Realitätsblinde Kritik an Grazer "Zwillingsfakultät"

Kommentar der anderen15. Oktober 2012, 19:17
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Eine Erwiderung auf Eva Blimlinger und Gerald Bast

Die Rektoren der Angewandten und der Akademie der bildenden Künste in Wien erkärten in einem Interview (Der Standard 5.10.) mit Hinweis auf das Grazer Kooperationsprojekt NAWI, dass "Fusionen mehr Geld kosten, als sie bringen."

Eine internationale Gutachter-Gruppe, die NAWI Graz, die naturwissenschaftliche Kooperation von Karl-Franzens-Universität und TU Graz, 2011/2012 evaluierte, spricht wörtlich von einem "sehr guten Projekt.

Fünf Bachelor- und 13 Masterstudien wurden in den vergangenen sechs Jahren geschaffen. Es konnte ein hochwertiges und überaus differenziertes Studienangebot mit fachspezifischen Kompetenzen von zwei Universitäten eingerichtet werden, das ausschließlich im Verbund leistbar ist. Es ist nur logisch nachvollziehbar, dass der Betrieb von 18 Studien in einer "Zwillingsfakultät" kostengünstiger ist als der Betrieb von zwei ähnlichen Studien am selben Standort.

Darüber hinaus bewirkte NAWI Graz einen beachtlichen Studierendenzuwachs in den Mint-Fächern. Im Wintersemester 2012 haben sich rund 3400 Studierende inskribiert, damit hat sich die Studierendenzahl in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Naturwissenschaftliche Studien erfordern intensive Betreuung, etwa durch Laborübungen in Kleingruppen, und sind aufwändig. Die Anschaffung notwendiger Großgeräten ist nur durch eine entsprechend hohe Auslastung zu rechtfertigen. Diese Qualität kann in fachlicher wie auch in finanzieller Hinsicht viel eher gemeinsam als einzeln gewährleistet werden.

Die Evaluierung würdigte darüber hinaus die Verwendung der Finanzmittel. Zudem stellten die Gutachter fest, dass für eine erfolgversprechende Weiterentwicklung von NAWI Graz mindestens die Fortschreibung der bisherigen Mittel erforderlich sei. Eine Aufstockung würde im Gutachten begrüßt, da sie dem angeregten Ausbau im Forschungsbereich einen zusätzlichen Schub verleihen. NAWI Graz ist ein hervorragendes Beispiel für effiziente Kooperation in der Lehre: Die Studierende profitieren vom partnerschaftlichen Verbund und den jeweiligen Stärkefeldern beider Universitäten. (Christa Neuper, Harald Kainz, DER STANDARD, 16.10.2012)

Christa Neuper ist Rektorin der Karl-Franzens- Universität Graz

Harald Kainz ist Rektor der TU Graz

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