Bronzezeitliches Brennnessel-Tuch stammt aus Österreich

16. Oktober 2012, 12:03

Keine lokale Produktion: Hinweis auf einstigen Handel mit Luxusgütern

Wien/Kopenhagen/Graz - Vor rund 2.800 Jahren wurden die sterblichen Überreste eines offensichtlich wohlhabenden Mannes in ein Tuch eingeschlagen und in einer Bronze-Urne aufbewahrt. Gefunden wurde die Urne 1861 in Lusehøj, einer der reichstausgestatteten Bronzezeitgrabstätten Dänemarks in Voldtofte. Bisher ging man davon aus, dass das Textil aus lokaler Produktion stammte. Wissenschafter haben nun herausgefunden, dass der Stoff aus Brennnesselfasern gewebt wurde, die aus dem Gebiet des heutigen Österreich stammen. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der Fachzeitschrift "Nature Scientific Reports" veröffentlicht.

Zunächst wurde angenommen, dass das Stück aus Flachs gewebt worden war, da die Verarbeitung von Pflanzenfasern in der Bronzezeit bisher nur in Verbindung mit lokal kultivierten Pflanzen bekannt war. Neue Untersuchungen von Wissenschaftern der Universitäten Bergen und Kopenhagen zeigten allerdings, dass der Stoff aus Brennnessel-Fasern gefertigt wurde. Das in den Pflanzenfasern gemessene Verhältnis der Strontiumisotope weist auf ein Wachstum der Brennnesseln in der Region Steiermark-Kärnten hin.

Neues Licht auf bronzezeitlichen Handel

Pflanzen nehmen im Laufe ihres Lebens kontinuierlich das in der Erdkruste eingelagerte Element Strontium auf, das in verschiedenen Isotopen vorkommt. Je nach Boden- bzw. Gesteinsuntergrund lagern Pflanzen somit eine unterschiedliche Menge an verschiedenen Strontium-Isotopen ein. Durch die Messung dieser Werte konnte somit auf das österreichische Herkunftsgebiet der Brennnesseln geschlossen werden. Auch die Merkmale der Urne, in der die Kleidungsreste gefunden wurden, bestätigen die "österreichische" Herkunft.

Aufgrund der beeindruckenden Grabbeigaben und der gefundenen "Export-Artikel" wird angenommen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen skandinavischen Handelsreisenden gehandelt hat. Die neuen Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf den bronzezeitlichen Handel. "Während der Bronzezeit wurden offensichtlich auch Textilien in viel größerem Rahmen gehandelt als bisher angenommen wurde. Obwohl ähnliche Rohstoffe lokal zur Verfügung standen, wurden Textilien bzw. Textilfasern importiert - möglicherweise, weil sie als Luxusartikel galten", schreiben die Wissenschafter. Bei wertvollen Metall- bzw. Bronzeobjekten waren solche Handelsströme bereits bekannt. (APA/red, derStandard.at, 16. 10. 2012)

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24 Postings
Geh bitte...

das Thema war schin orf.at vor 1,5 Monaten online. Nix Neues zu berichten,... auf zdfMediathek gibt es vielen Hinweise auf archiologisch Neues.

immer wieder...neues Licht auf den bronzezeitlichen Handel...

Natürlich hat man immer schon angenommen, dass auch mit wertvollen Textilien Handel getrieben wurde und warum denn nicht?
Nur finden tut man sie äußerst selten, weil Stoffe einfach recht schnell verrotten - es ist ein ausgesprochener Glücksfall, wenn ein Stückerl Tuch erhalten bleibt.

Brennnessel

die drei "n" sind schmerzhafter als der Griff in eine solche :)

Verarbeiten von Brennesseln...oh Mann, muß das gebissen und gejuckt haben!

Die Gewerkschaft der Textilarbeiter war scheinbar schon damals ziemlich schwach auf der Brust...

Nein, wie weiter unten bereits die ländliche Genreszene gepostet hat: Nesseln ergeben ein besonders feines, zartes Gewebe und sind gerade wieder im Zuge der Wiederentdeckung.

Jo eh - aber vorher musste das Zeugs ja geerntet werden!

Das hab ich gemeint.
Na, vielleicht kommt ja noch der archäologische Nachweis von Arbeitshandschuhen.

Deswegen mein nachträgliches Mitgefühl an die Mitarbeiter.

http://www.umweb.de/magazin/b... essel.html

grad was neues gelernt: es gibt neben wild-brennesseln auch kulturbrennesseln, ich werd's nächsten Sommer ausprobieren - mit den wilden, trotz der angeblichen nur 3%fasern.

Wenn ich die drei oberen Blattpaare eh für die Suppen und die Knödel nehm, kann ich den rest ja auch gleich mit ausreissen...

Der Vorläufer des Steira-Janka?

spannend! sehr spannend!
endlich wieder mal ein artikel, den man mit vergnügen liest! nicht nur von den eigentlichen fakten her, auch die zusammenhänge sind gut erklärt.
und überhaupt: spannend!

Das kommt davon, wenn Kleidung von der Stange gekauft und nicht maßgeschneidert wird. Dann spannts eben.

Du hast noch ein "spannend" anzubringen vergessen.

bitteschön: spannend! :-)

der Mantel muss gejuckt haben

mit oder ohne Strontium.

Der Stoff wird aus den Stängeln gemacht, nicht aus den Blättern.

:-)

.. nein, hat er nicht .. nessel konnte nach der bearbeitung sehr fein verarbeitet werden .. schade, dass sich das aufgehört hat

vielleicht

na vielleicht ist das nur Oetzis Klopapier? Gepfladert von einem nordischen Chipesen.... Oetzi als das erste Opfer von Migrantenkriminalitaet..... a Wohnsinn

nomen est omen...

Das kann ich nur bestätigen!

Bei mir in der Obersteiermark wachsen viele Brennnesseln im Garten! Aber Strontium ist mir dort noch nicht so aufgefallen.

Wenn der Schnee wieder weg ist, werde ich mal nachsehen gehen!

;-)

"Aber Strontium ist mir dort noch nicht so aufgefallen. ..."

Na, zum Glück, denn sonst hätten Sie schon Ihre Haare verloren ...

wenn's erm auch noch mit ..

.. handelsüblichem dünger düngen, könnens erm auch noch mit uran anreichern

Ein typischer, österreichischer Garten: völlig überdüngt! Und das in mind. 1000m Seehöhe! Tststs.

muss nicht sein - mein Garten hat seit 45 Jahren keinen Dünger gesehen und trotzdem halten sich am ein paar Stellen die Brennnesseln.

und nochwas: schon einmal im Wald Himbeeren gepflückt ?

Naja, so ernst war das ja auch nicht gemeint.
Brennesseln sind eine verläßliche Zeigerpflanze für ein hohes Maß an verfügbarem Stickstoff im Boden, also gemeinhin bei Überdüngung. Am Sportplatz wächst sie dort, wo alle hinpinkeln, im Garten dort, wo der Kompostplatz war, aber natürlich kann auch landwirtschaftlicher Dünger über Grundwasserströme eingetragen werden.
Nur, was hat das alles mit Himbeeren zu tun?

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