Nur Thomas Crown ist nicht zu fassen

Aus der Kunsthalle Rotterdam wurden sieben Gemälde aus der privaten Kunstsammlung der Triton-Stiftung entwendet, darunter Werke von Picasso und Monet

Als die Polizei eintraf, waren die Diebe längst entwischt. Kein Einzelfall. Doch die meisten Kunstdiebe gehen früher oder später ins Netz.

Rotterdam - Das zwanzigjährige Jubiläum wollte man in der von Rem Koolhaas geplanten Kunsthalle Rotterdam besonders exquisit feiern. Und eröffnete am 7. Oktober eine Ausstellung mit 150 Exponaten aus der privaten Sammlung der Triton Stiftung. Gegründet von der Familie Cordia, umfasst die Kollektion Kunstwerke der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler vom späten neunzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart, darunter Marcel Duchamp, Piet Mondrian, Yves Klein, Paul Gauguin, Pierre Bonnard, Emil Nolde, Alex Katz und Andy Warhol. Nun fehlen sieben Meisterwerke, darunter Bilder von Picasso, Matisse, Monet und Gauguin. Vorsichtig geschätzter Gesamtwert: 100 Mio Euro. Das Museum ist in der Nacht nicht durch Wachpersonal, sondern nur durch Kameras und Alarmanlagen geschützt ist.

Doch was nützt die beste Überwachung, wenn sich erst niemand um den Alarm schert? So geschehen im Kunsthistorischen Museum in Wien im Jahr 2003. Nachdem in der Nacht zum Muttertag ein Fassadenkletterer Benvenuto Cellinis Saliera unbehelligt davontragen konnte, weil Museumswärter die Alarmglocken ignorierten, brach der damalige KHM-Direktor Wilfried Seipel vor Verzweiflung öffentlich in Tränen aus. Im Jänner 2006, zweieinhalb Jahre später, wurde das auf 50 Millionen Euro geschätzte Salzfass wiedergefunden. Der Räuber hatte es in einer Kiste im Wald vergraben und, nachdem er aufgeflogen war, die Polizei selber zu dem Versteck in der Nähe von Zwettl geführt.

Anders als im Filmklassiker Thomas Crown ist nicht zu fassen werden die meisten Kunsträuber früher oder später geschnappt. 40 Prozent aller gestohlenen Kunstwerke tauchen (oft im Ausland) wieder auf. So wie jene neun expressionistischen Gemälde im Gesamtwert von 3,6 Millionen Euro, die von vier Männern 2002 aus dem Berliner Brücke-Museum gestohlen wurden. Ein Jahr später wurden die Werke von Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein sichergestellt, die Männer verhaftet.

Auch die Täter, die im August 2004 aus dem Osloer Edvard Munch Museum mit den weltberühmten Gemälden Der Schrei und Madonna (Wert: rund 75 Millionen Euro) hinausspazierten, wurden zwei Jahre später dingfest gemacht, die Werke - allerdings mit zum Teil irreparablen Schäden - gefunden. 39 Millionen Euro Schaden richteten der Ehemann einer ehemaligen Museumskonservatorin und dessen Sohn an: Über die Jahre schmuggelten sie mehr als 200 Meisterwerke der russischen Goldschmiedekunst aus der St. Petersburger Eremitage, ehe sie der Polizei ins Netz gingen. Und jene Diebe, die im Februar 2007 aus der Wohnung einer Picasso-Enkelin drei Gemälde des berühmten Opas unerlaubt abtransportierten, wurden bald darauf, samt der Kunst, aufgestöbert.

Im Februar 2008 wurden aus der Sammlung E.G. Bührle in Zürich vier Gemälde gestohlen. Van Goghs Blühende Kastanienzweige und Monets Mohnblumen bei Vetheuil entdeckte man schon eine Woche später auf der Rückbank eines gestohlenen Autos in Zürich. Das dritte Werk, Cezannes Knabe mit der roten Weste (Schätzwert: 62 Millionen Euro) tauchte erst heuer in Belgrad wieder auf. Nur das vierte Gemälde, Degas' Graf Lepic und seine Töchter ist noch verschwunden.

Fahndungsglück

Glück hatten Kunstfahnder bei der Schweinejagd: Dieses 2001 aus einem belgischen Museum gestohlene Rubens-Gemälde wurde 2011 von einem griechischen Trödler zum Verkauf angeboten. Und 2010 stiegen Unbekannte bei einer Nacht- und Nebelaktion in das Pariser Museum für Moderne Kunst und nahmen Bilder von Picasso, Modigliani, Matisse, Georges Braque und Fernand Léger mit. Die Schätzungen variierten zwischen 100 und 500 Millionen Euro. Derart heiße Kunstware lässt sich nur schwer verkaufen. Im Art Loss Register, der weltweit größten Datenbank für verlorene oder gestohlene Kunstwerke, können sich potenzielle Käufer vor dem Handel schlaumachen.

Auch Erpressung geht, wie das Wiener Salzfässchen zeigt, selten im Sinne des Diebes aus. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 17.10.2012)

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