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Salzburg - Die Nazis haben nicht nur Bilder, sonder auch Bücher geraubt. Von 1938 bis 1945 plünderten Hitlers Schergen vor allem katholische Bibliotheken, nach 1945 gelangten unzählige Bücher von Juden in den Besitz öffentlicher Bibliotheken. Dies ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes der Bibliothek der Universität Salzburg (UBS). Fünf Historiker der UBS haben in den vergangenen drei Jahren 240.000 Bücher sondiert und untersucht, dann 77.000 Bücher im Detail nach Ex Libris-Stempel oder handschriftlichen Einträgen durchsucht und schließlich über 50 Bücher als geraubt identifiziert.
Nach der Nationalbibliothek in Wien ist die UBS die erste österreichische Bibliothek, die sich konsequent mit der Herkunft ihrer Bücher ab 1938 auseinandersetzt. Gestern, Montag, Abend haben Andreas Schmoller, Helga Embacher, Monika Eichinger, Ute Palmetshofer und Irmgard Lahner die Ergebnisse ihrer Provenienzforschung präsentiert - der Band "Buchraub in Salzburg" ist zugleich beim Verlag Müry Salzmann erschienen.
"Es geht um das Prinzip"
Nach der Buchpräsentation wurden einige der identifizierten Bücher direkt an die Klosterbibliothek der Abtei von Michaelbeuern restituiert, auch an die Abtei von St. Peter sowie ans Konradinum in Eugendorf werden geraubte Bücher zurückgegeben. "Das sind meistens keine besonders wertvollen Bände", sagte Ursula Schachl-Raber, Leiterin der UBS im APA-Gespräch. "Aber es geht um das Prinzip, die Gerechtigkeit und das Symbol."
Abgeschlossen ist dieses Bücher-Projekt keineswegs. Denn erstens liegen noch etwa 18.000 nicht auf ihre Herkunft untersuchte Bände im Haupthaus der Bibliothek in der Hofstallgasse. Und zweitens sind die Bücher aus den dazugehörigen Bibliotheken der Theologischen Fakultät, der Rechts-, Natur- und Gesellschaftswissenschaften sowie Geisteswissenschaften im Uni-Park noch überhaupt nicht unter die Lupe genommen worden. "Ich gehe davon aus, dass wir höchstens 30 Prozent der infrage kommenden Bücher überprüft haben", so Schachl-Raber. "Leider ist die Fortsetzung des Projektes nicht finanziert, bisher hat unser Forschungsprojekt etwa 270.000 Euro gekostet."
Nur ein Bruchteil identifizierbar
"Die Nazis haben es", so Historikerin Helga Embacher, "vor allem deswegen auf die katholischen Bibliotheken abgesehen, weil diese als Repräsentanten des verhassten Ständestaates galten." Und die Bücher der Juden seien in den Nazi-Jahren entweder gleich verbrannt oder von Antiquariaten zu Spottpreisen aufgekauft und daher erst nach 1945 in die öffentlichen Bibliotheken gelangt. Bibliotheks-Leiterin Schachl-Raber geht davon aus, dass nur ein kleiner Bruchteil der geraubten Bücher identifizierbar ist und zurück gegeben werden kann. "Viele Bücher wurden von ihren ursprünglichen Eigentümern nicht gekennzeichnet. Und oft sind die Wege derart verschlungen, dass die Recherchen unserer Forscher in entfernte Bibliotheken bis ins russische Smolensk reichen." (APA, 16.10.2012)
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