Totsein ist nur mehr Biologie

15. Oktober 2012, 18:55
  • Szene aus Andrea Morgenthalers Film "Ruhe sanft - Rest in Peace".
    foto: orf/dor film

    Szene aus Andrea Morgenthalers Film "Ruhe sanft - Rest in Peace".

Der Film bleibt immer sachlich, er spekuliert nicht mit dem Grauen, trotz aller abstoßenden Inhalte

Oft genug ist Ärger angebracht, wenn das gute Fernsehprogramm erst um Mitternacht herum anfängt. Im Fall von "Ruhe sanft", einem Dokumentarfilm über die Beschäftigung mit dem postmortalen Körper, war die Beginnzeit 23 Uhr am Sonntagabend aber mehr als angebracht. Andrea Morgenthaler hat in acht Episoden weltweit Menschen aufgesucht, die in ihren Berufen auf praktische oder wissenschaftliche Weise mit Leichen zu tun haben. Und dafür brauchte es einen guten Magen und starke Nerven.

Respektabstand

Mit gebührlichem Respektabstand zum Totengedenken zu Allerheiligen war hier ein Film zu sehen, der auf unzimperliche bis schockierende Weise tote Körper zeigte. Es geht um die pure Biologie, den Sachverhalt des Todes und die daraus zu ziehenden Konsequenzen. Im spirituellen Zeitalter kann man das eine ungewöhnliche Zugangsweise nennen. Und sie führte dementsprechend auch an unerwartete Schauplätze. So etwa auf eine schwedische Insel, wo eine Frau Leichen in Form von Kompost beerdigt, oder nach Arizona, wo knapp zweihundert klinisch Tote in flüssigem Stickstoff auf ihre Wiedererweckung in der Zukunft hoffen.

Man staunt über die Drehgenehmigungen. Gut, jetzt wissen wir, wo genau man in einem Seminar für forensische Insektenkunde die Larven der Schmeißfliegen entnimmt.

Immer sachlich

Dabei aber bleibt der Film immer sachlich, er spekuliert nicht mit dem Grauen, trotz aller abstoßenden Inhalte. Die Episoden entfernen sich immer mehr vom erkennbaren Menschen. Gerade deshalb ist die erste Episode über einen Bestattungsunternehmer in Harlem dem Leben am nächsten: Der Einbalsamierer spritzt den Körpern gar Botox für Tote. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 16.10.2012)

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10 Postings

Wunderbare Dokumentation!

Aber Rüge an den ORF, ich finde es grob fahrlässig solche guten Filme/Dokus am Sonntag nach 00:00 auszustrahlen.

Am Montag muss ich nämlich hackln, verstehst?

Habe noch nie so einen offenen, aufschlusssreichen Film über dieses Tabuthema gesehen, wunderbares Werk!

Bei dem Titel fiel mir der wunderbare Film "Ruhe sanft GmbH" mit Vincent Price, Peter Lorre und Boris Karloff ein.
http://www.myvideo.at/watch/7063155

Viel früher gab es die Satire

'Tod in Hollywood'. Ich habe schon zu Beginn abgedreht, weil mich der 'Totenkult' (aus jeder Leiche eine J. Schiller zu machen) abstieß.

In jedem Krimi liegen inzwischen die nackten, wenn auch nicht echten Leichen auf den Seziertischen herum.
Ich muß nicht alles sehen wollen.

Schade, die Sendung ist online nicht abrufbar.
(hab jedenfalls nichts gefunden. Die Sendungen gehen nur bis 22:00)

die sachlichkeit, mit der da tote körper geschlichtet, aufgeschnitten, seziert, wieder zugenäht wurden wie ein rocksaum, war das eigentlich grausige. tolle doku.

Vielen Dank für den Tipp.
(Kaufen werde ich mir den Film aber nicht)
Das ist der Nachteil, wenn man fast nie fern schaut: die Handvoll Sendungen, die interessant sind, kann man auch nicht sehen.;-)

schauens bei orf2 rein am sonntag in der nacht und montag nacht, geht auch via teletext.

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