Auch türkische Marine rüstet gegen Syrien

16. Oktober 2012, 16:22
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USA fordern Nachbarn Syriens zur Überwachung ihres Luftraums auf - UNO beziffert Zahl der Toten mit 30.000

Damaskus/Istanbul/Washington - Auch die türkische Marine bereitet sich offenbar auf einen möglichen Konflikt mit dem Nachbarn Syrien vor. Generalstabschef Necdet Özel besuchte am Dienstag die Basis Gölcük am Marmara-Meer, einen der wichtigsten Marine-Stützpunkte des Landes, wie der Generalstab in Ankara mitteilte. Die USA forderten Syriens Nachbarländer unterdessen zur sorgfältigen Beobachtung ihres Luftraums auf.

Der türkische Nachrichtensender NTV meldete, einige Schiffe aus Gölcük seien nach dem Parlamentsbeschluss für eine mögliche Syrien-Intervention vom 4. Oktober ins östliche Mittelmeer verlegt worden. Auch die Zeitung "Hürriyet" hatte über Vorbereitungen der Marine berichtet.

General Özel hatte in der vergangenen Woche die an der syrischen Landgrenze verstärkten türkischen Truppen inspiziert und dabei dem Nachbarn Syrien mit Vergeltungsschlägen gedroht, falls der Beschuss durch syrische Granaten anhalten sollte. Am 3. Oktober waren fünf türkische Zivilisten von einem syrischen Artilleriegeschoß getötet worden; auch in den Tagen danach gingen mehrmals syrische Geschoße auf türkischem Territorium nieder. Nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen hat es in den vergangenen Tagen aber keinen Beschuss mehr gegeben.

Unterstützung Washingtons

US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland sagte am Montag vor Journalisten, Washington unterstütze die Entscheidung der Türkei, gegen die vermutete Verletzung ihres Luftraums durch eine aus Moskau stammende syrische Passagiermaschine vorzugehen. "Wir ermutigen daher alle Nachbarn Syriens, aufmerksam darauf zu achten, auf welche Weise ihr Luftraum genutzt wird - jetzt, da wir es mit diesem konkreten Fall zu tun haben."

Die syrische Passagiermaschine war am Mittwoch vergangener Woche zur Landung in Ankara gezwungen worden. Nach türkischen Regierungsangaben wurden an Bord Rüstungsgüter für Damaskus gefunden; laut russischen Medienberichten transportierte das syrische Flugzeug Ersatzteile für das Radar der syrischen Luftabwehr. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte am Montag erneut, an Bord habe sich "Kriegsmaterial" befunden.

Nuland sagte in Washington, die Türkei verhalte sich bei der Kontrolle ihres Luftraums "maßvoll und angemessen". So sei eine armenische Maschine, die letztlich Hilfsgüter an Bord hatte, zur Landung aufgefordert und durchsucht worden, sie habe dann aber nach Syrien weiterfliegen dürfen, sagte sie. Die Türkei sei also "offen für humanitäre Ausnahmen".

In Syrien selbst wurde unterdessen eine prächtige Moschee aus dem 8. Jahrhundert in Aleppo durch Kämpfe stark beschädigt. Im Inneren des Gebäudes stürzten Mauern ein. Mehrere Räume der Moschee, die für sunnitische Muslime auch eine Pilgerstätte ist, brannten aus. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete am Dienstag, Präsident Bashar al-Assad habe per Dekret nun den Wiederaufbau der Umayyaden-Moschee bis spätestens Ende 2013 angeordnet. Die bewaffneten Regimegegner hatten erst die Regierungstruppen aus dem Gebäude vertrieben. Am vergangenen Sonntag gelang es den Truppen von Assad dann, das im Jahr 715 errichtete Gebäude wieder einzunehmen.

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen sind in Syrien seit Beginn der Gewalt vor gut eineinhalb Jahren mindestens 30.000 Menschen getötet worden. "Wir haben nicht die Möglichkeit, genaue Zahlen festzustellen oder zu überprüfen. Aber wir müssen mittlerweile von 30.000 Toten ausgehen", sagte der UNO-Untergeneralsekretärs für Politische Fragen, Jeffrey Feltman, am Montag im Weltsicherheitsrat. (APA, 16.10.2012)

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