72 ist das neue 30

Die Sterblichkeit des Menschen sinkt rasant, ergab eine Studie zu Mortalität im evolutionären Kontext

Washington - Die durchschnittliche Sterberate in Jäger- und Sammlerkulturen liegt näher bei jener von Schimpansen als von menschlichen Gesellschaften in einigen hochentwickelten Ländern. Bei 30-jährigen Jägern und Sammlern und 72-jährigen Japanern sei die Sterblichkeit etwa gleich hoch. Zu dem Ergebnis kam eine im Fachblatt "PNAS" publizierte Studie zu Mortalität im evolutionären Kontext, an der unter anderem das Max-Planck-Institut für Demografieforschung in Rostock beteiligt war.

Das Sinken der Mortalität beim Menschen ist ein junger, sehr schnell verlaufender Prozess. Der Großteil der Entwicklung geht auf die vergangenen vier der insgesamt etwa 8000 Generationen des Menschen zurück. Vor dem späten 19. Jahrhundert waren die Unterschiede bei der Sterblichkeit nur gering. Die Daten der Jäger und Sammler stehen in der Studie stellvertretend für frühere menschliche Gesellschaften.

Die Bemühungen, die Sterblichkeit beim Menschen zu verringern, liegen zudem zumindest gleichauf mit Laborversuchen an Modellorganismen, die ihr Ziel mit bestimmten Mutationen oder Selektionsverfahren erreichen. Bei der Verringerung der Sterblichkeit beim Menschen spielen genetische Veränderungen dagegen kaum eine Rolle. Was die Mortalität des Menschen so dehnbar macht und wo ihre Grenzen liegen, soll Gegenstand künftiger Forschungen sein. (pum, DER STANDARD, 16.10.2012)

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