"Goldenes Brett vorm Kopf": Drei Finalisten ... inklusive Ärztekammer

Weitere Kandidaten sind ein Autor des 2012-Hypes und ein Professor von "Hogwarts an der Oder"

Wien - Peter-Arthur Straubingers Pseudo-Dokumentation "Am Anfang war das Licht" über Menschen, die sich vermeintlicherweise von "feinstofflicher Energie" bzw. "Licht" ernähren, lockte im vergangenen Jahr etwa 100.000 Menschen in die Kinos. Später gab es dafür einen Preis der besonderen Art: Das "Goldene Brett vorm Kopf", mit dem die Gesellschaft für kritisches Denken (GkD) pseudowissenschaftlichen Unfug "auszeichnet". Die GkD ist die Wiener Lokalgruppe der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), die wiederum in der internationalen "Skeptikerbewegung" vernetzt ist.

Am kommenden Freitag wird Straubingers Nachfolger gekürt. Aus über 200 Nominierungen wählte eine Jury drei Finalisten aus: Der Autor Dieter Broers, Harald Walach von der Europa-Universität Viadrina und die Österreichische Ärztekammer stehen zur Wahl. Einer dieser drei wird am kommenden Freitag mit dem "Goldenen Brett" ausgezeichnet werden. Außerdem wird ein Sonderpreis für das Lebenswerk an eine Person vergeben werden, "die sich jahrzehntelang mit besonders beeindruckender Resistenz gegen wissenschaftliche Fakten einen Namen gemacht" habe.

Die Kandidaten

Dieter Broers schwimmt auf der Welle des 2012-Hypes. In Büchern wie "Checkliste 2012. Sieben Strategien, wie Sie die Krise in Ihre Chance verwandeln: Wegbeschreibung aus spiritueller Sicht" oder "(R)Evolution 2012" verknüpft er das Apokalyptische mit dem Persönlichen. Die Jury weist zudem explizit auf Broers' Aussage, wonach ein "Synchronisationsstrahl" aus dem Zentrum der Milchstraße uns treffen und das Bewusstsein der Menschheit verändern werde, sowie auf seine Erfindung eines "Lebensfeldstabilisators" hin.

Harald Walach ist Inhaber einer Stiftungsprofessur am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt, die als "Hogwarts an der Oder" durch die Schlagzeilen ging. Insbesondere eine dort erstellte Masterarbeit sorgte heuer für Aufsehen: Darin hieß es, dass mit einem sogenannten Kosyrew-Spiegel eine Bewusstseinveränderung erzielt werden könne, die den Kontakt mit Außerirdischen oder Verstorbenen ermöglichen soll. Die Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg hat inzwischen die Beendigung des Studienganges "Kulturwissenschaften - Komplementäre Medizin" nachdrücklich empfohlen.

Für diese illustre Runde hat sich nach Meinung der Jury auch die Österreichische Ärztekammer empfohlen, weil sie für "alternative Heilmethoden" wie Homöopathie, Applied Kinesiology, Anthroposophische Medizin und Chinesische Diagnostik trotz fehlenden Wirksamkeitsnachweises Ausbildungsdiplome anbietet.

Die Gala

Die Preisverleihung findet am 19. Oktober um 20 Uhr im Naturhistorischen Museum Wien statt. Wie im vergangenen Jahr führt Martin Thür als Master of Ceremony durch den Abend, das Unterhaltungsprogramm werden das Künstlerkollektiv Monochrom und "zwei Drittel der Science Busters" stellen. Der Eintritt ist frei. (red, derStandard.at, 16. 10. 2012)

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