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Inzwischen weiß auch der letzte Auslandskorrespondent, was Ambien ist. Eine Schlaftablette, zu deren Nebenwirkungen Kopfschmerzen und Gedächtnislücken gehören. Barack Obama, spotteten selbst Sympathisanten nach dem ersten, seltsam apathischen Debattenauftritt des Präsidenten in Denver, muss wohl Ambien genommen haben, bevor er sich neben Mitt Romney ans Pult stellte. Anders wäre ja kaum zu erklären, warum er phasenweise wie abwesend wirkte, während sein Rivale unwidersprochen den Marsch in die politische Mitte antreten konnte, vom kalten Kahlschlagsanierer zum Ritter gebeutelter Normalverbraucher.
Man kann sagen, dass im Lager Obamas die Alarmglocken läuten. Noch so eine Schlappe, und der Amtsinhaber könnte es schwer haben, bis zum Votum am 6. November aus der Defensive zu kommen. Im Durchschnitt aller Meinungsumfragen, ermittelt von der Website Real Clear Politics, liegt Romney - im September noch scheinbar abgeschlagen - inzwischen mit 0,2 Prozent vorn. Entsprechend groß ist der Druck auf den Präsidenten, dem Herausforderer den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn beide am Dienstag an der Hofstra University auf Long Island zum zweiten Wortduell aufeinandertreffen, ehe am kommenden Montag in Boca Raton das Finale ansteht.
Seit der Premiere im Jahr 1960, wissen Amerikas Wahlchronisten, haben Fernsehdiskussionen nur selten etwas am Ausgang des Rennens geändert. Das könnte sich diesmal ändern, besonders dann, wenn der Staatschef durch flaue Vorstellungen den Eindruck erweckt, als habe er die Lust am Regieren verloren. Vor vier Jahren konnte Obama noch davon profitieren, dass er mitten im Strudel der Finanzkrise ruhiger, sicherer, realistischer wirkte als sein zappeliger Kontrahent John McCain, der sich einmal zu der skurrilen Bemerkung verstieg, der amerikanischen Wirtschaft gehe es bestens.
Nun bestürmen ihn seine Berater, emotionalere Töne anzuschlagen, Romney aggressiver zur Rede zu stellen. Nicht leicht für einen kühlen Analytiker mit dem Spitznamen "No-Drama-Obama", der dafür bekannt ist, Pro und Contra gründlich abzuwägen, bevor er sich aus dem Fenster lehnt. Weshalb sich der Stratege David Axelrod alle Mühe gibt, die Debattenbühne gleichsam präventiv zum Nebenschauplatz zu erklären.
Was zähle, sei die inhaltliche Substanz, nicht der flink formulierte Satz, betont der Vordenker, der schon den Senator Barack Obama beriet. "Romney ist ein großartiger Verkäufer. Das hat er als Geschäftsmann getan, darin ist er sehr gut." Auf alle Fälle, so Axelrod, werde ihn der Präsident diesmal daran erinnern, dass er 47 Prozent der Wähler als Sozialschmarotzer abschreibe.
47 Prozent der Amerikaner, hatte Romney vor Spendern in Florida doziert, seien ohnehin für Obama. "Menschen, die vom Staat abhängig sind, die sich für Opfer halten, die glauben, die Regierung habe die Pflicht, für sie zu sorgen, die glauben, sie hätten einen Anspruch auf Gesundheitsfürsorge, auf Essen, auf Wohnraum, was immer." 47 Prozent der Amerikaner, fügte der Ex-Unternehmer hinzu, zahlten keine Einkommensteuer.
Seitdem haben Fiskalexperten dutzende Male vorgerechnet, wie polemisch die Aussage ist. Zwar wurden 2011 tatsächlich nur 53 Prozent der US-Bürger bei der Einkommensteuer zur Kasse gebeten, doch nicht zuletzt lag dies am "Earned Income Tax Credit", einer Art negativen Steuer, die Geringverdiener entlastet. Zudem haben fast zwei Drittel derer, die keine Einkommensteuer zahlen, eine Lohnsteuer zu entrichten. Das Bild von den Schmarotzern in der staatlichen Hängematte - schon ein flüchtiges Studium der Fakten genügt, um es als billigen Populismus zu entlarven.
Umso mehr befremdete es Obamas Anhänger, dass ihr Mann in Denver mit keiner Silbe auf den 47-Prozent-Satz einging, aus ihrer Sicht das Credo des wahren Mitt Romney. In der Hofstra-Aula, verspricht Axelrod, werde das Versäumte ganz gewiss nachgeholt. (Frank Herrmann aus Washington /DER STANDARD, 16.10.2012)
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Wer hat wen gewählt? Welche Macht hat der Präsident? Wie funktioniert das politische System der USA?
hier der link
http://fivethirtyeight.blogs.nytimes.com/
Ein Aggressiveres Auftreten birgt bei der Townhall-Veranstaltung aber auch Gefahren. Bei sowas möchte man eher mit dem Publikum kommunizieren. Angriffe müssen da eher subtil kommen - McCain ist etwa mit "that one" kräftig ins Fettnäpfchen getreten...
Erstmals seit 20 Jahren leitet heute eine Frau die US-Präsidentschaftsdebatte. Eigene Fragen soll sie keine stellen und auch nicht journalistisch in die Diskussion eingreifen.
http://bit.ly/V3C3CL
gar viel verändert haben wir uns seit den zeiten des alten roms nicht.
zwei gladiatoren prügen sich durch den ring, das volk will "mehr blut" sehen und irgendein herrscher hebt oder senkt den daumen :)
damals nannte man das "brot und spiele", heute nennt man es "wahlkampf in demokratien".
dass "ihr" euch nicht verändert habt ist natürlich extrem peinlich für "euch".
wer gladiatorenkämpfe mit wahlkämpfen vergleicht hat das prinzip vin einem der beiden events nicht kapiert - oder wohl eher beide nicht. :)
nichtsdestotz - en lächerlicher vergleich, dessen sinnhaftigkeit und aussagekraft sich nicht erschliesst. :)
bereits in den Ursprüngen unserer modernen Demokratie, in der Antike, hat Platon eine klassische Dialektik in der Politik ausgemacht. Im Politikmanagement unterscheidet man hier zwischen Darstellungs- und Handlungspolitik. Oder einfach gesagt, es stellt sich ein Paradoxon, denn was war nun zuerst da: "Die Politik oder der Politiker?!" Obgleich es sich hierbei um zwei Ebenen handelt, sind diese von einander nicht wirklich zu trennen. Im audiovisuellen Zeitalter des Fernsehens rückt allerdings wieder die Darstellungsebene und die Person des Politikers in den Vordergrund. Inhalte werden hierbei an Personen geknüpft und über diese vermittelt. Die Reduzierung auf die Person erweckt im TV 'Duell' jedoch den Eindruck eines typischen Zweikampfes.
aber in dem fall bekämpfen sich die präsidentschafts kandidaten, und der wähler hebt oder senkt den finger
das problem ist, dass fakten kaum einfluss haben, und dass der an sich mächtige präsident, doch von sehr vielen abhängig ist, was nicht (ab)wählbar ist
Die Amerikaner können halt nichts tun, ohne daraus eine Show zu machen. Wer haut wem die Argumente besser um die Ohren? Peinlich ist das. Noch peinlicher ist, dass wir diesen oberflächlichen Blödsinn in Europa immer mehr übernehmen. Nicht der Inhalt zählt, sondern wie man ihn vorträgt. Wen wunderts, dass Intelektuelle gegenüber Polit-Clowns im Nachteil sind?
Die logische Konsequenz wäre, dass sich Hollywood um die Wahlen kümmert. Was die Einstellung der Bürger betrifft ist Hollywood ohnehin schon die zentrale Anlaufstelle, an der die Bürger sicb eine Meinung verpassen lassen können. Wo wäre Bush ohne Oliver Stone? Wo wäre der US-Film ohne Unterstützung des US-Militärs?
Muss man aber mal sagen - ich hab' mir die Vice-Prez. Debate angesehen (in der coverage von der NY Times, wie vom standard.at verlinkt) - dass mir das durchaus sachlicher erschien, als die Debatten bei uns im TV ?
Da tut man den US Medien & der Polit-Berichterstattung gerne unrecht , IMHO
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