Kurz: "Wahlrecht ist ein Goodie"

Interview | Julia Herrnböck, Petra Stuiber, 15. Oktober 2012, 18:09
  • Ein weiteres verpflichtendes Kindergartenjahr und mehr Anreize für 
die Staatsbürgerschaft wünscht sich Sebastian Kurz. 
    foto: der standard/urban

    Ein weiteres verpflichtendes Kindergartenjahr und mehr Anreize für die Staatsbürgerschaft wünscht sich Sebastian Kurz. 

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz will am Mittwoch mit Unterrichtsministerin Schmied über Schulschwänzer und Deutschklassen reden

Standard: Sie haben Ministerin Claudia Schmied öffentlich kritisiert, bei Integrationsfragen säumig zu sein. Sie hat Ihnen daraufhin vorgeworfen, Sie hätten sie nicht kontaktiert. Warum nicht?

Kurz: Wir waren zu all den Themen in Kontakt. Aber es gibt Bereiche, bei denen sie nicht zu Gesprächen bereit war, etwa beim Thema Deutsch vor Schuleintritt. Ich bin froh, dass das jetzt passiert. Wir werden uns am Mittwoch treffen.

Standard: Uneinig sind Sie dar über, ob es eigene Deutschlernklassen geben soll. Schmied fürchtet "Ghettoklassen". Berechtigt?

Kurz: Ich finde die Diskussion scheinheilig: Dass heute in Österreich doppelt so viele Ausländer in den Sonderschulen sitzen wie im Regelschulsystem, stört niemanden. Aber ein Vorschuljahr, um Deutsch zu lernen, soll eine "Ghettoklasse" sein? Ich fordere außerdem ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr für alle, die nicht gut Deutsch können.

Standard: Der Expertenbeirat im Innenministerium widerspricht: eigene Klassen seien nicht zielführend. Sprechen Sie sich nicht ab?

Kurz: Unser Expertenrat arbeitet erst an einem Bildungspapier, das war eine von vielen Meinungen, die im Rahmen einer Enquete geäußert wurden. Wir sollten die Diskussion entkrampfen.

Standard: Laut dem Wiener Integrationsbericht stieg die Bildungsbeteiligung vor allem türkischstämmiger junger Menschen deutlich an. Überrascht Sie das?

Kurz: Wenn all die Initiativen wie etwa das Jugendcoaching keine Wirkung gezeigt hätten, wäre das ja Wahnsinn. Ich glaube nur, wir reparieren sehr viel im Nachhin ein, aber wir investieren wenig in Frühförderung.

Standard: Glauben Sie, dass Lehrer dafür richtig ausgebildet sind?

Kurz: Nein, es braucht definitiv einen Schwerpunkt auf das Thema Integration bei der Lehrerausbildung.

Standard: Trotz guter Ausbildung arbeiten 43 Prozent der Migranten als Hilfskräfte.

Kurz: Ja, das stört mich. Wir müssen viel besser werden bei der Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen.

Standard: Besonders Migrantinnen haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Was wollen Sie dagegen tun?

Kurz: Wir müssen auch in der Bewusstseinsbildung vorankommen. Es gibt immer noch sehr viele, die kulturell der Meinung sind, Frauen sollten nicht arbeiten.

Standard: Konservative ÖVP-Funktionäre und -Wähler zum Beispiel?

Kurz: Vorurteile sind schon was Schlimmes, oder? Ich bin auch ÖVP-Wähler und -Funktionär und finde das nicht. Es besteht Aufholbedarf bei der Erwerbstätigkeit vor allem bei türkischstämmigen Frauen.

Standard: Auch viele gut ausgebildete Migranten verlassen Österreich, weil sie in anderen Ländern bessere Chancen vorfinden.

Kurz: Das ist ein Trend. Die Türkei etwa hat ein super Wirtschaftswachstum. Aber wenn jemand wegen seiner Herkunft nicht angestellt wird, ist das verwerflich.

Standard: Ein Fünftel der Wiener Bevölkerung im wahlfähigen Alter ist nicht wahlberechtigt. Experten halten das für ein Integrationsdefizit. Wie sehen Sie das?

Kurz: Wahlrecht ist ein Staatsbürgerrecht. Und es ist ein großes Problem, dass immer weniger Menschen nach der österreichische Staatsbürgerschaft streben.

Standard: Was halten Sie von einem breiter gefassten Wahlrecht für EU-Bürger?

Kurz: Das gibt es eh auf lokaler Ebene. Unser Ziel muss sein, dass Menschen, die ihr Leben lang in Österreich leben wollen, auch ein Interesse haben, österreichische Staatsbürger zu sein. Das Wahlrecht ist eines der letzten Goodies. Sonst gibt es überhaupt keinen Anreiz mehr.

Standard: Warum ist das so wichtig, dass jemand die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt?

Kurz: Eine Staat ohne Staatsbürger wäre irgendwie komisch, oder nicht?

Standard: Seit Jahren sorgen schwarze Innenminister dafür, dass das Fremdenrecht verschärft wird und die Zahl der Einbürgerungen rückläufig ist. Finden Sie, dass man zu lange warten muss, bis man um die österreichische Staatsbürgerschaft ansuchen darf?

Kurz: Darüber kann man diskutieren. (Julia Herrnböck, Petra Stuiber, DER STANDARD, 16.10.2012)

Sebastian Kurz (26) ist seit der Regierungsumbildung im April 2011 Integrationsstaatssekretär. Seit 2009 ist er Bundesobmann der Jungen VP und Stellvertreter der Wiener Stadtschwarzen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 144
1 2 3 4
Standard: Auch viele gut ausgebildete Migranten verlassen Österreich, weil sie in anderen Ländern bessere Chancen vorfinden.

Müsste lauten: Gut ausgebildete Menschen verlassen Österreich.

Und die Antwort darauf: Ja, was machen gebildete Menschen in einem Land, in dem sie sich tagtäglich von Neidern schimpfen lassen können, weil sie nicht "solidarisch" 80% ihres Einkommens an den Staat abgeben wollen, während das Neider-/Versagertum selbst keinerlei Steuern zahlen will.

Die EU Idee hat er noch nicht durchblickt. Obwohl die ÖVP ja die Europapartei Österreichs ist...

unser leistungsträger

herr kurz glaubt vor beendigung seines studiums klüger zu sein als nachher. Nur so sind seine Kurz-sichtigen aussagen zu erklären. wie auch immer: schwarz ist geil
freundschaft

Aber ein Vorschuljahr, um Deutsch zu lernen, soll eine "Ghettoklasse" sein? Ich fordere außerdem ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr für alle, die nicht gut Deutsch können.

Einschulung zwei Jahre später? Bei Kindern sind zwei Jahre viel. Problematisch wenn man 8 und 6 jahrige vermischt und das setzt sich fort.

Nicht nur für Ausländer ist das Wahlrecht ein Goodie, sich einer Gesellschaftordnung anzupassen, deren Regeln nicht zur Wahl stehen. Professionelle Post-Politiker wie Kurz, Dick und Doof wissen das.

Der Integrationsstaatssekretär ist ein Goodie!

die erde ist eine scheibe

und das wahlrecht ein goodie.

der typ schaut so bissl aus wie die auf der haider gstondn is..

für diesen megageilschnösel

ist das wahlrecht (§26 BVG) ein goodie??? sagenhaft, wer hier auf steuerzahlers kosten grosszügigst alimentiert wird!

einfach lesen

das ganze Interview.

Fair betrachtet...

muss man sagen, das das Schnuckerl ein Gewinn für das Integrationsthema in Österreich ist. Warum ihr hier so alle auf ihm herumdrescht, scheint mir sachlich nicht gerechtfertigt.
Es war vor ihm so jenseitig, dass es zwar nur noch besser werden konnte, aber er hat meine zugegeben schlechten Erwartungen mehr als enttäuscht. Dem gehts echt ums Thema und er hört sich an, was ExpertInnen und good practice-Erfahrene zu sagen haben. Das ist ein Novum in Österreich. Also mäßigst euch! Der Bub bemüht sich und kriegt damit mehr weiter als unsere Schottermanagerin unser Raiffaisenfilialeiterstellvertreter (Vizekanzler) und unser beslesener Taxifahrer (Faymann)
LG

Ich finde auch, dass er mit dem Thema sehr gut umgeht. Er scheint sich tatsächlich mit der Materie zu beschäftigen - was man bei seinen Parteigenossen nicht erkennen kann - und vertritt sogar vernünftige Positionen gegen den tendenziell rechten ÖVP Flügel.

Schließe mich an

der überrascht mich immer wieder - positiv. Bin gespannt, wie die politische Karriere weiterläuft. Parteiwechsel? Abstellgleis? So ist er viel zu ziel- und lösungsorientiert für eine Regierungspartei.

davor wurde wenigstens kein kleines naiverl mit 200.000 Euro Steuergeldern "versorgt" für's nichts tun und umso mehr Dampfplaudern

Außer viel heißer Luft hat er bisher noch nichts produziert unser überbezahlter Lulu...

Vernünftiger und guter Mann...

Demokratie ist ein Goodie? Für Mitbestimmung müssen's also auch ein bisserl brav sein, würde da der Kaiser sagen.

ärger,

die Migranten sind selber schuld, wenn sie die Staatsbürgerschaft nicht erhalten. Der fährt voll die Sündenbockstrategie, wenn auch sprachlich smart. KHG-NLP?

Geh Milchbubi, mach dein Studium fertig oder lern was, aber verzieh dich da und achte auf deinen Calciumhaushalt.
Dein Konterfei ist eine Insultation aller gleichartigen, strebsamen welche sich mit Dilegenz und Ambition im Leben etwas aufbauen wollen und dabei nichts kondoniert bekommen.
Pfui!!

"Wahlrecht ist ein Goodie"

Warum ist das bitte ein Goodie? Bei unserer Politikerbande resignieren ohnehin auch immer mehr "Einheimische" wodurch die Wahlbeteiligung bei den Wahlen sinkt.

wahrscheinlich hatte er Verfassungsrecht noch nicht und glaubt, dass es ein Gnadenakt an die Unterworfenen ist, diese ab und an zu Wahlurnen gehen zu lassen

Das Interview bitte ganz lesen

Da steht's drin...

Der beste weg zur integration erfolgt durch unternehmungen und aktivitäten in der freizeit .... deswegen wäre meiner meinung nach die förderung von sportvereinen etc... Eine klug art und weise das problem teilweise zu beheben

Ach - als Funktionär und Nachwuchstrainers eines Wiener Unterhausfußballvereines, bei dem ca. 60 - 70 % der Kinder Migrationshintergrund haben, kann ich beispielsweise die Idee eines Funktionärs des Rennweger SV´s nur voll unterstützen,

der um Subvention angesucht hat.

Es wurde ihm halt leider beschieden, dass dies nur für kulturelle Belange und nicht für sportliche möglich ist.

Andererseits hatte ich am Sonntag mein ultimatives Integrationserlebnis.

Ort: Kaffee Konditorei Groisböck (die meisten Wiener werden sie kennen).

Unter den sonntagnachmittäglichen Kaffeeschlüfern und Kuchenessern eine türkische Familie inkl. Kopftuch und eine Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Alle saßen mit den "Ur"Wienern (die ja auch alle irgendwie Migrationshintergrundhaben) in einem Lokal und alle fühlten sich wohl und keiner viel besonders auf.

Ich denke, so sollte es sein.

ich habe auch dauernd solche erlebnisse

weiß garned was die leute immer haben...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 144
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.