Werbewirtschaft lobbyiert gegen "Do Not Track"

16. Oktober 2012, 16:07

Grabenkämpfe zwischen Datenschutzrechtlern und der Werbewirtschaft sorgen für Spannungen

Der "Do Not Track"-Mechanismus sorgt im Browser dafür, dass Datensammlern vor verschlossenen Türen stehen, wenn sie die Customer Journey des entsprechenden Users aufzeichnen wollen. Gerade Werbern ist dieser Mechanismus bei steigenden Targeting-Optionen aber ein Dorn im Auge, was sich in Diskussionen seit mehreren Wochen deutlich widerspiegelt.

Wie ein Artikel der "New York Times" vom Samstag auflistet, versucht die Werbewirtschaft mit mannigfaltigem Lobbying die Abschaffung des "Do Not Track"-Features herbeizuführen. Zuerst stellten neun Mitglieder des Repräsentantenhauses die Verbindungen der "Federal Trade Commission" mit dem World Wide Web Consortium in Frage, das derzeit an globalen Standards für das "Do Not Track"-Feature arbeitet. Ihre Bedenken drehten sich dabei um den ungehinderten "Datenfluß als Herz des Interneterfolgs".

Offener Brief an Microsoft

Kurz darauf folgte ein offener Brief der Association of National Advertisers an Microsoft-CEO Steve Ballmer, die geplante Default-Einstellung des "Do Not Track"-Mechanismus im kommenden Internet Explorer 10 zu überdenken, da amerikanische Werbetreibende dadurch 43 Prozent weniger Daten von US-Browsern sammeln könnten. Microsoft hat das schriftliche Begehr aufgrund von User-Umfragen, die die Voreinstellung zu 75 Prozent bejahen, negativ beantwortet.

Grabenkämpfe um Datenschutz

Die Grabenkämpfe um den Datenschutz kommen nicht von ungefähr. Die Werbeindustrie versucht, die seit Jahren sinkenden Einnahmen aus traditioneller Werbung durch relevante Online-Anzeigen auszugleichen. Diese wiederum können aber nur dann den User direkt in seinen Konsumgewohnheiten ansprechen, wenn zuvor Daten über seine Interessen gesammelt werden konnten. Davon direkt abhängig sind Online-Plattformen aller Art, deren nach wie vor größte Einnahmequelle das Online-Marketing ist. (red, derStandard.at, 16.10.2012)

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10 Postings

I brauch ka Werbung fiar Sochn, de I ma so wie so kauf.

Es Spezialisten...

Zunächst einmal: Grundlage dieser Userverfolgung (im Marketing-Deutsch: "Customer Journey") sind beim User ohne dessen Wissen und Wollen gesetzte Cookies. Einnahmequelle ist hier nicht "das Online-Marketing" allgemein wie geschrieben sondern das technical und behavioral Retargeting. Wie der Kommentator "tcl" ganz richtig schreibt geht es auch anders, also ohne den User auszuspähen, indem man "contextual targeting" betreibt. D.h. man analysiert Webseiten-Inhalte und schaltet dort passende Werbung.
Wenn ein weiterer Kommentator hier Recht hat und der Apache Server (weitest verbreiteter Server bei der Lieferung von Internet-Inhalten) das DNT des IE10 ignorieren wird, ist dieses Feature leider tatsächlich nicht mehr als ein Potemkinsches Dorf.

Die Werber haben scheinbar keinen Dunst.
DNT ist das beste was Ihnen passieren kann. Warum?

Weil es
* als optionales Feature vom Großteil der Benutzer ohnehin nicht verwendet werden wird,
* es der leidigen Datenschutz-Diskussion in diesem Bereich die Substanz raubt und
* der rechtliche Graubereich endlich verlassen wird.

Und die IE10 Standardeinstellung braucht auch niemanden zu kümmern, der Apache wird das DNT des IE10 vermutlich ignorieren, weil es gegen den RFC verstösst. Da schießt sich MS eh nur ins eigene Bein.

was für ein graubereich? nicht user-bezogene daten haben herzlich wenig mit datenschutz zu tun, da aggregierte informationen ohne menschen-bezug.

glauben sie mir, eine flächendeckende dnt-funktion würd die werbewirtschaft wieder weg vom web drängen - und zahlreiche online-portale aussterben. dann sind wir wieder bei den 7-minütigen werbeunterbrechungen im tv, die echt niemand sehen will.

Das ist richtig, genau deswegen sollte DNT ja auch ein optionales Feature sein (dies ist zB einer der Argumente mit der IE10 DNT im Apache ignoriert werden wird).

Man kann schon heute ohne große Umstände Werbung/Tracking ausblenden bzw. umgehen, DNT würde also nicht das befürchtete Armaggedon einläuten.

Was bezahlt

mir die Werbeindustrie für meine Daten?

du zahlst, wenn du ein produkt kaufst, die werbung mit

Als Deppen-Lohn üblich: Zwei Wochen Zeitungsabo. zB stehen die Fußsoldaten der halbkriminellen Adresshändler an so ziemlich jedem deutschen Bahnhof und bieten Zeit und FAZ als Probe-Abo an ... sie tun dies aber nicht etwa für den Zeitungsverlag, sondern um an die Adressdaten zu kommen.

Die kriminellsten unter diesen Betrügern behaupten einfach, du hättest an einem Gewinnspiel teilgenommen und "leider nichts gewonnen". Wie ehrlich es bei "Gewinnspielen" zugeht, die nicht notariell beaufsichtigt werden, darf sich jeder selbst ausmalen. Ich habe solche Gewinnspiele mehrfach als Selbstbedienungs-Aktion für die Angestellten des Auftraggebers erlebt, und nur die wertlosesten, schäbigsten Trostpreise je an einen Kunden schicken dürfen.

Werbeindustrie - gehts scheixxen. niemand brauch euch. schults um auf telefonhörerdesinfizierer.

liebe werbeindustrie, es gibt auch werbung die nicht darauf beruht dass der seitenbesucher anhand der 200 vorher besuchten seiten und anhand der letzten 10 produkte die er im internet gekauft hat analysiert wird. zum beispiel lässt sich zum webseiteninhalt passende werbung schalten, das geht sowohl automatisiert als auch manuell. aber klar, wenn die werbekunden direkt mit einem seitenbetreiber in kontakt treten und ein passendes werbebanner buchen, dann kassiert die werbeindustrie da nicht mit.

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