Roma suchen Zuflucht im Norden Europas

Adelheid Wölfl, 16. Oktober 2012, 17:55
  • Angst vor einem Winter wie 2010: Obdachlose mazedonische Roma campen in Skopje.
    foto: epa/georgi licovski

    Angst vor einem Winter wie 2010: Obdachlose mazedonische Roma campen in Skopje.

Im Winter steigt die Zahl der Asylanträge von Bürgern aus Balkanländern, viele davon sind Roma aus Serbien und Mazedonien

Skopje/Zagreb - Sie hatten vor zwei Tagen versucht, illegal über die mazedonisch-kosovarische Grenze zu gelangen. Die sechs Erwachsenen bezahlten je 800 Euro, um nach Deutschland gebracht zu werden, die Kinder je 200. Der Schlepper wurde festgenommen und die Familie wieder zurück nach Mazedonien gebracht. Das mazedonische Innenministerium ist stolz auf den Erfolg. In Skopje braucht man dringend Meldungen darüber, wie effektiv man "den Missbrauch der Visumsfreiheit" und "falsche Asylanträge" bekämpft. Denn auf dem Balkan herrscht Angst, dass man die Schengen-Visumsfreiheit (seit 2010 und 2011) wieder verlieren könnte. Der serbische Premier Ivica Dacic kündigte sogar an, die Kosten für die Asylbewerber aus seinem Land in der EU zu übernehmen. Bei ihnen handle es sich vorwiegend um Roma und Albaner, so Dacic.

Die Panik hat einen konkreten Grund: Sechs EU-Innenminister (Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Schweden) haben sich Anfang Oktober in einem Brief bei EU- Innenkommissarin Cäcilia Malmström über den Anstieg an Asyl-Anträgen von Personen "aus Balkanstaaten" beschwert, die die Visumsfreiheit nützten, um in den Schengenraum zu kommen.

Sparen beim Heizen

EU-weit liegt Serbien erst an vierter Stelle, was die Herkunft der Asyl-Antragssteller betrifft, in Deutschland allerdings zurzeit auf Platz eins. Die Zahl der Anträge von serbischen und mazedonischen Staatsbürgern stieg bereits 2010, vor allem von September bis Jänner. Genau zu der Zeit, als es kalt wurde. Viele Menschen, die etwa im Roma-Viertel Šutka in Skopje in Verschlägen aus Brettern und Blech wohnen, haben keine Heizung. Sie flüchten schlichtweg vor Frost und Krankheit. In den Balkanstaaten, die schwer unter der Wirtschaftskrise leiden, wird zudem beim Heizen gespart.

Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich wetterte bereits gegen den Asylmissbrauch: "Der massive Zustrom serbischer und mazedonischer Staatsangehöriger muss unverzüglich gestoppt werden. Dazu muss es möglich sein, dass die EU die Visumsfreiheit für diese Länder schnellstmöglich aussetzt." Friedrich geht es um eine Klausel im EU-Recht, mit der die Visafreiheit aufgehoben werden kann, wenn es zu einem drastischen Anstieg der Asylanträge kommt. Die Entscheidung darüber hängt im Gesetzgebungsprozess seit Monaten zwischen EU-Rat und EU-Parlament.

Experten warnen aber davor, die Visumsbefreiung vorschnell infrage zu stellen, zumal die Botschaften das Konsularpersonal für Visa längst heimgeschickt haben. "Die Visumsbefreiung hat sich im Großen und Ganzen bewährt", sagt Tobias Flessenkemper von der deutschen Südosteuropa-Gesellschaft. Durch sie würden aber die Armut, die nicht funktionierenden Sozialsysteme und die Diskriminierung auf dem Balkan auch innerhalb der EU klarer gesehen. "Damit entsteht Druck, die EU-Hilfen besser einzusetzen, und Druck vor Ort. Die politisch Verantwortlichen können es sich nicht leisten, dass die Visumspflicht wieder eingeführt wird oder bestimmte Gruppen, wie Roma, dafür verantwortlich gemacht werden", so Flessenkemper. Die Gefahr besteht aber trotzdem.

Mehrheit und Minderheit

"Wir wollen nicht, dass eine kleine Gruppe der Mehrheit Probleme macht, wir versuchen die zu stoppen", sagt Ivo Kotevski, Sprecher des mazedonischen Innenministeriums, zum STANDARD. 6500 Personen wurden allein im letzten Jahr an der Grenze zurückgewiesen, etwa solche, die kein Rückfahrticket, keine Hotel-Reservierung oder kein Geld hätten. Offiziell geht man nicht nach ethnischen Kriterien vor. Doch die, die zurückgewiesen werden, sind trotzdem meistens Roma. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 17.10.2012)

WISSEN: Kaum Chancen auf Asyl

Asylwerber aus Balkanstaaten haben in der EU kaum Chancen. Im ersten Quartal 2012 bekamen laut Eurostat nur ein Prozent der Antragsteller aus Serbien (45 von 4825) Asyl zugesprochen. In Österreich ist der Anteil an Anträgen vom Balkan verschwindend gering. Der Kosovo kommt erst auf Platz 15. Österreich hat im Vergleich zu Deutschland kürzere Asylverfahren und bietet mehr Sach- als Geldleistungen. Laut Eurostat haben Asylanträge in jenen EU-Staaten abgenommen, die stark von der Wirtschafts-krise betroffen sind. (red)

 

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...gestern haben die Heuchler Merkel und Gauck

das Holocaustdenkmal für Roma und Sinti in Berlin eingeweiht.

Peinlich, wenn man gleichzeitig überall eine Situation der Diskriminierung und des Rassenhasses erlebt.

Niemand will dieses Problem wirklich lösen, das bringt keine Rendite, höchstens die Untrerschlagung der Hilfsmittel für die Roma/Sinti, die aus Brüssel kommen.

@Tomas Borge Ich kann gar nicht glauben, was Sie da schreiben.

Wie wollen Sie das Roma-Problem "lösen"?

Günter Grass fordert für die Roma einen "Europapass, der ihnen von Rumänien bis Portugal das Bleiberecht garantiert".

Das klingt human. Nur ignoriert Grass jene, die den Preis der Reisefreiheit zahlen. Sie leben in ungezählten rumänischen Kinderheimen...
Als ihre Mutter ins Ausland verschwand, blieben Marcelo, Alex und Alexandra, elf, zehn und acht Jahre alt, zurück. Ebenso die Geschwister Simona, Andrea und der dreijährige Cosmin. Vor einem Jahr gingen ihre Eltern zum Betteln nach Westeuropa. Sie meldeten sich nicht wieder (Rolf Bauerdick).

einfach nur schrecklich... hoffentlich bekommen sie in den Heimen etwas Zuwendung und Wärme.

in den Heimen bekommen sie bestenfalls ein Dach über dem Kopf und Brei im Napf.

Informieren sie sich einfach mal über Heime in diesen Ländern....

Als ob dich das Schicksal von Romakindern interessierte.
Verkauf halt deinen Posche und befreie die Ärmsten aus den Kinderheimen, wenn dir wirklich was an ihnen liegt.

Apropos Interesse und Roma, habe vor Kurzem einen Artikel gelesen, aus dem ich durchaus Neues erfahren konnte:
http://www.nationalgeographic.de/reportage... ichen-roma

(ist online leider ein bisschen dürftig)

Es freut mich, die Roma Kultur in einer reichen Variante zu sehen.

Danke für den Bericht aus dem National Geographic.

Darin ist zu lesen: "Sie entfernten – zuweilen illegal – wertvolles Altmetall wie Silber, Kupfer..."
Davon liest man auch in unseren Tageszeitungen immer wieder.

Da werden schon auch einige Kunstwerke von Gärten und Friedhöfen darunter gewesen sein....
Bei uns wurde vor kurzen ein schmiedeisernes Blumengitter gestohlen, Original von 1907...

Hirten und Nomaden haben historisch einen besonderen Respekt

vor fremdem Eigentum entwickelt. Es war nämlich praktisch nicht möglich, sein Hab und Gut in Zelten oder im Freien vor anderen zu schützen. Deshalb war Diebstahl in solchen Kulturen ein ganz übles Verbrechen und wurde sogar mit dem Tod bestraft. Gerade vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, was wir heute erleben.

Man weiß ja sowieso viel zuwenig von den Leuten.
In meiner Kindheit gab es einen Scherenschleifer, der jahrelang regelmäßig bei uns vorbei kam, alle Messer und Scheren um einen Pappenstiel wunderbar schliff und von meiner Mutter immer noch zusätzlich Essen und Obst für die Kinder bekam, oft auch Kleidungsstücke.
Da gab es keinerlei Berührungsängste, beide Seiten profitierten.

So einen Scherenschleifer und Kesselfkicker gab es in meiner Kindheit sogar bei uns mitten in Wien, genau wie du es beschreiben hast.

In dem burgenländischen Kaff, aus dem mein Vater stammt, gab es bis Ende60/Anfang70 sogar eine echte Zigeunersiedlung mit Wohnwagen und allem Drum und Dran. Die Leute waren zwar nicht unbedingt angesehen und integriert, aber begehrte Geschäftspartner. Wo die die paar Jahrzehnte davor waren, konnte mir nie jemand beantworten ...

Das Lustige dran ist ja, daß in allen möglichen alten Kitschfilmen und Operetten das Zigeunerleben glorifiziert wird, denn irgendwie wäre jeder gern unabhängig und ortsungebunden, aber wenns drauf ankommt, obsiegt die Mißgunst, das Mißtrauen und der Neid. Wie eh bei allem.

;-) na Gott sei Dank war dieser "Kesselflicker" Tipper noch harmlos ...

Hehehe.
Ich habs taktvoll überlesen.

Da frohlockt jetzt das Herzerl der "romafreundlichen" PosterInnen!

http://www.zeit.de/politik/a... arsch-roma

So viele Aggressionen sind nicht gut für Sie.

Wohin das führt zeigt der Link und das lehne ich ab.

Ich würde sagen, Sie lehnen das mitnicxhten ab, denn sonst würden Sie mir keine Agression unterstellen, nur weil ich die Wahrheit sage!

stehen Sie zu ihren Aggressionen, die Anerkennung ist der erste Schritt bevor sie mit deren Umgang/Abbau beginnen können.
Alles Gute.

Unser Freund b.a.f. macht aus allen,

die eine andere Meinung haben, instinktiv "Rechtsextreme" oder "Deutschnationale". Mit solchen habe ich nie etwas auf dem Hut gehabt und bin überzeugt, dass das auch für Sie und die anderen in diesem Forum gilt.
Aber b.a.f. wird bei seiner Meinung bleiben, weil er auf diese Weise nicht nachdenken muss. Einfache, aber durchschaubare Taktik...

Man hat etwas "am Hut, nicht "auf dem Hut".
Jedenfalls bist du politisch am rechten Rand und ausländerfeindlich sowieso.

Ihre Wortklauberei in Ehren,

aber mit Rechtradikalen oder Deutschnationalen wollte ich nie etwas zu tun haben.
Die sind mir immer schon unsympathisch gewesen...

Was glaubst du, wo du mit deinen Kommentaren sonst eingeordnet wirst?

Wenn jemand aus Ihren Kreisen sowas sagt,

dann muss man sich keine Gedanken machen...

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