Athen erwartet baldige neuerliche Hilfstranche

16. Oktober 2012, 08:13
  • Die Krise wirft immer längere Schatten.
    foto: www.pixelio.de, dieter schütz

    Die Krise wirft immer längere Schatten.

Laut griechischem Ministerpräsidenten braucht das Land Liquidität "wie eine Wüste den Regen" - und mehr Zeit

Athen/Frankfurt am Main - Das krisengeschüttelte Griechenland hofft auf die baldige Auszahlung der nächsten Hilfstranche. "Die Wirtschaft benötigt Liquidität wie eine Wüste den Regen", sagte Ministerpräsident Antonis Samaras. Das angeschlagene Euro-Mitgliedsland werde das Geld sicherlich bald erhalten und die Gespräche über Sparmaßnahmen abschließen. Griechenland könne sich ohne die finanziellen Hilfen nicht erholen. Finanzminister Yannis Stournaras sagte indes, dass die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern nicht wie von Samaras angekündigt bis zum EU-Gipfel am Donnerstag beendet seien dürften.

Die Gespräche mit der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission dauern bereits länger als erwartet. Griechenland wird seit Anfang 2010 mit Milliarden des IWF und seiner Euro-Partner gestützt, steckt aber in einer tiefen Rezession fest. Zurzeit prüfen Inspektoren des IWF, der EZB und der EU, ob eine weitere Tranche von 31,5 Milliarden Euro aus dem 130 Milliarden Euro schweren zweiten Hellas-Hilfspaket ausgezahlt werden kann.

Krise als Chance

Der ehemalige griechische Außenminister (2010 bis 2011) und jetzige Europaparlamentarier Dimitrios Droutsas (PASOK) hat unterdessen in Wien die Notwendigkeit von Strukturreformen in seinem Land betont. "Die Krise ist eine große Chance für den Neuaufbau Griechenlands", so Droutsas bei einer vom Renner-Institut veranstalteten Podiumsdiskussion. Gleichzeitig forderte er ein Ende der Spekulationen über einen Euro-Austritt Griechenlands.

Mittlerweile seien die Stimmen gegen einen Euro-Austritt Griechenlands zwar weitgehend verstummt, da alle wichtigen Entscheidungsträger erkannt hätten, dass ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion einen Domino-Effekt hätte. Doch viel zu lange sei die griechische Krise in Europa innenpolitisch missbraucht worden. Dadurch sei großer Schaden angerichtet worden. Auch die deutsche Bundeskanzlerin "Merkel hat diese Sprüche mit ihrer eigenen Rhetorik unterstützt", meinte Droutsas.

Unterschied zwischen Politik und Bevölkerung

Korruption und Steuerhinterziehung existierten leider in Griechenland, ebenso wie es einen "brain drain" junger Menschen und den Unwillen gewisser Menschen ihren Beitrag zu leisten gebe, erklärte Droutsas. Dennoch müsse man zwischen der Bevölkerung und dem politischen System unterscheiden, das sich "mit Händen und Füßen" gegen Änderung sträube, da dadurch Privilegien und Einkommensquellen wegfielen.

Die griechische Gesellschaft habe in den vergangen 35 Jahren eine politische Mentalität erlebt, in der Klientelismus und mangelnde Strafverfolgung bei Vergehen vorherrschten. Die Politik habe die Gesellschaft in die falsche Richtung geführt und sei durch ihre enge Verflechtung mit Wirtschaft und Medien hauptverantwortlich für die Krise. Sparmaßnahmen seien absolut notwendig, doch wurde "zuviel in zu kurzer Zeit" verlangt. Mit dieser Art und Weise der Krisenbewältigung werde Griechenland die Chance einer tiefgreifenden Strukturreform genommen, so Droutsas.

Auf die bedeutende Rolle Griechenlands als Stabilitätsfaktor in der Region verwies die ehemalige österreichische Botschafterin in der Türkei und nunmehrige Abteilungsleiterin im Außenministerium Heidemaria Gürer. Ein Euro-Austritt Griechenlands würde wirtschaftliche Schockwellen auf dem gesamten Westbalkan auslösen. Durch die Krise sei der EU-Enthusiasmus ebendort massiv zurückgegangen. Ein positives Beispiel sei die Entwicklung der Beziehung Griechenlands zur Türkei. Die Probleme mit Nordzypern, Mazedonien und dem Kosovo traue sich aber keine griechische Regierung anzugehen.

Mittelschicht zerbröselt

Der Journalist, TV-Moderator und Künstler Lakis Iordanopoulos verwies auf die zunehmende Stärke der neonazistischen Partei Goldene Morgenröte, die in jüngsten Umfragen schon bei zehn Prozent liege. Griechenland sei durch die Maßnahmen Europas in die Enge getrieben worden. Merkel habe etwa verlangt, dass die Hilfsprogramme wehtun müssten. Die Folge sei allerdings, dass die Mittelschicht "total zerbröselt wurde" und dadurch der Aufstieg der Rechtsextremen ermöglicht wurde.

Georg Georgakopoulos, Direktor des Contemporary Art Meeting Point in Athen, verwies darauf, dass bei Ausbruch der Krise im Kunstbereich zuerst gekürzt worden war. Während früher "das gesamte Wirtschaftsleben staatlich umarmt" gewesen sei, habe der jetzige Wegfall der Subventionen einen explosionsartigen Anstieg von privaten Initiativen bewirkt. Dennoch sei die Gesellschaft stark unter Druck und durch die ständigen Demonstrationen das Wirtschaftsleben stark beeinträchtigt.

Anleihezinsen fallen

Die griechischen Anleihezinsen sind zwar weiterhin die höchsten in der Eurozone, doch fielen die Renditen auf 10-Jahres-Papiere am Dienstag mit 17,485 Prozent auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Am 13. Juni hatten sie noch 30,731 Prozent betragen, der bisherige Tiefstand des Jahres 2012 wurde am 19. März mit 18,08 Prozent erreicht.

In den anderen Ländern der Eurozone gab es relativ wenig Bewegung. Die Entwicklung am Sekundärmarkt war von einem leichten Auf und Ab der Zinsen gekennzeichnet. Österreichs Rendite wurde mit 1,951 Prozent neuerlich billiger. Spanische und italienische Zinsen gingen etwas nach oben. (APA/Reuters, 16.10.2012)

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15 Postings
"Wie eine Wüste der Regen"

Diese Metapher finde ist passend. Und dies noch von einem hochgeschätzten Klientenpolitiker aus Grexit!

Und diese Wüste ist gross, weit, unendlich!

Da können sich schon mal die zinsverliebten Banken und Eurolobbyisten die Hände reiben.

Denn diese Wüste schluckt und verdampft so viel Eurozaster, dass die vielgepriessene Solidarität der europäischen Völker bald in bürgerkriegsähnliche Zustände versetzen wird.

Ihr glaubt doch im ernst nicht, dass die Italiener, Spanier und in bälde die Franzosen noch fähig sein werden, selber Geld in dieses Griechfass zu stopfen!!!

Da fragt man sich schon, von welchen geistigen Nullen wir in Europa so gequält und eingelullt werden!?

Jagt doch diese Banken und Eurobande endlich in die Wüste!

und das die nächsten 10 jahre alle 6 monate.

conclusio?

nur mal auf den lippen zergehen lassen.
ein paar bittere pillen sind okay, aber eine kur über eine generation - mit denen, das sind keine ostdeutschen und wir keine westdeutschen. und andere stehen auch noch an.

alles andere ist blödes geschwätz, insolvenzverschleppung, blabla und tachinose oder vorsätzlicher betrugsversuch am jeweiligen gegenüber und an den zahlern sowieso.

Machen wir doch gleich einen Dauerauftrag...

den wird es nämlich brauchen, solange nirgends die Finanzelite, die reichsten 10% der Länder zur Kasse gebeten wird.
Herr Faymann zahlt ja eh so gerne die Schulden der anderen. Er und alle, die diesen Wahnsinn unterstützt haben sollten das aus ihrer eigenen Tasche bezahlen müssen.
Ist das "Volksvermögen" zu verpfänden auf Generationen nicht ein strafbarer Akt? Sind Rechtsgelehrte hier im Forum?

"das großkapital erwartet baldige, neuerliche zinsgeschenke"

wär die passendere überschrift

Persönlich glaube ich

dass der Euro zwar der griechischen wirtschaftlichen und politischen Nomenklatura sehr nützlich ist (weshalb sie auch alles daran setzen dass das Land im Euro bleibt), aber das Land selbst, die breite Masse der Bevölkerung, durch den Euro auf unabsehbare Zeit ausgeblutet wird.

"Die Krise ist eine große Chance für den Neuaufbau Griechenlands"

Statt grosser Worte will der Rest Europas endlich Taten sehen.

Keine Katastrophe geschähe, träte Griechenland aus der Eurozone aus.

Im Gegenteil: Griechenland könnte durch Rückkehr zur Drachme sich dem Währungsdiktat entziehen und mit dem Wiederaufbau beginnen.

Griechenland stünde ökonomisch mit eigener Währung besser da.
Diese Vorteile sähen andere Euro Staaten und kehrten ebenfalls der Gemeinschaftswährung den Rücken.
Der Euro würde sich damit sang und klanglos selbst auflösen.

Wirtschaftlich vollkommen unterschiedliche Staaten mit unterschiedlich, gewachsener Kultur zu einer gemeinschaftlichen Währung zu zwingen, ist nur mit einer Fiskalunion machbar, löst aber nicht die Probleme, da hier permanenter Geldtransfer notwendig wäre.

Der Euro war, ist und bleibt eine Fehlgeburt.

Daran ändert auch der schwedische Blechpokal nichts.

"Ein Euro-Austritt Griechenlands würde wirtschaftliche Schockwellen auf dem gesamten Westbalkan auslösen."

Puh, da hab´ich aber Angst. Wie weit reicht denn nun der Balkan? Bis zum Rennweg oder schon weiter? Und welche Region soll nun der Westbalkan sein? Albanien und EX-YU? Ich dachte am Balkan würde man eher in Nord-Süd-Richtung differenzieren. Je weiter südlich desto...

Der Balkan reicht sicher bis

zu den österreichischen (und nicht nur) Banken.

...der balkan reicht schon weiter.

(zumindest bis zur maximal grindigen s-bahn station wien-mitte)

Je weiter südlich desto ...

trockener die Wüste.

und ich "erwarte" dass der staatl. "neuaufbau" auf allen ebenen beschlossen und UMGESETZT wird. wie vereinbart. punkt. - DANN kommt der "regen in die wüste"!

hat das GR parlament...

die in rede stehenden einsparungen bereits beschlossen ?

nein. das läuft mittlerweile umgekehrt : zuerst rüber mit der marie, dann erst wird irgendwas versprochen und vielleicht beschlossen, nicht wird eingehalten und 4 monate später geht der zirkus von vorne wieder los.

die private gläubigerlobby ( banken,, fonds, etc ) halten die dominotheorie am köcheln, die politik opfert weiter steuergelder auf dem götzenaltar - funktioniert mit dumpfen politikermarionetten jahrelang perfekt !

"Mittlerweile seien die Stimmen gegen(sic!) einen Euro-Austritt Griechenlands zwar weitgehend verstummt, ..."

Hört, hört, ...

Gut beobachtet.

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