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"Kinuta-Klopfen am Fluss Tama" von 1857.
Wien - Auf einem prallen Reisfeld reckt sich ein Dutzend goldgelber Strohballen zum Himmel. Im Hintergrund zieht ein Überlandbus vorbei, der Strommast am Horizont scheint mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Das Foto ist Teil von Katsuhiro Ichikawas Serie Fukushima 1998-2006. Der in Tokio lebende Künstler verbrachte viele Sommer auf dem Hof seiner Schwiegereltern in der Präfektur Fukushima, wenige Kilometer vom Ort des Reaktorunglücks entfernt. Die kargen Räume und die Porträts von ernsten Bauern zeugen von einem bescheidenen, aber erfüllten Leben.
Im Kontext des Zeitgeschehens sind diese Fotos traurige Mahnmale, die auf eine der größten Katastrophen der jüngeren Vergangenheit verweisen. " Tiefe Nachdenklichkeit überkommt einen immer wieder angesichts der Kostbarkeit des täglichen Lebens", sagt der Fotograf.
Solche existenzielle Unbeständigkeit thematisiert das Museum Leopold mit der Ausstellung Japan - Fragilität des Daseins. Erstmals sind rund 50 Werke aus der Sammlung Genzo Hattori zu sehen. Unter den Exponaten, die einen Zeitraum vom 12. bis zum 20. Jahrhundert umfassen, finden sich Tuschzeichnungen auf Seide, Kaligrafien, Gedichte und Aphorismen. Stillleben aus dem 16. Jahrhundert hängen neben Naturszenen. Wenn Menschen zu sehen sind, dann so klein, dass sie in der sie umgebenden Natur fast verschwinden, wie der Fischer auf Tasaki Souns Herbstregen.
Von verschwenderischer Schönheit sind die Tafelbilder auf Blattgold: Getreide vor der Ernte, die Arbeit eines unbekannten Künstlers, auf dem Ähren und Farne wie kostbare Skulpturen anmuten, und der vierteilige Wandschirm Das Käuzchen vor Goldgrund des Künstlers Yokoyama Taikan. Eine Darstellungsform, die in der christlichen Ikonografie Heiligen vorbehalten war, wird hier auf profane Motive übertragen, die Natur symbolisch erhöht.
Gemein ist allen Exponaten der holistische Ansatz, eine in der japanischen Kultur fest verankerte Demut vor dem Dasein, im Wissen um die eigene Endlichkeit.
Ergänzt werden die Arbeiten um Farbholzschnitte aus der Sammlung Leopold II, darunter Katsushika Hokusais unvermeidliche Große Welle vor Kanagawa , die sich als Postkartenmotiv inflationärer Beliebtheit erfreut. Solche Holzschnitte waren auch in Japan oft das Produkt einer ganzen Gruppe von Handwerkern.
Neben solchen Beispielen kollektiv versicherter Kultur zeigt die Ausstellung auch Abseitiges: etwa La petite mort, erotisch-frivole Paarszenen aus dem späten 18. Jahrhundert. Als Gewinn erweist sich die Entscheidung, die Werke um Arbeiten von fünf zeitgenössischen österreichischen Künstlern zu ergänzen. Der 1949 geborene Roman Scheidl stellt Hokusais Ansichten des Fuji eigene Tuschzeichnungen gegenüber. Marko Zinks Fotografien von Kleidungsstücken und Papierschirmen, die wie seltene Tiere durchs gleißende Wasser zu schweben scheinen, setzen das Prinzip der Einkehr und des Stillstandes so konsequent um wie Margit Hartnagels hingehuschte Farbverläufe, blass und schon im Verschwinden begriffen. (Eva Biringer, DER STANDARD, 17.10.2012)
Bis 4. 2. 2013
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