Grüne Zukunftsängste in Oberösterreich

Markus Rohrhofer
16. Oktober 2012, 17:58
  • Auf ärztlichen Rat hält sich Anschober von der Partei fern.
    foto: apa/rubra

    Auf ärztlichen Rat hält sich Anschober von der Partei fern.

Nach Burnout-Diagnose: Banges Warten auf politisches Lebenszeichen Anschobers

Linz - Auch wenn in den Reihen der oberösterreichischen Grünen der erste Schock nach dem plötzlichen, krankheitsbedingten Abgang Mitte September von Parteichef Rudi Anschober verdaut scheint, die Unsicherheit wächst mit jedem Tag. Zum ersten Mal seit dem Einzug in den oberösterreichischen Landtag im Jahr 1997 sind die Grünen auf sich allein gestellt. Eine völlig neue Situation für alle Beteiligten. Die Partei war und ist stets "Rudi Anschober". Maßgeschneidert auf den ehemaligen Nationalratsabgeordneten.

Und man ist mit dieser Linie lange gut gefahren: 9,1 Prozent erreichten die Grünen bei der Landtagswahl 2003 und sicherten sich damit erstmals einen Landesregierungssitz, den das "Zugpferd" Anschober (Ressorts Umwelt und Energie) innehat. 2009 dann die Kurs-Bestätigung für die Grünen mit 9,2 Prozent. Die "Vernunftehe" mit der ÖVP hält somit schon fast neun Jahre. Doch das politische Kalkül "One-Man-Show" mit viel Luft in der zweiten Reihe droht jetzt für die Partei zum Bumerang zu werden. Stellt Rudi Anschober seinen grünen Regierungssessel endgültig auf den Dachboden und definiert "Green Jobs" künftig hauptsächlich über die Arbeit im eigenen Garten, ist die Regierungsbeteiligung in Oberösterreich nach der nächsten Wahl wohl Geschichte.

Auch wenn man seit gut einem Jahr bemüht ist, sich im grünen Parteivorstand breiter aufzustellen: Eine neue Spitze ist nicht in Sicht. Gottfried Hirz, Klubobmann der Grünen, ist von jeher der Taktiker im Hintergrund. Wichtig für die Partei - jedoch mit zu wenig Bezug zur Basis. Dessen neu gewählte Stellvertreterin Maria Buchmayr fehlt es noch an Ecken und Kanten. Zu früh wäre ein Wechsel an die Spitze.

Deutlich mehr Basisnähe sagt man Landessprecher-Stellvertreterin Ulrike Schwarz nach. Doch dem guten Wählerkontakt steht dem Vernehmen nach ein nicht 100-prozentiger Rückhalt in den eigenen Reihen gegenüber.

Anschober selbst ist derzeit auf Tauchstation. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Auch zu den engsten Mitarbeitern gibt es keinen Kontakt. Für die nervösen Parteikollegen bleibt also nur die Hoffnung. Die ist bekanntlich grün - und eben in Oberösterreich eindeutig personifiziert. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 17.10.2012)

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Alles Gute Rudi!

Seit Rudi Anschober in Burnout-Karenz ist, kann man zwischen Enns und Linz wieder mit 130 km/h auf der Autobahn fahren, weil keiner da ist, der den Lufthunderter einschaltet.

In diesem Sinne: alles Gute und wohlverdienten Ruhestand!

Geh bitte. Er hat sich eine Auszeit bis Ende des Jahres genommen. Warum soll er sich jetzt schon melden.

schreibt er jetzt wieder ein buch?

das kommt sicher

wie allle Prominenten, wird auch er seine "Erlebnisse" gegen bare Münze dem Volk anbieten, um "anderen zu helfen", wie es dann immer so schön heißt. Kennen wir bereits von der Bundesrepubklik, wo sie dann natürlich auch in jeder Talkshow sitzen. Ja, ich fürchte, das kommt, obwohl ich mir wünsche, Herr Anschober möge soviel Größe haben und davon Abstand nehmen. Soll irgendetwas im Bereich erneuerbarer Energie machen, was er ja bereits vor ein oder zwei Jahren in den Medien angedeutet hat.

ihren worten kann ich mich nur anschliessen.

ich habe immer geglaubt, dass bei der position von anschober ein buch schreiben nebenbei nicht möglich ist.

Naja er hat ja auch einen gesundheitlichen Schaden

davon getragten - vom Buch schreiben. Die Frage ist ob er jetzt auch noch die Gage vom Staat kassiert, obwhol er sich das selbst zuzuschreiben hat?

Herrn Anschober wünsche ich

natürlich gute Besserung. Mein Mitleid hält sich doch in Grenzen, denn solche Fälle gibt es Tausende bei Menschen auf der untersten sozialen Stufe, die für €800-1000 einen miesen Job unter miesen Bedingungen machen müssen und als kleine Anerkennung diese Krankheit mit auf die Reise bekommen. Sie werden dann mit einem Tritt entfernt und haben kein Fürstengehalt wie Rudi, von Anteilnahme ganz zu schweigen. Zudem machte Anschober das freiwillig (meiner Meinung auch nicht so schlecht) und stand immer im Rampenlicht (soziales Kapital). Was sich auch in OÖ zeigt, sie haben kein ordentliches Personal mehr - das wird mitunter auch verantwortlich sein, warum es keine Alternative zu ihm gab.

Er braucht sicher kein Mitleid von Ihnen ...

PS: ich differnziere mein Mitleid nicht nach "sozialen Stufen"

...zurecht!

also 1 Monat ist bei so einer Geschichte noch gar nichts.

unter 8-10 WOchen sollte er keinesfalls pausieren. Und dann erst ganz langsam wieder anfangen. Also mal ein paar Telefonate oder so.

jetzt schlägt die realität zurück

hatten die grünen nicht mal die regelung, dass funktionen nur für eine bestimmte zeit zu besetzen waren? nannte sich rotationsprinzip.
habens aber abgeschafft. tja, dann kommt noch hinzu, dass so wie bei anderen parteien auch, die alphatiere andere nicht aufkommen lassen.
ergebnis ist bekannt.
TOLL

Er sollte auf seinen hohen Lohn verzichten.

Ganz brutal gesagt ...

... selbst gemachtes Burnout und zu egomanisch um an einen anderen Grünen/Grünin zu übergeben.

So macht man eine Landespartei unwählbar.

eine partei sollte sich nicht so sehr auf eine person stützen. die inhalte und eine breite mitarbeiterbasis sidn viel wichtiger.

Es gab die Grünen in Oberösterreich vor Anschober.

Es wird sie auch ohne ihn geben.

Baldige Besserung.

naja

ich weiss ja ned was der anschober noch so nebenbei gemacht hat (buch schreiben, vorträge, lobbying....) von der reinen parteiarbeit her kanns ned soviel gewesen sein, weils ja jetzt der pühringer nebenbei mitmacht...

und der ist auch schon ganz blaß.

Burn-Out?

Naja, jeder weiß doch das Politikerinnen ganz besonders von der Flasch abhängig sind und dumm herummaulen.

es ist eben

schwer ehrliche leute zu finden die in die politik gehen wollen...

die österreichische Politikergarde ist schlicht und einfach Mittelmaß. Einige sehr Bemühte (meist Lehrer) einige Saturierte (meist Gewerkschafter) ein paar Abgehobene (meist Selbständige oder Unternehmer). Der Rest, eine Mischung aus Ehrgeiz, Selbstsucht und Unverfrorenheit. Wir sind ein Spiegelbild Europas. Minimerkels, Zwergsarkosys, Kleinberlusconis und Bonsaiorbans

spiegeln die bevölkerung eigentlich sehr sehr gut wieder.

Denen geht's so wie den Grünen im 7.Bezirk.

Wenn der Blimlinger weg ist, sind dort die Grünen wieder bei 10 %.

wer will

schon so schnell zum Pühringer zurück?

Das Burn Out hat er ja nur,

weil er qausi nebenbei als Fulltimejob sein Buch geschrieben und mittels Vorträgen gepuscht hat. Müssen eigentlich Politiker Ihre Nebentätigkeiten genehmigen lassen?

Irgendwie seltsam,

dass eine basisdemokratisch organisierte Partei orientierungslos wird, wenn eine Person aus fällt.

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