Schmetterling hat das gleiche Gift wie eine Meeresschnecke

  • Die Flügel des Great Orange Tip sind schön, aber auch giftig.
    foto: pnas/narkhyun bae et al

    Die Flügel des Great Orange Tip sind schön, aber auch giftig.

Der einen Angriffswaffe dient dem anderen zum Schutz - Entdeckung von Wiener Forschern

Wien - Ein Gift, das bisher nur von Meeresschnecken bekannt war, haben Wiener Forscher im Körper eines tropischen Schmetterlings entdeckt und genauer untersucht. Es handelt sich dabei um einen kleinen Eiweißstoff in den Schmetterlingsflügeln und der Raupen-Haut des Great Orange Tip (Hebomoia glaucippe), einer Schmetterlingsart, die erstmals 1758 von Carl von Linne beschrieben wurde. Dies berichten die Forscher um Gert Lubec von der Medizinischen Universität Wien in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "PNAS".

Sie bestimmten die genaue Abfolge der Aminosäuren des Giftes und fanden heraus, dass es sich dabei um Glacontryphan-M handelt. Bisher kannte man dieses Gift nur von Marmor-Kegelschnecken (Conus marmoreus). Die Meeresschnecken sind im Indischen Ozean und dem Westpazifik verbreitet und besitzen eine giftige Harpune, mit der sie Beute machen und sich verteidigen. 

Schutz mit Mängeln

Beim Great Orange Tip dient das Gift hingegen ausschließlich zum Schutz. Die Grundfarbe des von Indien über Südostasien bis Australien verbreiteten Schmetterlings ist weiß, die Flügelspitzen leuchten orange. Die Spannweite beträgt acht bis neun Zentimeter. Die meisten seiner Fressfeinde wissen offenbar jedoch, welche Teile des Schmetterlings giftig sind. Vögel, Ameisen und die Orchideenmantis meiden die Flügel gewöhnlich. Eine Seidenspinnenart tötet den Schmetterling und saugt seinen Körper aus, so die Forscher. Grünaugengeckos jedoch verschlingen ihn samt Flügel.

Das Schmetterlingsgift wird nach seiner Synthese noch an mehreren Stellen verändert, schreiben die Forscher. Diese sogenannten posttranslationalen Modifikationen könnten entweder genetisch bedingt sein oder von äußeren Faktoren, wie etwa Nahrungspflanzen, kommen. (APA/red, derStandard.at, 19. 10. 2012)

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