Ein Kernölscheich im VW-Assad

  • Alf Poier führt in die Hinterbühnenwelt. 
    foto: standard/heribert corn

    Alf Poier führt in die Hinterbühnenwelt. 

"Backstage": Alf Poier tourt mit neuem Programm

Wien - Ein steirischer Kernölscheich in grüner Schnürlsamtglockenhose, der mit Adolf-Hitler-Maske Fendrichs I'm from Austria singen wird, macht sich für sein Konzert bereit. Das Publikum wird diesen Auftritt weder sehen noch hören: Denn Alf Poier führt uns in seine schmuddelige Hinterbühnenwelt. Backstage heißt seine künstlerische Selbstbeschau, in der er ein Feuerwerk an Ideen, Wortwitz und Erzähllust entzündet.

"Grias di" prangt vom T-Shirt des Ewiggestrigen, der in seinem alten Caritas-Tourneekoffer ein Witzenotizheft findet: Wie heißt die Homepage für Versager? ichkann.net. Oder: In Syrien wird ein neues Auto produziert - ein VW-Assad, der über Leichen fährt. Alf Poier erklärt sein Multikulti, indem er sich einen Militärhelm mit Rastazöpfen aufsetzt. Auch musikalisch greift er das Thema auf: "In die Berg bin i gern" erklingt in den Musikstilen dieser Welt. Der Gitarrist mit der schönen Stimme bringt auch neue Lieder, eines heißt Oid und fett.

Mit feinem Humor begegnet Poier aktuellen gesellschaftlichen Themen, zerstört gängige Bilder von Alkohol und harten Drogen im Showgeschäft. Und berichtet von seinem nervösen Verdauungstrakt, der ihm vor Premieren ärgere Speibereien und dünne Kotausflüsse beschert. Mit der Zeit wird dieser Fäkalhumor aber immer derber. Und langweiliger.

Dann darf man neuerlich erfahren, dass das Showbusiness eine Menschenvernichtungsmaschine- rie ist. Gemeinplätze und nicht zielführende Wiederholungen (beim angedeuteten Masturbieren) ziehen den Abend im zweiten Drittel in die Länge. Und obwohl er sich und seine aufgedrehte Hektik selbst parodiert, kann er nicht vermitteln, was ihn bewegt. Binsenweisheit: Weniger ist mehr.

Am Ende geht dem Ruhelosen die Luft aus. Aber es überwiegt das Gefühl, einen launigen Abend genossen zu haben. (Sebastian Gilli, DER STANDARD, 16.10.2012)

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