Karadzic: "Ich sollte ausgezeichnet statt angeklagt werden"

16. Oktober 2012, 11:31
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Auch Prozess gegen den ehemaligen politischen Führer der bosnischen Serben hat vor UNO-Tribunal begonnen

Belgrad/Den Haag - Der wegen Genozids angeklagte ehemalige Präsident der bosnischen Serbischen Republik, Radovan Karadzic, hat am Dienstag vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien Anschuldigungen gegen ihn zurückgewiesen. "Anstatt für die Verbrechen in unserem Bürgerkrieg angeklagt zu werden, müsste ich ausgezeichnet werden, weil ich alles, was in der menschlichen Macht liegt, unternommen habe, um den Bürgerkrieg zu verhindern und das Leiden der Menschen zu verringen."

Karadzic, der sich wegen Völkermordes in Srebrenica und einigen anderen bosnischen Gemeinden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges (1992-1995) zu verteidigen hat, hat am Dienstag mit der Präsentation seiner Verteidigung vor dem Haager Gericht begonnen.

Ständig nach Frieden gesucht

Er habe wiederholt Waffenstillstands-Abkommen unterzeichnet und durchgeführt und die Truppen unter seiner Kontrolle gehalten und ständig nach Frieden gesucht, erläuterte der Haager Angeklagte. Als erster Zeuge der Verteidigung soll vor dem Gericht der ehemalige russische UNPROFOR-Angehörige Andrej Demurenko aussagen. Karadzic will ihn den Ankündigungen nach zum Massaker auf einem Gemüsemarkt von Sarajevo im August 1995 befragen, als durch eine Granate 43 Personen getötet und weitere 75 verletzt wurden. Demurenko hatte in einem anderen Verfahren vor dem Haager Gericht den Angriff als wahrscheinlichen "Terrorakt" der bosniakischen Armee bezeichnet.

Prozess gegen Hadzic begonnen

Vor dem UNO-Tribunal hat am Dienstag auch der Prozess gegen den im Vorjahr in Serbien festgenommenen ehemaligen Präsidenten der auf dem Gebiet Kroatiens selbst proklamierten Republik Serbische Krajine (RSK), Goran Hadzic, begonnen.

Ankläger Douglas Stringer beschrieb zu Beginn seiner einleitenden Worte die Verprügelung und Mord an Franjo Pap, dessen Sohn Mihajlo und weiteren neun Personen - Kroaten und Ungarn - am 9. November 1991 in einem serbischen Ausbildungszentrum im ostslawonischen Erdut, wo sich der Sitz der serbischen Milizen von Zeljko Raznatovic "Arkan" befand. Er schilderte auch den Tod von 50 nichtserbischen Gefangenen in einem Minenfeld unweit der naheliegenden Kleinstadt Ilok. "Dies sind die ersten Verbrechen, welche den Tod eines kulturell reichen und vielfältigen Landes begleiteten, das sich Jugoslawien nannte", sagte Stringer. Hadzic stand zu jenem Zeitpunkt an der Spitze der selbstproklamierten Autonomieregion Slawonien, Baranja und Westsrem, um später zum Chef aller von Serben bewohnten Gebiete in Kroatien zu werden.

Der Ankläger sagte, Hadzic habe nicht nur zu Verbrechen an Nichtserben beigetragen, sondern sei auch selbst daran direkt beteiligt gewesen.

Hadzic hat sich in 14 Anklagepunkten für die Vertreibung Tausender und Mordes an Hunderten Nichtserben, vorwiegend Kroaten, zu verteidigen, die zwischen Juni 1991 und Ende 1993 auf dem Gebiet unter seiner Kontrolle stattfanden. Die Anklage belastet ihn, Teilnehmer eines gemeinsamen verbrecherischen Vorhabens der Serben gewesen zu sein. (APA, 16.10.2012)

  • Radovan Karadzic beginnt mit der Beweisaufnahme.
    foto: epa/valerie kuypers / pool

    Radovan Karadzic beginnt mit der Beweisaufnahme.

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