Mord am Alexanderplatz schockt Berlin

Birgit Baumann aus Berlin
16. Oktober 2012, 19:08

Brutale Übergriffe in der deutschen Hauptstadt

Sanft weht der Herbstwind über einen weißen Blumenstrauß und viele rote Grablichter. Viele Passanten hasten, ohne Notiz zu nehmen, vorbei, manche aber bleiben kurz stehen. Blumen und Kerzen haben Freunde des 20-jährigen Jonny K. niedergelegt.

Der Vietnamese war am Sonntag gegen vier Uhr früh am beliebten Alexanderplatz, von den Berlinern nur "Alex" genannt, nach einem Discobesuch von einer Gruppe junger Männer zusammengeschlagen worden, am Tag darauf starb er. Unklar ist das Motiv für die Tat, die Ermittler sprechen von "reiner Mordlust".

Schockiert zeigen sich Berlins Politiker. Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte, dass "sich Berlin niemals mit brutaler und sinnloser Gewalt abfinden wird". Er mahnte die Bevölkerung auch, nicht wegzusehen, wenn jemand angegriffen werde.

Angriffe häufiger als früher

Dies ist in der deutschen Hauptstadt in der letzten Zeit häufiger passiert als früher. Erst vor wenigen Tagen wurde ein junger Mann ebenfalls am Alexanderplatz angeschossen. Eine Notoperation rettete ihm das Leben, vom Täter fehlt jede Spur. Auch im Bezirk Schöneberg erlitt ein Party-Gänger auf offener Straße eine Schussverletzung, wer ihm diese zugefügt hat, konnte noch nicht geklärt werden.

Im September wurde ein Fan des Fußballklubs Hertha beinahe erdrosselt. Eine Gruppe Unbekannter schnürte dem Mann mit Downsyndrom seinen Fan-Schal so eng um den Hals und band ihn am S-Bahnhof Olympiastadion an ein Geländer, sodass der Hertha-Fan fast zu Tode kam.

Senat streicht Polizeistellen

Der CDU-Innenexperte Peter Trapp fordert: "Die Polizei muss mehr Präsenz zeigen, die Justiz schneller bestrafen, wenn die Täter verhaftet werden." Die Gewerkschaft der Polizei hingegen klagt, dass der Senat 4000 Stellen zusammengestrichen habe.

Immer noch nicht gefasst ist auch jener Täter, der vor zwei Wochen einen Berliner Manager aus dessen Villa in Brandenburg entführt hatte. Der wohlhabende Fondsmanager wurde vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes aus dem Haus gezerrt. Danach warf ihn sein Entführer in einen nahegelegenen See. Das Opfer musste sich an einem Boot festhalten und wurde durch das Gewässer auf eine Schilfinsel gezogen. Dort sollte der Mann bis zur Lösegeldübergabe gefangengehalten werden, er schaffte es aber, nach zwei Tagen zu flüchten. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 17.10.2012)

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es wird ja den tätern sehr leicht gemacht. wenn man auch mal ein bissal die härte des strafrechts für delikte gegen leib und leben anwenden würde, könnte ich mir vorstellen, dass man sich das vielleicht auch ein bissal abgewöhnt. einfach weil ich immer im hinterkopf hab (weil es eben in die gesellschaft eingetrungen ist), wenn ich einem eine in die fresse haue, sitze ich hausnr. 10 jahre (jetzt vielleicht übertrieben).
und wenn ich in einem milieu leben, wo es vielleicht ein bissal rauher zugeht/ging, aber die leute reihenweise für lange zeit von der bildfläche verschwinden, könnte es ja sein, dass es da lerneffekte gibt.

Zum Thema:

Roman Reusch / Kirsten Heisig googeln.

auch nur just another nazi side

Ich weiss schon warum ich Berlin nicht mag.

willkommen in der welt der antiautoritaeren erziehung! das sind die ersten fruechte.

ich hab noch von keinem derartigen fall gehört

wo der täter nicht "recht ordentlich autoritär" erzogen wurde. sprich: selber seine prügel bekommen hatte.

Besser Sie schreiben nicht über Themen von denen sie keine Ahnung haben.
Antiautoritär bedeutet, dass man sich nicht über den anderen (die Kinder in diesem Fall) stellt.
Laisser faire bedeutet dass man gar nichts macht. Also sie verwechseln Laisser faire mit Antiautoritär.
Abgesehen davon glaub ich eher, dass Menschen die geschlagen werden und Streng erzogen werden zu gewallt neigen.

anitautoritäre erziehung != keine erziehung

so isses. ich darf alles weil einschraenkung ganz viel boese ist. ich darf euch verpruegeln wen ich mag.

wir hatten immer autoritäre Erziehung, was hat es gebracht:

zwei Weltkriege!

die Schrecken dieser Kriege, aber auch die antiautoritäre Erziehung, die auf jeden Fall eine Erziehung ist, hat uns jetzt mehrals 65 Jahre Friede eingebracht!

geh bitte. was soll der scheiß? wieso werden ganz normale posting nicht durchgelassen.

nochmal:

'!=' != '=='

Meinen Sie Ihr Posting?

wenn die plitik nichts gegen solche taten unternimmt, was bleibt übrig? sich selbst bewaffnen und hoffen dass der fall nie eintritt, dass man zur waffe greifen muss?

Schöne neue, deutsche Sprache

„Geschockt“? „Gebombt“? „Geblockt“? Oder doch - wie früher - schockiert, bombardiert, blockiert? Auch der Standard trägt massiv zur Verbreitung dieser sprachlichen Auswüchse bei.

Schockierend? Nur weil das Ziel der radikalen gestorben ist?

In Berlin gibts laufend Prügel für Anderseiende, Juden, Atheisten usw usf, nur meist bleibst dann bei "schwerer Körperverletzung".

Bei Mord gibts ein Presse-Geschrei, hie und da, und sonst wirds untern Teppich gekehrt.

Als im Sommer ein Rabbi verprügelt wurde, berichtete der Standard kurz, spät, und weit unten in den Rubriken.

Leute... nicht nur unsere Faschos und Fundis haben wir in die Pflicht zu nehmen. Es gilt für alle - weltweit.

Diese Schandtat ist leider kein Einzelfall. Und mit jedem Tag werden die Rechtsextremen weltweit stärker, weil alle anderen nur national denken...

Vorurteil

Sie können nicht wissen, was für ein Motiv hinter dem Angriff steckt - ned alle san Nazi's manche sind einfach gestört oder böse.

Es ist an der Zeit für Berlin eine Reisewarnung auszugeben, schließlich stellen solcherlei Zustände eine Beeinträchtigung für Leib und Leben dar und sollten in einer sich als weltoffen, modern und dynamisch bezeichnenden Metropole nicht zur Tagesordnung gehören.
Die Diskrepanz zwischen dem vermittelten und dem realen Stadtbild ist frappierend, wobei dies auch nicht weiter verwundert, ist doch die Toleranz gegenüber der Intoleranz gewisser Kreise durchwegs atemberaubend.

so schlimm und verachtenswert Morde und gerade auch rassistisch motivierte Morde sind, den anderen 3,5 Millionen die sich zur gleichen Zeit in Berlin aufhielten ist nichts passiert.

Sprechen Sie aus eigener Erfahrung?

Politische Korrigiertheit

... von einer Gruppe junger Männer zusammengeschlagen ...

Seit Montag heißt es in allen deutschen Blättern, dass es Türken oder Araber waren.

Von einer Frau, die direkt aus der Täterstadt berichtet, würde man mehr Fakten erwarten. Dort wo man auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen ist, sollte man sich auch Täterbeschreibungen erwarten dürfen, auch wenn sie nicht politisch korrekt sind.

Sind sie also schon verhaftet?

Schaffst du auch Postings ohne rein-rote Bewertungen?

Die einen Radikalen fordern mehr Toleranz, wegen Stereotypen, die anderen weniger, weil es Differenzierung sei.

Beide bauen darauf, dass es Zensur statt Transparenz gibt...

Und diesen Bauerntrick durchschauen viele immer noch nicht...

Da ist etwas wahres dran...

Herrgott noch mal, eine ganze Generation zapft Benzin! Räumt Tische ab! Schuftet als Schreibtisch-Sklaven! Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos… Machen Jobs, die wir hassen! Kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen! Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Leute… Männer ohne Zweck, ohne Ziel! Wir haben keinen großen Krieg! Keine große Depression! Unser großer Krieg ist ein spiritueller… Unsere große Depression ist unser Leben… Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben, dass wir alle irgendwann mal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars… Werden wir aber nicht! Und das wird uns langsam klar! Und wir sind kurz, ganz kurz vorm Ausrasten…”

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