Kleine, sesshafte Erfrischungen

31. Oktober 2012, 19:51
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Der Hocker erobert sich so manchen Mittelpunkt in der Wohnlandschaft zurück - Heike Edelmann sah sich unter den Neuzugängen um

Hocker haben etwas Sympathisches. Sie sind praktisch, kompakt und schnell zur Hand, wenn man sie braucht. Das liebenswürdige Kleinmöbel nimmt nicht viel Platz weg, erfrischt seine Umgebung durch farbige Akzente und ungewöhnliche Formen. Ohne Aufwand ruht man sich auf dem bodennahen Sitz aus oder nutzt ihn als Ablage. Man kann ihn mitnehmen, denn er ist in der Regel leicht und mobil. Kein Wunder also, dass die lehnenlose Sitzlösung immer beliebter wird. In diesem Jahr haben eine ganze Reihe Hersteller originelle Hocker auf den Markt gebracht, um Wohnzimmer, Büros oder Balkone optisch zu beleben.

Zu den neuesten Möbeln von Arper zählt "Pix", ein Programm runder Sitzelemente, das der japanische Designer Ichiro Iwasaki für das Unternehmen aus der Nähe von Venedig entworfen hat. Die grafisch klar gestalteten Hocker gibt es in vier Durchmessern, mit Leder- oder Stoffbezug in einer umfangreichen Palette fein abgestufter Farbtöne von Gelb bis Lila. Wenn man mehrere davon hat, kann man die munteren Farbpunkte zu einer flexiblen, modernen Sitzlandschaft zusammenstellen.

Drei-Generationen-Möbel 

Als Drei-Generationen-Möbel bezeichnet die italienische Firma Area Declic ihr oranges Objekt "Island": Es hat einen hohen Sitz für Senioren, einen mittleren für Erwachsene und einen niedrigen für Kinder. Diese drei Ebenen tragen zum charakteristischen Aussehen des Hockers bei, der an eine Insel erinnern und zum Ausruhen einladen soll. Er besteht aus beschichtetem Polyurethan mit einer angenehm weichen Oberfläche, die unempfindlich gegenüber Regen, Schnee und Sonne ist.

Ebenfalls aus Kunststoff sind die bunten Textilhocker der Serie "Otto", die wie rundliche und zylindrische Sitzkissen aussehen. Sie bestehen aus dem patentierten Material "Rope", einem wetterfesten Hightech-Garn des Hersteller Paola Lenti aus der Umgebung von Mailand. Die Bezüge des Polsterhockers sind aus Rope-Seilen zu einer großen Spirale zusammengenäht und werden dadurch zu einer auch haptisch interessanten Umhüllung. Das unkomplizierte Möbel ist für Erholungszonen im Wohnzimmer oder Garten geeignet.

Um eine zeitgemäße Interpretation des traditionellen Schemels handelt es sich dagegen bei "hoc". Gestaltet hat ihn das Stuttgarter Designbüro Jehs + Laub für den süddeutschen Produzenten Brunner. Der pure Holzhocker überzeugt mit klarem Design und minimalistischem Materialeinsatz: Drei baugleiche Formholzteile fügen sich zur Sitzfläche zusammen, die dadurch in der Mitte interessant strukturiert ist. Erhältlich ist "hoc" als Barhocker mit Fußring aus Metall und als niedrige stapelbare Version. Zur Wahl stehen Varianten in Buche und Eiche, die naturbelassen, gebeizt oder lackiert zu unterschiedlichsten Interieurs passen.

Handwerkliche Oberflächenveredelung

Ebenfalls als Hocker oder Barhocker zu haben ist der "1.3 Stool", entworfen vom Londoner Designer Kihyun Kim für den Möbelhersteller Zeitraum. Das auffälligste Merkmal dieses Holzhockers ist seine Sitzfläche mit einer sehr feinen Konturlinie. So scheint die stabile Platte fast schwebend auf einem Gestell aus amerikanischem Nussbaum oder massiver Eiche zu liegen.

An eine zweiteilige Blattform erinnert der Sitz des "Osso Barhocker" von Ronan und Erwan Bouroullec für die Mattiazzi-Manufaktur. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, dem Naturholz eine besonders weiche Oberfläche zu geben, seien sie auf diese organische Form gekommen, erklären die erfindungsreichen Brüder aus der Bretagne. Gefertigt wird "Osso" in einer Mischung aus industrieller Herstellung und handwerklicher Oberflächenveredelung. Die natürlich anmutende Sitzkultur à la Bouroullec gibt es in Eiche, Esche oder Ahorn natur oder gebeizt in Grün, Weiß, Schwarz, Blau, Grau und Pink.

Harmonische Kombination

Eine harmonische Kombination aus Holz und Leder verwenden die Berliner Architekten Sauerbruch Hutton für ihren Hocker "Munich Stool", der zu einer Möbelserie für Cafeteria, Besprechungsraum und Foyer des Museums Brandhorst in München gehört. In enger Zusammenarbeit mit dem Architektenteam entwickelte der Hersteller Classicon die Entwürfe bis zur Serienreife. Der Rahmen des "Munich Stool" ist aus massivem Holz mit einer klaren Lackierung oder schwarz gebeizt, sein Bezug aus Stoff oder Leder in verschiedenen Farben.

Ob rund oder eckig, bunt oder einfärbig - der Hocker erlebt zurzeit eine Renaissance. Längst nicht mehr der unscheinbare kleine Helfer, ist er zum begehrten Designobjekt für öffentliche wie private Räume geworden. (Heike Edelmann, Rondo, DER STANDARD, 19.10.2012)

  • "Island" von Area Declic
    foto: hersteller

    "Island" von Area Declic

  • "Hoc" von Brunner
    foto: hersteller

    "Hoc" von Brunner

  • "Osso" von Mattiazzi
    foto: hersteller

    "Osso" von Mattiazzi

  • "otto" von Paola Lenti
    foto: hersteller

    "otto" von Paola Lenti

  • "Munich Stool" von Classico
    foto: hersteller

    "Munich Stool" von Classico

  • Pillenförmige Hockermöbel "Pix" von Arper
    foto: hersteller

    Pillenförmige Hockermöbel "Pix" von Arper

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