Anlageprozess: Seidl gibt falsche Angaben zu

15. Oktober 2012, 18:00
2 Postings

Vaduz - Zweite Prozesswoche gegen Michael Seidl am Landgericht Vaduz: Der frühere Sportsponsor (Money Service Group), angeklagt wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs, gab zum ersten Mal zu, in einem Brief an einen Anleger unrichtige Angaben gemacht zu haben.

Die Investition in einen spanischen Solarpark habe mehr als die prognostizierte Rendite gebracht, ließ er seinen Kunden Michael Seykora wissen. Der frühere Geschäftsführer der Infront Austria (Wintersportwerbung) hatte für sich und die Firma rund drei Millionen Euro in Solarparks investiert. Weil ihm die Investition in erneuerbare Energie sicher erschienen sei, begründete er am Montag im Zeugenstand. Die Solarparkbeteiligungen Seidls gab es aber genauso wenig wie die Beteiligungen der von Seidl aufgelegten Hermes Fonds.

Seidl habe in Sportsponsoring investiert, auch bei anderen Firmen der Branche, die Auskünfte aus diesem Markt seien positiv gewesen, begründete Seykora sein Vertrauen. Geprellte Kollegen aus der Branche, Harti Weirather und Niki Lauda, stehen noch auf der Vaduzer Zeugenliste.

Ein anderer österreichischer Unternehmer hat bereits ausgesagt: Richard Morscher, Chef der Montfortwerbung und langjähriger Geschäftspartner des deutschen Konzerns Gildemeister. Er hat über die Stiftung Commenta, die Richter Dietmar Baur Morscher zurechnet, drei Millionen Euro investiert, über die Rimo Privatstiftung 450.000 Euro. Ein Angebot Seidls, Morschers damaliges Stiftungsvermögen von 20 Millionen Euro über einen Family-Office-Vertrag zu verwalten, habe er abgelehnt: "Gott sei Dank, sonst wäre ich heute ein armer Mann."

Er habe Seidl "leider" mit Gildemeister-Vorstand Rüdiger Kapitza bekanntgemacht, sagte Morscher aus. Ob Kapitza investiert habe, wisse er nicht. Die Beziehung Morscher/Kapitza beschäftigt in Österreich Staatsanwaltschaft und Finanzbehörde, ermittelt wird wegen Steuerhinterziehung, Untreue und Betrugs. Morscher und Kapitza revanchierten sich mit einer Anzeige gegen einen Kriminalbeamten. (jub, DER STANDARD, 16.10.2012)

Share if you care.