Sprit und Wohnen heizen Inflation kräftig an

16. Oktober 2012, 10:08
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Der "Miniwarenkorb", der auch Treibstoffe enthält - verteuerte sich im September im Jahresabstand erneut etwas stärker

Wien  - Starke Verteuerungen bei Treibstoffen und Wohnungskosten haben die Inflationsrate in Österreich im September scharf auf 2,7 Prozent klettern lassen, den höchsten Stand seit Jänner. Im Vormonat August hatte die Jahres-Teuerung noch 2,2 Prozent ausgemacht, im Juli 2,1 Prozent. Ähnlich stark wie jetzt legte der VPI zum letzten Mal im Jänner mit 2,8 und im Februar mit 2,6 Prozent zu.

Wichtigster Preistreiber im September war im Jahresabstand der Bereich Wohnung, Wasser und Energie mit +3,0 Prozent, gefolgt von den Ausgaben für Sprit mit +9,3 Prozent und Nahrungsmitteln mit +3,3 Prozent, wie die Statistik Austria erklärte. Dabei verteuerte sich Haushaltsenergie um 3,8 Prozent, die Wohnungsmieten um 3,6 Prozent.

Der für Pensionistenhaushalte ermittelte Preisindex legte im Jahresabstand ebenfalls kräftig um 2,7 Prozent zu, nach 2,4 Prozent im August. Der für die Eurozone errechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreichs lag im September 2012 sogar um 2,8 (2,3) Prozent über Vorjahr. Im Monatsabstand erhöhte sich der nationale VPI um 0,9 Prozent, der Pensionisten-Preisindex um 0,8 Prozent und der heimische HVPI um 1,1 Prozent.

Bekleidung Hauptpreistreiber gegenüber Vormonat

Der typische Wochen-Einkauf - der "Miniwarenkorb", der auch Treibstoffe enthält - verteuerte sich in Österreich im September im Jahresabstand erneut etwas stärker, nämlich um 4,3 Prozent, nach +4,1 Prozent im August. Der "Mikrowarenkorb", der den täglichen Einkauf widerspiegelt und vor allem Nahrungsmittel enthält, kostete im September wie bereits im August um 3,1 Prozent mehr als ein Jahr davor, wie die Statistik Austria weiter mitteilte.

Dass auch im September wieder die Ausgabengruppe "Wohnung, Wasser und Energie" mit durchschnittlich +3,0 Prozent die höchste Preisdynamik im Jahresvergleich aufwies - und damit allein den VPI um 0,55 Prozentpunkte nach oben zog -, war primär den Verteuerungen für Haushaltsenergie (um 3,8 Prozent) sowie höheren Wohnungsmieten (+3,6 Prozent) zuzuschreiben. Heizöl verteuerte sich um 11,6 Prozent, Strom um 1,8 und Gas um 3,2 Prozent. Die Instandhaltung von Wohnungen kam um 2,0 Prozent teurer.

Im Bereich "Verkehr" (+3,3 Prozent; Einfluss auf den VPI: +0,49 Prozentpunkte) war der um 9,3 Prozent teurere Sprit hauptverantwortlich; dabei zogen die Preise für Diesel um 8,7 Prozent an, jene für Superbenzin um 10,0 Prozent; Wartung und Reparaturen von Pkw verteuerten sich um 3,4 Prozent.

Bei "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" (+3,4 Prozent; VPI-Einfluss +0,41 Prozentpunkte) verteuerten sich Nahrungsmittel allein um 3,3 Prozent und alkoholfreie Getränke um 4,7 Prozent. Gemüse kostete um 10,2 Prozent mehr als im September des Vorjahres, Fleisch und Fleischwaren um 6,3 Prozent mehr, Brot und Getreideerzeugnisse um 3,3 Prozent mehr. Molkereiprodukte und Eier kamen um 0,9 Prozent teurer, dafür verbilligte sich Obst um 4,5 Prozent. Kaffee wurde um 7,6 Prozent kostspieliger.

Für die 2,8-prozentigen Preisanstiege bei "Verschiedene Waren und Dienstleistungen" waren vor allem Verteuerungen bei Versicherungsdienstleistungen (+2,6 Prozent) und Körperpflege (+2,0 Prozent) verantwortlich. In der Ausgabengruppe "Bekleidung und Schuhe" stiegen die Preise für Bekleidung im Jahresabstand um 2,8 Prozent und jene für Schuhe um 5,4 Prozent.

Im Monatsabstand - von August auf September - war "Bekleidung und Schuhe" der Hauptpreistreiber mit satten 17,4 Prozent Teuerung. Grund dafür war laut Statistik Austria der mittlerweile fast völlige Wechsel auf die Herbst/Winter-Kollektion. Zudem war, anders als im August, kaum noch Schlussverkaufsware im Angebot. Insgesamt wurden Bekleidungsartikel durch diese Effekte binnen Monatsfrist um 21,0 Prozent teurer, Schuhe um 11,7 Prozent.

Restaurants und Hotels als Preisdämpfer

Hauptpreisdämpfer im Monatsabstand waren "Restaurants und Hotels" mit durchschnittlich 1,5 Prozent Preisrückgang. Dazu trugen vor allem billigere Beherbergungsdienstleistungen (-10,3 Prozent) bei, die das Ende der Urlaubssaison widerspiegelten; Flugpauschalreisen kamen um 12,8 Prozent billiger, Flugtickets um 4,7 Prozent; dafür kosteten Städteflüge um 10,6 Prozent mehr als im Monat davor.

Superbenzin war im September im Schnitt um 3,0 Prozent teurer als im August, Diesel kostete im Monatsabstand um 1,9 Prozent mehr. Auffallend: Besonders stark verbilligten sich Gipskartonplatten, zum Vorjahr um 16,2 Prozent und gegenüber dem Vormonat um 2,8 Prozent.

Teuerung in EU stabil

Die Inflationsrate in der EU ist im September im Jahresabstand gegenüber dem August mit 2,7 Prozent gleich geblieben. Die Eurozone wies laut jüngsten Daten von Eurostat 2,6 Prozent aus, gleich viel wie im August.

Die niedrigsten jährlichen Raten (September 2012 zu September 2011) wurden in Griechenland (0,3 Prozent), Schweden (1,0 Prozent) und Lettland (1,9 Prozent) gemessen. Die höchste Inflation verzeichnete Ungarn mit 6,4 Prozent vor Rumänien (5,4 Prozent) und Estland (4,1 Prozent). Im Vergleich zu August 2012 stieg die jährliche Inflationsrate in elf EU-Staaten an, blieb in fünf unverändert und ging in zehn Ländern zurück. Keine Daten gab es aus Großbritannien.

Die Preistreiber im September 2012 waren Verkehr (4,8 Prozent), Wohnung (4,1 Prozent) sowie Alkohol und Tabak (4,0 Prozent). Die Hauptkomponenten mit den niedrigsten jährlichen Raten waren Nachrichtenübermittlung (-3,3 Prozent), Erziehung und Unterricht (0,5 Prozent), Hausrat sowie Freizeit und Kultur (je 1,1 Prozent). Bei den Teilindizes hatten Kraftstoffe für Verkehrsmittel (+0,41 Prozentpunkte), Elektrizität (+0,10) sowie Gas und Flüssige Brennstoffe (je +0,09) die stärkste Steigerungswirkung auf die Gesamtinflation, während Telekommunikation (-0,19) sowie Mieten und Kraftwagen (je -0,07) am stärksten senkend wirkten. (APA, 16.10.2012)

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    Wer es warm haben will, muss heuer tief in die Tasche greifen.

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