Mord am Alexanderplatz schockt Berlin

Brutale Übergriffe in der deutschen Hauptstadt

Sanft weht der Herbstwind über einen weißen Blumenstrauß und viele rote Grablichter. Viele Passanten hasten, ohne Notiz zu nehmen, vorbei, manche aber bleiben kurz stehen. Blumen und Kerzen haben Freunde des 20-jährigen Jonny K. niedergelegt.

Der Vietnamese war am Sonntag gegen vier Uhr früh am beliebten Alexanderplatz, von den Berlinern nur "Alex" genannt, nach einem Discobesuch von einer Gruppe junger Männer zusammengeschlagen worden, am Tag darauf starb er. Unklar ist das Motiv für die Tat, die Ermittler sprechen von "reiner Mordlust".

Schockiert zeigen sich Berlins Politiker. Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte, dass "sich Berlin niemals mit brutaler und sinnloser Gewalt abfinden wird". Er mahnte die Bevölkerung auch, nicht wegzusehen, wenn jemand angegriffen werde.

Angriffe häufiger als früher

Dies ist in der deutschen Hauptstadt in der letzten Zeit häufiger passiert als früher. Erst vor wenigen Tagen wurde ein junger Mann ebenfalls am Alexanderplatz angeschossen. Eine Notoperation rettete ihm das Leben, vom Täter fehlt jede Spur. Auch im Bezirk Schöneberg erlitt ein Party-Gänger auf offener Straße eine Schussverletzung, wer ihm diese zugefügt hat, konnte noch nicht geklärt werden.

Im September wurde ein Fan des Fußballklubs Hertha beinahe erdrosselt. Eine Gruppe Unbekannter schnürte dem Mann mit Downsyndrom seinen Fan-Schal so eng um den Hals und band ihn am S-Bahnhof Olympiastadion an ein Geländer, sodass der Hertha-Fan fast zu Tode kam.

Senat streicht Polizeistellen

Der CDU-Innenexperte Peter Trapp fordert: "Die Polizei muss mehr Präsenz zeigen, die Justiz schneller bestrafen, wenn die Täter verhaftet werden." Die Gewerkschaft der Polizei hingegen klagt, dass der Senat 4000 Stellen zusammengestrichen habe.

Immer noch nicht gefasst ist auch jener Täter, der vor zwei Wochen einen Berliner Manager aus dessen Villa in Brandenburg entführt hatte. Der wohlhabende Fondsmanager wurde vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes aus dem Haus gezerrt. Danach warf ihn sein Entführer in einen nahegelegenen See. Das Opfer musste sich an einem Boot festhalten und wurde durch das Gewässer auf eine Schilfinsel gezogen. Dort sollte der Mann bis zur Lösegeldübergabe gefangengehalten werden, er schaffte es aber, nach zwei Tagen zu flüchten. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 17.10.2012)

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