Wichtige Punkte für das TV-Duell Obama - Romney

16. Oktober 2012, 13:47
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Offensiverer Obama und Libyen-Frage sind die potenziellen Entscheider in der zweiten Präsidentendebatte

Washington - Nach dem Sieg für den republikanischen Kandidaten Mitt Romney beim ersten TV-Duell gegen Präsident Barack Obama steht bei der zweiten Begegnung viel auf dem Spiel. Worauf es beim Duell in Hofstra University in Hempstead besonders ankommt. Das Duell findet um 9 Uhr Abend Ortszeit statt. In Mitteleuropa wird es dann 3 Uhr Früh sein.

Kommt Obama dieses Mal aus der Deckung?

Obamas passiver, fast mürrischer Auftritt vor zwei Wochen hat viele seiner Unterstützer frustriert. Obama selbst hat eingeräumt, er sei "zu höflich" gewesen. Dieses Mal muss er auf jeden Fall mehr Überzeugungsarbeit leisten. Obama könnte Romney als Lobbyist der Superreichen skizzieren, der sich nicht für die Belange der Mittelschicht interessiert. Sicher dürfte er dieses Mal Romneys Manager-Karriere beim Kapitalinvestor Bain Capital thematisieren sowie dessen respektlose Äußerungen über die "47 Prozent" der Amerikaner, die keine Einkommenssteuer zahlen.

Kann Romney seine Gewinne halten?

TV-Debatten beeinflussen normalerweise nicht das Ergebnis von Präsidentenwahlen. Doch dieses Jahr könnte es anders kommen. Romney gilt seit seinem Auftritt gegen Obama in vielen Wirtschaftsfragen als glaubwürdiger. Doch dieses Mal wird er nicht davon profitieren, dass die Erwartungen an ihn gering sind. Er muss nicht nur bei den Themen den Ton angeben, sondern auch seine potenziellen Wähler gefühlsmäßig gewinnen. Viele halten ihn immer noch für weniger liebenswürdig als Obama. Man kann davon ausgehen, dass es Romney bewusst menscheln lassen wird, um Sympathiepunkte einzusammeln.

Der Wähler - Das unbekannte Wesen

Die zweite Debatte findet wie üblich auf einem Podium mit Moderator statt. Dieses Mal müssen sich Amtsinhaber und Herausforderer im sogenannten "town hall"-Format den Fragen unentschlossener Wähler direkt stellen. Das kommt Politikern wie Bill Clinton zugute, dem es als Präsident scheinbar mühelos gelang, einen persönlichen Draht zu den Wählern herzustellen. Weder Obama noch Romney wird hier großes Talent nachgesagt. In Reuters/Ipsos-Umfragen wird Obama mehr Charisma zugesprochen. Ob sich der Esprit in diesem Format niederschlägt, bleibt unklar.

Die Libyen-Frage

Es wird erwartet, dass Obama in der Außenpolitik Vorteile genießt, denn als Amtsinhaber kann er auf Erfolge verweisen: Das Ende des Irak-Kriegs, die Tötung von Osama bin Laden und das nahende Ende des Afghanistan-Einsatzes. Doch die vergangenen Monat bei einem Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi getöteten Amerikaner geben Romney Angriffsfläche. Die Darstellung der Regierung zu dem Vorfall wurde in den vergangen Wochen geändert und wirft die Frage auf, ob Gefahren ignoriert wurden. Das Thema schaffte es in den Wahlkampf. Romney geriet allerdings auch in die Schusslinie, weil er den Vorfall politisch ausschlachtete. Obama dürfte darlegen, dass die Republikaner im Kongress die Ausgaben für die Sicherheit der Vertretungen gekürzt haben. Romney könnte entgegnen, die Regierung habe in anderen Bereichen Geld verschwendet, das besser für die Sicherheit verwendet worden wären.

Die Zukunft

In den USA sind 23 Millionen Bürger arbeitslos, geringfügig beschäftigt oder Rentner. Romney wie Obama sind bisher vage geblieben, wie Wirtschaft und Arbeitsmarkt wieder in Schwung kommen sollen. Seitdem Obama mit seinem Infrastruktur-Paket vor einem Jahr am Widerstand der Republikaner scheiterte, hat er wenig neue Vorschläge gemacht. Romney dagegen muss erklären, wie er die Steuern senken will, ohne das Defizit zu erhöhen. Die Ziele für die Schaffung neuer Jobs sind zudem auf beiden Seiten nicht besonders ehrgeizig. Romney geht davon aus, dass die Wirtschaft im Aufschwung quasi aus eigener Kraft zwölf Millionen Stellen schafft. Die Fragen aus dem Publikum könnten Obama und Romney nun zu klareren Aussagen zwingen als bisher. (APA, 16.10.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In wenigen Stunden werden Mitt Romney und Präsident Barack Obama auf diesen Stühlen Platz nehmen.

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