Rot-schwarz-grünes Selbstbewusstsein

  • Symbole schwarzen Selbstbewusstseins in Kerry James Marshalls "The 
Academy", 2012.
    foto: courtesy of the artist und jack shainman gallery, new york

    Symbole schwarzen Selbstbewusstseins in Kerry James Marshalls "The Academy", 2012.

Mit der Ausstellung "Who's Afraid of Red, Black and Green" zeigt die Wiener Secession die politisch gefärbten Arbeiten des afroamerikanischen Künstlers Kerry James Marshall zum ersten Mal in Österreich

Wien - Rosa Parks war eine resolute Frau. Als sich die Afroamerikanerin 1955 strikt weigerte, in einem Bus in Montgomery, Alabama, den Sitzplatz einem Weißen zu überlassen, wurde sie verhaftet und eingesperrt - die gängige Praxis in den nach Hautfarben getrennten Südstaaten. Ihr Aufbegehren und der darauffolgende Boykott des öffentlichen Busnetzes durch die schwarze Bevölkerung gelten indessen als Beginn der US-Bürgerrechtsbewegung.

Knapp hundert Meilen weiter nördlich kam im gleichen Jahr Kerry James Marshall zur Welt. Er wuchs in der Zeit von Malcolm X, urbaner Rebellion und der radikalen Black-Power-Bewegung auf. Wie prägend die Ereignisse auf seine Bilder waren, zeigt seine neue, 16 Werke umfassende Serie Who' s Afraid of Red, Black and Green in der Wiener Secession.

Die Farbfeldmalerei der 1950er- Jahre hat sich in Marshalls Arbeiten niedergeschlagen. Es sind gewaltige, monochrome Farbflächen wie auf den drei großen Gemälden Red (If they come in the morning), Black und Green, die mittig an den Wänden hängend den Raum strukturieren. Er bezieht sich damit auf Barnett Newmans Who's Afraid of Red, Yellow and Blue (1966), ein abstraktes Gemälde, mit dem Newman den drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau Tribut zollt.

Marshall nutzt die herausfordernde Wirkung der großen, symmetrischen Farbflächen als politisches Trägermedium und tauscht die Farben aus: Rot, Schwarz und Grün sind die Farben der panafrikanischen oder Unia-Flagge. Die Trikolore, die heute noch in Varianten auf dem afrikanischen Kontinent oder in der Karibik vorkommt, wurde 1914 von Marcus Garvey für seine Organisation Universal Negro Improvement Association verwendet. Demnach sollten alle Schwarzen Amerikas in die " gemeinsame Heimat" nach Afrika zurückzukehren. Garveys Plan scheiterte, die Farben stehen aber noch heute für Black Power.

Politische Symbolik

In Bildern wie The Academy greift Marshall auch auf andere politische Symbole wie die geballte Faust und den Afrolook zurück, Black hingegen besteht fast ausschließlich aus Schwarztönen. Es zeigt unter anderem ein dreidimensionales X, eine Referenz an Bürgerrechtsführer Malcolm X. Schwarzes Selbstbewusstsein taucht so mal offen, mal latent in seinen Bildern auf.

Marshall hinterfragt in seinen teils politischen Bildern die Dominanz weißer Körper in der westlichen Kunstgeschichte: "Wenn ich ins Museum gehe, bin ich immer wieder erschlagen von den Darstellungen weißer Körper. Diese Bilder gelten fast überall als Fundament der westlichen Kunst." Mit seinen Bildern versucht er, diese Lücke zu schließen - oder eine Alternative zu der von weißen Körpern geprägten Kunstgeschichte zu liefern.

Grundlage aller Arbeiten sind die verschiedenen Rot-, Grün- und Schwarztöne. Insbesondere auf die Darstellung des schwarzen Körpers legt er Wert. So unterscheidet sich die Schwärze der Figuren wie etwa in Untitled (male nude) nur unwesentlich vom Hintergrund - subtile Kritik an der Unsichtbarkeit der Schwarzen in der westlichen Kunstgeschichte.

Sowohl figurativ als auch abstrakt setzt er die Identität der Afroamerikaner malerisch um. Mal gelingt ihm dies auf subtile Art, mal etwas kitschig, wenn er in School of Beauty, School of Culture Glitzer auf die Leinwände klebt. Manchmal transportiert er nur ein klischeehaftes Bild des Afroamerikaners.

Mit seinem der Blues-Legende gewidmeten Robert Johnson Frieze verneigt sich Marshall vor Klimts Beethovenfries und knüpft geschickt an die Geschichte des Hauses an. (Michael Ortner, DER STANDARD, 17.10.2012)

Bis 25. 11.

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