Neue Studie: File-Sharer kaufen 30 Prozent mehr Musik

16. Oktober 2012, 12:05
  • Laut der Studie haben 30- bis 49-Jährige durchschnittlich noch 50 CDs zuhause
    foto: apa

    Laut der Studie haben 30- bis 49-Jährige durchschnittlich noch 50 CDs zuhause

Eine neue Studie zeigt auf, dass File-Sharer mehr Musik kaufen als Nicht-File-Sharer

Immer wieder gibt es Studien darüber, dass gerade die, die immer wieder in die Kritik der Musikindustrie geraten, diese vor allem online am Leben erhalten. Nun hat sich erneut eine Studie der Columbia University in New York mit dem Konsumverhalten von File-Sharern in den USA und Deutschland auseinandergesetzt. 

Fast 80 Prozent haben Musik auf Rechnern

In einer vorherigen Datenerhebung kam die University of Columbia zu dem Schluss, dass es wenig überraschend zwischen den Generationen einen Unterschied im Verhalten gibt. Unter 30-Jährige scheinen mehr Akzeptanz gegenüber illegalen Downloads zu zeigen. Zu den Ergebnissen: In den USA haben etwa 50 Prozent aller Erwachsenen Musik-Files auf ihren Rechnern. Unter all jenen, die zwischen 18 und 29 Jahre alt sind, haben 79 Prozent Musik auf ihren Rechnern. Bei den über 64-Jährigen sind es lediglich 14 Prozent. 

Junge sind gute Konsumenten

Die zwei wichtigsten Altersgruppen, die 18- bis 29-Jährigen als auch die 30- bis 49-Jährigen, unterscheiden sich aber stark in der Menge der Files. Erstere haben durchschnittlich etwa 1867 Musik-Files auf den Festplatten. Davon sind 699 legal erworben, 345 ripped, 417 von Freunden und lediglich 406 illegal runtergeladen. 

Wenige Heavy User

Die 30- bis 49-Jährigen haben deutlich weniger Musik, nämlich nur 1398 Dateien im Durchschnitt, von welchen gar 683 legal erworben wurden. Nur 130 wurden illegal runtergeladen. Die Studie impliziert also auch, dass in der Altersgruppe der ab 30-Jährigen um einiges weniger Musik konsumiert wird als bei den jüngeren. Und dort wird der Durchschnitt durch Heavy User angehoben: Fünf Prozent haben immerhin über 10.000 Musikstücke auf den Computern.

Deutschland lädt mehr illegal runter

Die Daten für Deutschland sind sehr ähnlich, wenn auch nicht komplett gleich. Ein großer Unterschied ist allerdings, dass in der Gruppe der ab 30-Jährigen noch um einiges mehr legal gekauft wird als bei den jüngeren. Vergleicht man P2P-User, die Filesharing betreiben, mit jenen, die es nicht tun, sieht man auch, dass  erstere mehr Files besitzen, nämlich ganze 37 Prozent. In Deutschland ist das noch signifikanter als in den USA. In den Vereinigten Staaten haben P2P-User ca. 437 illegale Files, in Deutschland sind es 2050. Die Daten aus Deutschland seien aber nicht sehr aussagekräftig, weil die Stichprobe relativ klein war. Diese kaufen aber auch drei Mal so viel Musik wie ihre Freunde, die nichts illegal runterladen. 

Streaming im Trend

Was aber wieder überraschend ist und Studien anderer Institute bestätigt: P2P-User kaufen um einiges mehr, als die, die solche Netzwerke nicht nutzen, nämlich 30 Prozent. Wie die Columbia University schreibt, kann man sagen, dass die größten Musik-Piraten auch die größten Kunden der Musikindustrie sind. 11 Prozent der unter 30-Jährigen konsumieren in den USA bereits bezahlte Streaming-Services, von insgesamt 29 Prozent der Streaming-Consumer. (red, derStandard.at, 16.10.2012)

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17 Postings

Yay 5 %!!!

Wenn Künstler mal versuchen, über ihre Website einen Direktvertrieb zu machen

... dann kommt die GEMA oder Austro-Mechana und kassiert saftig für den Eigenvertrieb ab, ebenso wie für Live-Konzerte. Ja, 30% (wenn es hoch geht) werden dann rückverrechnet, nach Abzug aller Verwaltungsgebühren bleibt ein warmer Händedruck übrig - oder gleich der Anwalt, wenn mal vergessen wurde, Eigenverkäufe zu melden.

Interessiert sicher die, die das hier lesen und noch nicht kennen: http://bandcamp.com/

Tjaja.

Nebeneffekt solcher Studien, Zitat: "Unter all jenen, die zwischen 18 und 29 Jahre alt sind, haben 79 Prozent Musik auf ihren Rechnern." Widerlegt doch die notorischen "Aber ich habe nur eigene Daten auf meiner Festplatte, also wofür soll ich zahlen"-Festplattenpauschalabgabe-Gegner, nicht? Und, nein, diese Kohle kommt nicht zuvorderst den Major-Musikkonzernen zugute.

Äh, Nein.
Einerseits bleiben 21% die keine Musik auf ihrer Festplatte haben.
Andererseits bedeutet Musik auf der Festplatte noch lange nicht, dass es sich dabei um Privatkopien und nicht zum Beispiel bezahlte Downloads handelt.

Wenn man eine Datei von z.B. amazon vom Standard- in ein eigenes Verzeichnis kopiert, dann ist das wohl auch schon die Herstellung einer Privatkopie ;-)

Oh, doch. Denn genau für das kollektive Recht für Privatpersonen, neben Originalen AUCH Kopien auf Festplatten und sonstigen Leermedien zu speichern - etwas, das der Gesetzgeber en detail weder prüfen will noch kann -, gibt es eine kollektive Entschädigung der Urheber. Im Wesen einer Kollektivabgabe liegt es nun mal, dass sie Unschärfen im Individualfall besitzt - aber grosso modo erfüllt sie ihren Sinn und Zweck.

Achtung ... ein Autovergleich ;-)

"Im Wesen einer Kollektivabgabe liegt es nun mal, dass sie Unschärfen im Individualfall besitzt - aber grosso modo erfüllt sie ihren Sinn und Zweck."

OK, dann wird es Ihnen sicher nichts ausmachen, beim Autokauf gleich mal zusätzlich 10 % des Verkaufspreises an die Polizei zu überweisen, für alle von Ihnen künftig mit diesem Auto verursachten Geschwindigkeitsüberschreitungen, bei denen leider kein Radar anwesend war. Diese Abgabe hat auch "Unschärfen im Individualfall - aber grosso modo erfüllt sie ihren Sinn und Zweck." .....

So ähnlich gibt es das aber tatsächlich - alle müssen zwangsweise eine Versicherung abschließen.

Verwertungsgesellschaften sollten mal die Augen etwas weiter aufmachen

Es liegt ja eigentlich auf der Hand warum junge User mehr saugen. Sie haben weniger Geld und wollen sich weniger leisten. Außerdem ist der Zugang bei weitem leichter da in Schulen, Universitäten und Heimen ohnehin geladen und getauscht wird was das Zeug hält. Gesagt werden muss auch, dass Junge Menschen die den regelmäßigen Konsum von Filmen, Musik etc. gewohnt sind, dies auch später, wenn mehr Geld zur Verfügung steht, (in möglichst guter Qualtität) fortsetzen wollen. Bei mir war es zumindest so.

so ist es.

Yess. Übers Netz informier ich mich und daheim stell ich mir dann auch gern de CD ins Regal. Obwohls einem die Plattenfirmen wirklich nicht leicht machen. Der einzige Wermutstropfen… denen auch noch Geld zukommen zu lassen… alles in mir sträubt sich dagegen.

Am liebstten würd ich den KünstlerInnen mein Geld direkt zukommen lassen. Der Vertrieb rechtfertig keinesfalls derartig hohe Spannen der Major Labels.

Abendrot

Naja, eine Produktion ist noch immer nicht gratis. Das Marketing allein ist ein riesen Budgetposten... und auch eine Plattform wie iTunes & Co müssen Sie mal entwickeln, aufbauen und beweben. Also sind runde EUR 10,- für ein gutes Album, bei dem der Künstler vielleicht EUR 3.- sieht, nicht völlig abwegig. Und glauben Sie mir: Die meisten Künstler haben lieber 30% von einem wirklich erfolgreichen Album, als 90% von Nichts.

Marketing. Eben genau für das will ich nicht zahlen. Musik ist kein Waschmittel, das man den Leuten andrehen kann, weil die Verpackung schön bunt ist und es vielleicht auch ganz ok wäscht. Musik ist eben Geschmackssache, die will ich finden, im Radio, im Internet, im Plattenladen und natürlich von Freunden.

Das ist ja eben gerade das Tolle an den neuen Technologien: Man braucht nicht mehr für alles Horden an Profis, sondern eigentlich nur mehr ein Tonstudio, und selbst das kann man sich -wenn man dann erfolgreicher ist - für ein paar Tausender in den Keller bauen. Nie war es einfacher, mit einem kleinen Label erfolgreich zu sein - das Internet kennt ja keinen Unterschied.

haha 30%, dass ich nicht lache.
ich hatte mal die einen vorvertrag in den Händen. 3% war das angebot eines majors an meine kleine band.

3 Prozent? Das muß allerdings wirklich eine mikroskopisch kleine Band sein.

klingt sehr realistisch. wennst nicht gerade Paul McCartney oder Michael Jackson bist ist das in etwa die Quote. Hab ich schon öfter mitbekommen.

Auch wenn die Major Labels deutlich mehr machen als nur den Vertrieb gebe ich Ihnen Recht, die Spanne ist zu hoch.

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