Region Latium mit der Hauptstadt Rom ist zuletzt in den Sog von schweren Skandalen geraten. Eine riesige Affäre um Veruntreuung von Parteigeldern in Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" führte vor drei Wochen zum Rücktritt der Präsidentin von Latium, Renata Polverini. Vor zwei Wochen war dann der ehemalige Fraktionschef der Berlusconi-Partei in der Region Latium, Franco Fiorito, festgenommen worden. Ihm wird Veruntreuung von Parteigeldern in Höhe von 1,3 Millionen Euro vorgeworfen. (APA, 16.10.2012)

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