Kuba gewährt Reisefreiheit: Noch lange nicht genug

Kommentar16. Oktober 2012, 19:38
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Offenbar will Havanna ein Signal aussenden, das der Todesdrohung von 1962 diametral entgegengesetzt ist

Die Hoffnung lebte schon einmal auf - vor etwas mehr als sechs Jahren, als Kubas Staatschef Fidel Castro aus Krankheitsgründen begann, seine Macht schrittweise an seinen jüngeren Bruder Raúl abzugeben. Seitdem kam es zwar zu einigen wichtigen Reformen und Reförmchen, doch der Wunsch der Kubaner, nämlich ohne Visum das Land verlassen - und wieder betreten (!) - zu dürfen, blieb von der Nomenklatura unerfüllt. Bis jetzt.

Dass die Reisefreiheit ausgerechnet jetzt verkündet wurde - am 50. Jahrestag der Kubakrise, als die USA und die UdSSR wegen auf Kuba stationierter Atomraketen am Rande eines weiteren Weltkrieges standen -, ist mehr als nur eine historische Pikanterie am Rande. Offenbar will Havanna ein Signal aussenden, das der Todesdrohung von 1962 diametral entgegengesetzt ist und das bedeuten könnte, dass fünf Jahrzehnte erbitterter Feindschaft mit dem Westen nun schön langsam ihr Ende finden könnten.

Dem ist aber nicht so. Vieles muss sich in Kuba erst zum Besseren, zum wahrhaft Demokratischen wenden. So wurden erst am Wochenende wieder mehrere Regierungsgegnerinnen festgenommen, als sie des ersten Todestages der früheren Führerin der "Damen in Weiß", Laura Pollán, gedenken wollten. Schon allein der Umgang mit den Sacharow-Preisträgerinnen von 2005 zeigt, dass demokratisches Gedankengut in den versteinerten Machtzirkeln Kubas noch nicht wirklich angekommen ist. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 17.10.2012)

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