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Szene aus Andrea Morgenthalers Film "Ruhe sanft - Rest in Peace".
Oft genug ist Ärger angebracht, wenn das gute Fernsehprogramm erst um Mitternacht herum anfängt. Im Fall von "Ruhe sanft", einem Dokumentarfilm über die Beschäftigung mit dem postmortalen Körper, war die Beginnzeit 23 Uhr am Sonntagabend aber mehr als angebracht. Andrea Morgenthaler hat in acht Episoden weltweit Menschen aufgesucht, die in ihren Berufen auf praktische oder wissenschaftliche Weise mit Leichen zu tun haben. Und dafür brauchte es einen guten Magen und starke Nerven.
Mit gebührlichem Respektabstand zum Totengedenken zu Allerheiligen war hier ein Film zu sehen, der auf unzimperliche bis schockierende Weise tote Körper zeigte. Es geht um die pure Biologie, den Sachverhalt des Todes und die daraus zu ziehenden Konsequenzen. Im spirituellen Zeitalter kann man das eine ungewöhnliche Zugangsweise nennen. Und sie führte dementsprechend auch an unerwartete Schauplätze. So etwa auf eine schwedische Insel, wo eine Frau Leichen in Form von Kompost beerdigt, oder nach Arizona, wo knapp zweihundert klinisch Tote in flüssigem Stickstoff auf ihre Wiedererweckung in der Zukunft hoffen.
Man staunt über die Drehgenehmigungen. Gut, jetzt wissen wir, wo genau man in einem Seminar für forensische Insektenkunde die Larven der Schmeißfliegen entnimmt.
Dabei aber bleibt der Film immer sachlich, er spekuliert nicht mit dem Grauen, trotz aller abstoßenden Inhalte. Die Episoden entfernen sich immer mehr vom erkennbaren Menschen. Gerade deshalb ist die erste Episode über einen Bestattungsunternehmer in Harlem dem Leben am nächsten: Der Einbalsamierer spritzt den Körpern gar Botox für Tote. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 16.10.2012)
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