Lloyd Shapley und Alvin Roth

Kopf des Tages15. Oktober 2012, 19:35
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Ein Nobelpreis, der kräftig an die Nieren geht

Ob sich die US-Amerikaner Alvin Roth (60) und Lloyd Shapley (89) jemals spieltheoretisch mit der Frage beschäftigt haben, wie man am ehesten Wirtschafts nobelpreisträger wird, ist nicht überliefert. Zu den Favoriten für die höchste Auszeichnung in der Ökonomie haben sie jedenfalls nicht gezählt. Dennoch sind die Arbeiten, für die die beiden Forscher am Montag von der Königlich Schwedischen Wissenschaftsakademie in Stockholm ausgezeichnet wurden, von seltener Praxisrelevanz.

Roth und Shapley erforschen seit vielen Jahren, wie Märkte funktionieren, vor allem, wenn kein Geld im Spiel ist. Das hat dem Nobelpreiskomitee imponiert.

Preisträger Roth hat beispielsweise einen Tauschmarkt für Spendernieren aufgebaut und ein System, mit dem Schüler in New York auf die unterschiedlichen Schulen verteilt werden. Auf diese Weise hat er einigen Organspende-Kandidaten das Leben gerettet und vielen Schülern zu einem Platz an ihrer Wunschschule verholfen. Er sieht sich selbst als Praktiker, der solche Märkte baut - auf ähnliche Weise, wie ein Ingenieur Autos baut.

Shapley, emeritierter Professor der University of California, wurde 1923 in Cambridge, Massachusetts, geboren, der späteren Wirkungsstätte von Roth. Shapley, der als Pionier der Spieltheorie gilt, erarbeitete in den 1960er-Jahren theoretische Grundlagen dafür, wie Märkte effektiv funktionieren. Roth, 1951 in New York geboren, setzte dies Jahre später in die Praxis um.

Roth lehrt an der Harvard Business School in Cambridge, Massachusetts. Sein Spezialgebiet ist die mathematische Ökonomik, insbesondere die Spieltheorie. "Mein Blogeintrag könnte sich heute verspäten", schrieb Roth nach dem Anruf aus Schweden auf seiner Webseite. "Betrachten Sie mich als überrascht." Auf die Verleihung in Stockholm am 10. Dezember freue er sich, weil "das eine sehr gute Party sein soll". Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 920.000 Euro dotiert.

Zur Bewältigung der Eurokrise wollte Roth keine Ratschläge geben: "So ein Ökonom bin ich nicht."

Kopreisträger Shapley diente von 1943 bis 1945 in der US-Army und arbeitete später unter anderem bei der Rand Corporation. Das ist eine Denkfabrik, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde, um die US-Streitkräfte zu beraten. Shapley ist der zweitälteste Empfänger des Wirtschaftsnobelpreises zum Zeitpunkt der Vergabe. (Günther Strobl, DER STANDARD, 16.10.2012)

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    Preisträger 2012: Lloyd Shapley (li.) und Alvin Roth.

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