Spanien hofft auf Hilfsprogramm ohne Hilfe

16. Oktober 2012, 17:20

Spaniens Antrag an den Rettungsschirm ESM soll lediglich die Tür für die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank öffnen

Madrid/Wien - Ist es ein großer Bluff, oder schindet Spanien lediglich noch etwas Zeit? Investoren rätseln seit Wochen darüber, ob und wann Spanien einen Hilfsantrag an den Eurorettungsschirm ESM stellt und welches Programm die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone erhalten wird.

Die Financial Times berichtete am Dienstag, wie der Standard bereits am Tag zuvor, dass die Regierung in Madrid kurz davor ist, einen Hilfsantrag an den ESM zu stellen. Die Regierung von Premier Mariano Rajoy hält es aber offensichtlich nicht für nötig, tatsächlich Gelder vom Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. Die Strategie ist eine andere: Spaniens Antrag an den ESM soll lediglich die Tür für die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) öffnen. Die EZB hatte ja Anfang September ihre Bereitschaft signalisiert, unbegrenzt Staatsanleihen von angeschlagenen Euroländern zu kaufen. Voraussetzung dafür ist, dass der ersuchende Staat einen Hilfsantrag an den Rettungsschirm stellt und mit diesem ein Reformprogramm erarbeitet.

Auflagen

Dabei sieht es so aus, als müsste Spanien nicht viele zusätzliche Auflagen erfüllen. EU-Währungskommissar Olli Rehn hat nämlich bereits in der vergangenen Woche erklärt, dass Spanien eine sogenannte "Enhanced conditions credit line" (Eccl) vom Rettungsschirm erhalten werde. Diese Kreditlinie steht nur Ländern offen, die bereits strikte Reformvorgaben der EU erfüllen und daher leichter an Gelder aus dem Schirm herankommen sollen. Wie die FT berichtet, hofft die spanische Regierung darauf, dass allein ihr Antrag an den Schirm und die EZB die Risikozinsen für das Land hinuntertreibt, dass tatsächliche Marktinterventionen unnötig werden.

Ob die Strategie aufgeht, hängt nicht zuletzt davon ab, wie groß die Probleme im spanischen Bankensektor tatsächlich sind. Derzeit schätzt die Regierung, dass die Landesbanken 60 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung benötigen werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat am Dienstag nach der Herabstufung Spaniens auch die Bonitätsnoten für elf nationale Kreditinstitute gesenkt. Betroffen sind auch die Santander und die BBVA, die beiden größten Landesbanken. Santander notiert nun nur noch bei "BBB", zwei Stufen über dem gefürchteten Ramschniveau. BBVA steht überhaupt nur noch bei "BBB-" und damit eine Stufe über Ramsch. (szi, DER STANDARD, 17.10.2012)

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7 Postings
" lediglich die Tür für die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) öffnen."

So viel zu ehrlichem Umgang gleichberechtigter Partner in einer Gemeinschaft (EU).

Und das will man erweitern? Ich fürchte mich!

Hat Spanien ihre Regionen schon abgeschrieben?

Sie haben mehr Schulden als die Banken.

Die Banken werden sicher mehr als 60 Milliarden brauchen

Was aber eh wurscht ist. Denn die Ratingagenturen im Auftrage von irgendwem werden die Euroländer nicht mehr vom Haken lassen. Was auch richtig ist, denn die systeminherenten Probleme der Eurozone sind unlösbar mit der vorgeschlagenen Zentralisierung von Budget Finanzen, etc...
Lauter Hirngespinste jener, die den Euro verbrochen haben und das endgültige Urteil fürchtend den Zusammenbruch hinausschieben, solange noch Geld in den Taschen der Bürger ist und diese nicht NEIN sagen.

scheinantrag für scheinwährung

genial.

wie die spanier gestrickt sind, sieht man auch beim doping-skandal. mehr schein als sein, immer schon.

gut im tourismus, schlecht im geldgeschäft.
tut leid, wenn nicht mal was passiert da unten (banken, staat, regulierung, etc) wird das nix mehr mit uns.

die zeit hamma nicht und ein tipp: neue immoblase wie jetzt hilft auch nix, wenn die fetzen von der alten noch rumliegen.

aber wurscht, die franzosen sind unser schicksal.
aber so weit kommen wir nicht, weil uns die italiener vorher den garaus machen. wie wir sie kennen, führen die dollar ein und lassen uns sitzen.

60 min. Eur-US$ 4:0

Was für eine Hosenscheißermentalität!!! Die Amis hängen schon derart in den Seilen, dass ein wenig Zusammenhalt in Europa, etwas Umverteilung und eine vereinfachte Zusammenarbeit der letzten verbliebenen Weltmacht, inkl. Leitwährung den Knock Out versetzen kann. Stattdessen wird gejammert wie schlimm doch die Welt ist und am besten schließen wir uns alle daheim ein und reden nicht mehr miteinander. Die Eurokrise ist der potentielle Auslöser für eine Weltwirtschaftskrise, ergo Europa bestimmt die Weltwirtschaft! Wird vom IWF immer wieder betont.

Das wird immer doller, dreister, dümmer!

Jedoch in diesem Euro-Kasperl-Rettungstheater ist alles möglich! Wer diese Zeilen liest und mitbekommt, wie mit unseren Steuergelder umgegangen wird, der weiss von jetzt an, wie und wo unser Geld vernichtet wird.

Und wer noch glaubt, diese Desperados in Spanien seine die besseren und ehrlicheren Politiker, der wird bald eines besseren belehrt!

Aber eben. Der Euro. Das Friedensprojekt in Europa!
Es ist eher eine Währung geworden von neuen Tricksereien und Schummeleien. Am besten alles lange verheimlichen, vernebeln und hinauszögern (siehe Griechenland).

Am besten die dummen Partner des zahlenden Resteuropa im dunkel lassen. Gezahlt wird eh, denn alle wissen es längst. Niemand soll laut der Eurodiktatur aus der Sekte ausscheiden dürfen...

langfristig gesehen, wäre ein handeln wie Island vor nicht einmal 4 Jahren sinnvoller.

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