Werbewirtschaft lobbyiert gegen "Do Not Track"

Grabenkämpfe zwischen Datenschutzrechtlern und der Werbewirtschaft sorgen für Spannungen

Der "Do Not Track"-Mechanismus sorgt im Browser dafür, dass Datensammlern vor verschlossenen Türen stehen, wenn sie die Customer Journey des entsprechenden Users aufzeichnen wollen. Gerade Werbern ist dieser Mechanismus bei steigenden Targeting-Optionen aber ein Dorn im Auge, was sich in Diskussionen seit mehreren Wochen deutlich widerspiegelt.

Wie ein Artikel der "New York Times" vom Samstag auflistet, versucht die Werbewirtschaft mit mannigfaltigem Lobbying die Abschaffung des "Do Not Track"-Features herbeizuführen. Zuerst stellten neun Mitglieder des Repräsentantenhauses die Verbindungen der "Federal Trade Commission" mit dem World Wide Web Consortium in Frage, das derzeit an globalen Standards für das "Do Not Track"-Feature arbeitet. Ihre Bedenken drehten sich dabei um den ungehinderten "Datenfluß als Herz des Interneterfolgs".

Offener Brief an Microsoft

Kurz darauf folgte ein offener Brief der Association of National Advertisers an Microsoft-CEO Steve Ballmer, die geplante Default-Einstellung des "Do Not Track"-Mechanismus im kommenden Internet Explorer 10 zu überdenken, da amerikanische Werbetreibende dadurch 43 Prozent weniger Daten von US-Browsern sammeln könnten. Microsoft hat das schriftliche Begehr aufgrund von User-Umfragen, die die Voreinstellung zu 75 Prozent bejahen, negativ beantwortet.

Grabenkämpfe um Datenschutz

Die Grabenkämpfe um den Datenschutz kommen nicht von ungefähr. Die Werbeindustrie versucht, die seit Jahren sinkenden Einnahmen aus traditioneller Werbung durch relevante Online-Anzeigen auszugleichen. Diese wiederum können aber nur dann den User direkt in seinen Konsumgewohnheiten ansprechen, wenn zuvor Daten über seine Interessen gesammelt werden konnten. Davon direkt abhängig sind Online-Plattformen aller Art, deren nach wie vor größte Einnahmequelle das Online-Marketing ist. (red, derStandard.at, 16.10.2012)

Share if you care