Generationenwechsel ohne Zwist und Hader

16. Oktober 2012, 17:06
1 Posting

Privatstiftungen sparen kaum noch Steuern, aber sie halten Familienvermögen zusammen. Ob die Erben streiten, entscheidet sich bei der Errichtung

Die einst großzügigen Steuervorteile der Privatstiftungen wurden seit dem Jahr 2000 von verschiedenen Finanzministern abgeräumt wie ein Christbaum. Aber dennoch schwören viele Juristen und Wirtschaftsprüfer immer noch auf das in den 1980er-Jahren eingeführte Instrument - als ideales Vehikel für Unternehmensgünder, die ihr Lebenswerk an ihre Nachkommen weitergeben wollen, ohne dass es durch Familienzwistigkeiten aufgeteilt und gar zerstört wird.

"Der Zusammenhalt des Vermögens war der ursprüngliche Zweck der Privatstiftung, und der ist immer noch gültig", sagt Erik Malle, Geschäftsführer bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in Wien. "Würden die Unternehmensanteile auf die Kinder aufgeteilt, könnte es in wenigen Generationen durch Erbschaften und Verkäufe zu einer Zersplitterung der Anteilsinhaberschaft kommen", fügt Harald Galla, Wirtschaftsprüfer bei LeitnerLeitner, hinzu. "Dies führt in der Praxis häufig zu Streitigkeiten und langsamen Entscheidungsprozessen."

In einer Stiftung verwaltet ein Vorstand das Vermögen im Sinne des Stifters und sorgt dafür, dass ein Teil der Gewinne zurückgehalten und ein anderer Teil gerecht unter den Begünstigten aufgeteilt wird - und das über Generationen hinweg. "Durch die Stiftungsurkunde bleibt der Wille des Stifters auch nach seinem Tod beachtlich, wodurch in gewisser Weise der Tod durch rechtliche Mittel überlistet werden kann", sagt Klaus Wiedermann, Direktor von Tax Services bei Deloitte. Und wenn ein Nachkomme auch als Unternehmer aktiv bleiben will, so kann er Geschäftsführer in der GmbH werden, während die Stiftung das Vermögen verwaltet und die anderen Angehörigen versorgt.

Verunglückte Urkunden

So weit der Idealfall. In der Praxis aber führen auch Stiftungskonstruktionen zu Zwist und Hader unter den Erben. Schuld daran, so Stiftungsexperten, sind meist unglücklich formulierte Stiftungsurkunden, die entweder zu viele Fragen offenlassen oder aber durch ihre ganz genauen Vorgaben dem Vorstand keine Möglichkeit lassen, auf die mit der Zeit veränderten Umstände zu reagieren. Vor allem der Tod des Stifters wird für viele Stiftungen zur Belastungsprobe.

Sind die Erben untereinander uneins, dann braucht es eine starke Stellung des Vorstandes in der Stiftungsurkunde, betont Wiedermann. Allerdings sind auch übermächtige Stiftungsvorstände ein Problem. Clemens Trauttenberg von Wolf Theiss beschreibt etwa den Fall, in dem Stifter den Vorstandsmitgliedern besonders große Einflussrechte eingeräumt hat. Solange der Stifter lebt, agiert der Vorstand als verlängerter Arm des Stifters. Doch damit werde die statuierte Machtverteilung für die Zeit danach versteinert, was zu Konflikten mit und unter den Erben führen könne, kritisiert Trauttenberg: "Oft sind die Begünstigten mit einem Vorstand konfrontiert, der aus Furcht vor etwaigen Haftungen sich lieber an starre Regelungen hält, als sich an veränderte Verhältnisse anzupassen. Er ist viel risikoscheuer als die Unternehmer und würde das Vermögen am liebsten in einer mündelsicheren Anlage sehen."

Ein anderes Problem tritt auf, wenn die Stiftungsurkunde einen Verkauf des Familienunternehmens untersagt, während die Begünstigten dies wollen, um ihr Vermögen zu erhalten oder zu vermehren. Unzufriedene Erben fordern dann immer häufiger Eingriffe in die Befugnisse des Vorstandes oder gar seine Abberufung - ein Thema, das bereits mehrmals den Obersten Gerichtshof beschäftigt hat.

Allerdings gibt es auch Auswege, ohne die Gerichte zu bemühen. Malle von PwC beschreibt etwa die Spaltung der Stiftung durch die Gründung von Substiftungen. "Man kann dort eigene Stiftungsvorstände installieren und einen neuen Begünstigtenkreis bestimmen", sagt er. "Das ist eine Erweiterung, aber keine Zerschlagung und schafft eine gewisse Flexibilität." Wollen Nachkommen mehr Einfluss auf das Unternehmen, als es der Stifter vorgesehen hat, so ist eine Holding-Lösung möglich: Die Stiftung gründet gemeinsam mit den Begünstigten eine Holding, in der die Unternehmensbeteiligung eingebracht wird.

Bei beiden Lösungen müsse genau auf die steuerliche Gestaltung geachtet werden, bei der Substiftung auch auf die Gefahr einer unzulässigen Gläubigerbenachteiligung, betont Malle.

Wichtig sei es, dass bereits in der Stiftungsurkunde eine gewisse Flexibilität eingebaut ist. "Das wurde in den Neunzigerjahren manchmal zu wenig beachtet", berichtet Malle von der Frühzeit der Stiftungsgründungen.

Konfliktlösungsmechanismen

Für Katharina Müller von der Kanzlei Willheim Müller ist es entscheidend, dass bereits die Stiftungsurkunde Kofliktlösungsmechanismen wie etwa Schiedsklauseln vorsieht. Wichtig sei auch ein Begünstigtenbeirat, mit dem der Vorstand die Zielsetzungen abstimmen kann. "Davon hängt es ab, ob die Stiftung als Instrument der Vermögensweitergabe funktioniert", sagt sie, "ansonsten wird es ein Instrument der Vermögensabschottung."

Die beste Zeit zur Optimierung der Stiftung sei, wenn der Stifter noch lebt und handeln kann, sagt Müller. Derzeit würden viele ihre vor Jahren aufgesetzte Urkunde überprüfen und schauen, ob sie immer noch passt - oder sich die Umstände geändert haben. Dies sollten noch viel mehr Stifter tun, fordert Müller.

Diskutiert werden könnte in Österreich auch, ob neben die Privatstiftung andere Instrumente der Unternehmensnachfolge treten sollten, meint Malle von PwC. Ander Länder kennen Trusts, die ebenfalls den Zusammenhalt von Vermögen erleichtern, aber mehr Flexibilität bieten als die heimische Privatstiftung. "Das wäre ernsthaft zu überlegen." (Eric Frey, DER STANDARD; 17.10.2012)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sprinter aus Jamaica beherrschen die Übergabe des Stabes beim 4-x-100-m-Staffellauf. Unternehmensgründer tun sich mit ihren Nachkommen etwas schwerer.

Share if you care.