Sozialversicherungsanstalt: Pensionsreform-Exklave

Kommentar15. Oktober 2012, 19:35
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Noch immer greifen in der Sozialversicherung die Vorteile zweier Systeme

Auch an den 22 Sozialversicherungsträgern gehen die Pensionsreformen nicht ganz spurlos vorüber. Doch Umfang und Dauer der Veränderungen sind derart unambitioniert, dass normalsterbliche ASVGler vor Neid erblassen. Noch immer greifen in der Sozialversicherung die Vorteile zweier Systeme: Unkündbarkeit und hohe Pension aus dem Beamtenrecht, Abfertigung analog zu Angestellten und Arbeitern - und zum Drüberstreuen eine fast gänzlich vom Dienstgeber finanzierte Zusatzpension.

Vor allem letzteres Zubrot führt dazu, dass Akademikern der Ruhestand heute noch mit 4500 Euro versüßt wird, während nicht gerade knapp gehaltene Bundesbeamte mit 1000 Euro weniger auskommen müssen. Die Durchschnittspension im ASVG liegt übrigens bei gut 1000 Euro.

Nach der Weigerung einiger Länder, die Pensionsanpassungen des Bundes zu übernehmen, zeigt das vom Rechnungshof aufgeworfene Beispiel wieder einmal, wie bunt es in mancher Reform-Exklave zugeht. Dass mit Hauptverband und Co ausgerechnet jene Gruppe aus dem Vollen schöpft, die für den Vollzug des immer schmaler werdenden Pensionssystems verantwortlich zeichnet, ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Doch zum Glück gibt es einen zuständigen Sozialminister, der nun für Gerechtigkeit kämpft. Kleine Einschränkung: Reformen sind kollektivvertraglich zu regeln. Heißt im Klartext: Es bleibt alles beim Alten. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 16.10.2012)

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