Zwangsarbeit in Kinderheim: Bisher 60 Meldungen

16. Oktober 2012, 15:17
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Ende September lag die Zahl der Betroffenen noch bei 32

Schwaz - Nach den Mitte August bekannt gewordenen Arbeitseinsätzen von Zöglingen der berüchtigten Tiroler Landeserziehungsanstalt St. Martin in Schwaz sind bei der zuständigen Stelle des Landes Tirol bisher "rund 60 Meldungen" von mutmaßlich Betroffenen eingegangen. Dies erklärte der zuständige Soziallandesrat Gerhard Reheis, LHstv. am Dienstag bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung der Landesregierung in Innsbruck.

Ende September hatte es vonseiten des Landes geheißen, dass sich 32 betroffene Frauen - in St. Martin waren damals ausschließlich Mädchen untergebracht - gemeldet hätten. "Wir führen derzeit mit allen Interviews. Außerdem werden alle verfügbaren Akten erhoben und gesichtet", sagte Reheis.

Erst dann werde man sagen können, ob und wenn ja in welcher Form die Betroffenen bezahlt worden sind und wie es mit den Pensionsversicherungsleistungen ausschaue. Auch der Frage möglicher Nachzahlungen werde man sich dann widmen können, meinte der Soziallandesrat. Hand in Hand gehe die Aufarbeitung der Geschichte des Kinderheimes St. Martin.

Arbeit ohne entsprechenden Lohn

Den Stein hatten ehemalige Zöglinge aus dem Heim St. Martin ins Rollen gebracht. Sie berichteten, für den Tiroler Kristallkonzern Swarovski, den Marmeladenhersteller Darbo und den Leuchtenhersteller EGLO in den 60er Jahren Arbeiten verrichtet zu haben, ohne von der Heimleitung entsprechend entlohnt worden zu sein.

Das Land Tirol hatte daraufhin eine eigene Kommission unter dem Titel "Arbeit in Tiroler Heimen" ins Leben gerufen. Darbo-Vorstandsvorsitzender Martin Darbo hatte erklärt, den Lohn für die damals geleistete Arbeit nach 30 Jahren ein zweites Mal und dem heutigen Lohnniveau entsprechend zu überweisen. (APA, 16.10.2012)

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