Wiener Hasnerstraße: Bedingt radlfreundlich

Video | Maria von Usslar
22. Oktober 2012, 10:20
  • Ingo und Lea testeten für derStandard.at die Ende September eröffnete "fahrradfreundliche Straße" in Wien-Ottakring.
    foto: mvu/derstandard.at

    Ingo und Lea testeten für derStandard.at die Ende September eröffnete "fahrradfreundliche Straße" in Wien-Ottakring.

  • Mängel stellten die TesterInnen bei der Bodenmarkierung fest. Dass sie auch dort fahren dürfen, wo Autos herumfahren müssen (Bild), freute sie im Gegensatz dazu.
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    Mängel stellten die TesterInnen bei der Bodenmarkierung fest. Dass sie auch dort fahren dürfen, wo Autos herumfahren müssen (Bild), freute sie im Gegensatz dazu.

  • Stressig wurde es nur bei der Kreuzung Possingergasse/Hasnerstraße, wo ihrer Meinung nach ein Schutzweg eingerichtet werden müsste.
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    Stressig wurde es nur bei der Kreuzung Possingergasse/Hasnerstraße, wo ihrer Meinung nach ein Schutzweg eingerichtet werden müsste.

derStandard.at hat zwei Test-RadlerInnen auf den Weg geschickt - Die fanden einige Schwachstellen

Die Hasnerstraße in Wien-Ottakring wurde am 20. September als erste "fahrradfreundliche Straße" Österreichs neu eröffnet. Die VielradlerInnen Lea und Ingo haben für derStandard.at die Radfreundlichkeit getestet und sind die vekehrsberuhigte Straße vom Gürtel bis zur Vorortelinie abgefahren. Ihr Fazit: Alles in allem ist die "fahrradfreundliche Straße" ein guter Start in Richtung "Fahrradstraße".

Gesetz muss Begriff "Fahrradstraße" erst kennenlernen

Um Fahrradstraßen allerdings in Österreich zu etablieren, ist es notwendig, die Straßenverkehrsordnung (StVO) zu novellieren. Denn derzeit gibt es nicht einmal die Möglichkeit, diese zu beschildern: Nicht nur das Modell einer Fahrradstraße wird in der StVO nicht erwähnt, auch die dafür notwendigen Verkehrszeichen sind noch nicht zulässig.

Die Beschilderung der Hasnerstraße bemängelten die TesterInnen allerdings sehr. Unter anderem wünschen sie sich mehr Stoppschilder für einbiegende Autos und Bodenmarkierungen, die dezidiert darauf hinweisen, dass es sich um eine fahrradfreundliche Straße handelt. Auf der Hasnerstraße selbst sind laut Blum aber keine weiteren Schilder geplant.

Konkrete Verbesserungen soll es allerdings bei der Beschilderung der Umgebung der radfreundlichen Strecke geben: So will man etwa die Anbindung zur ebenfalls verkehrsberuhigten Pfeilgasse deutlicher kennzeichnen, "damit durchgehend fahrradfreundlicher Verkehr vom Wilhelminenberg bis zum Ring gewährleistet ist".

Weitere Änderungen nur durch Gesamtkonzept

Grundsätzlich plant die Stadt ein Gesamtkonzept, das nur mit einer Änderung der StVO umgesetzt werden kann. Blum wünscht sich Fahrradstraßen wie in Deutschland. Für Wien hat er den sternförmigen Ausbau von Fahrradstraßen aus den äußeren Bezirken in die Innenstadt angedacht.

Nebeneinanderfahren, wie es in Deutschland beispielsweise erlaubt ist, solle mit einer Gesetzesnovelle auch in Österreich möglich sein, fordert Blum: "Schließlich rennt man auf Fußgängerzonen auch nicht hintereinander her."

Die Schwachselle an der Kreuzung Possingergasse/Hasnerstraße (derStandard.at berichtete) war dem Fahrradbeauftragten nicht bekannt. Er will sich der Kritik annehmen und über die Anregung nachdenken, dort einen Schutzweg einzurichten.

Parkpickerl als Chance für Fahrradprojekte

Ebenfalls auf dem Plan des Radbeauftragten steht die Verkehrsberuhigung in Wohngegenden. Denn Tempo-30-Zonen würden nicht nur den Radlern nutzen, auch insgesamt würde sich dadurch die Verkehrssicherheit erhöhen, sagt Blum. In den nächsten Monaten will sich Blum mit Stadtpolitikern außerdem Gedanken machen, ob durch die Ausweitung des Parkpickerls frei gewordene Parkflächen anders genutzt oder gestaltet werden könnten: "Dank verminderten Parkdrucks ist der Spielraum für Fahrradprojekte nun größer." (Maria von Usslar, derStandard.at, 19.10.2012)

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Bin kürzlich als Ortsunkundiger auf der Hasnerstrasse gefahren, ohne die vorher gekannt zu haben. Hat mir bei dieser einmaligen Befahrung eigentlich gut gefallen. Wenn man oft dort unterwegs ist, werden einem sicher verschiedene Dinge auffallen, aber die Ergebnisse kann man dann ja beim nächsten Projekt einfließen lassen.

leider

leider haben die beiden jungen menschen keine ahnung wie die hasnerstraße noch im juni ausgesehen hat. Und haben auch ALLE Bodenmarkierungen zu den kreuzenden Straßen übersehen, die die Hasnerstrae viel sicherer für Fahrräder machen.

lieber standard das nächste mal vielleicht menschen die mehr ahnung haben... müssen ja nicht nur hipp sein und gut für die kamera!

Früher war alles besser...

Ja ja, ihr Chefideologen der Stadt-Radlerei... Nehmt euch alle ein Beispiel, wie, wo und warum das Radlfahren früher Spaß machte, als es noch nicht zu einer Ideologie verkommen war!
http://www.youtube.com/watch?v=e... ata_player
Von meinem iPad gesendet

So schön die Initiative ist, ..

jeder ist wohl gemischter Nutzer, fährt Rad, Öffis und Auto.
Wenn ich irgendwo hin fahren will, dann fällt mir kein expliziter Radweg ein, zu dem ich auch erst mal hinfahren müßte.
Weiters sehe ich die Gefahr, bei nochmehr solchen Radwegen, daß es bald umgekehrt mehr Straßen mit Fahrverbot für Räder geben wird.
Ich bin daher (als Radfahrer) gegen solche Radwege im innerstädtischen Bereich, mit Ausnahmen. Was mich stört: Den Stadtpark darf ich mit dem Rad nicht durchfahren (etc), da muß ich herumfahren.

es gibt kein Fahrverbot für Autos dort!
Die Straße ist nur deswegen "fahrradfreundlich", weil der Vorrang auf der Straße und die teilweisen Sackgassen für Autofahrer unattraktiver für Autofahrer ist.

theoretisch

es regt sich aber niemand auf, wenn du durchfährst.

außer du wirst persönlich vom Polizist aufgehalten.

Die gefährlichste Radstraße Wiens

Zumindest war das noch bis 2006 so, als der Weg zu meinem Büro mich die Hasnerstraße vom Gürtel bis zur Possingergasse führte: Autos in zweiter Spur, Parkplatzssuchende die ohne Blinker reversieren, Missachten des Vorrangs, etc. Es war auch dort, wo ich das Einzige Mal seit fast 30 Jahren Fahrradfahren in Wien von einem Autofahrer auf die Hörner genommen wurde, weil er meinen Vorrang einfach missachtet hatte.

Zuallererst: ich fahre fast nur mit dem Rad innerhalb Wiens.

Eine Frechheit ist, dass bei der "RadlerInnentestfahrt" tatsächlich zwei Fahrräder benutzt werden, die gar nicht straßentauglich sind! Das wäre lustig, wenn es nicht die totale Ignoranz vieler RadlerInnen gegenüber der StVO befördern würde. Und gegenüber ihrer eigenen Sicherheit.

Auf der einen Seite beschweren wir uns mit Recht darüber, dass wir leicht übersehen werden und dann fehlen z.B. die Rückstrahler! Ein Auto würde stillgelegt werden.
Oder: Der Radler sagt im Video: "Ein Auto verbraucht auch so viel Platz wie 2 Fahrräder nebeneinander." Nicht wirklich, wenn man die Sicherheitsabstände einhält: 1m links, 1m Rad, 1m rechts, sind 3m wie ein Auto. Mit zwei Rädern sind's 5m! Man kann sich nicht aussuchen, wann man Abstände einhält!

tja, auch Polizeiräder entsprechen nicht der StVo

wurde auch schon mal thematisiert.
auch deren Mountainbikes fehlen die gesetzlich vorgeschriebenen Rückstrahler.

Aber solange es keine Anzeige, oder ein Gerichtsverfahren diesbezüglich gibt, ändert sich da nichts.

Ich habe mich einstweilen eines Besseren belehren lassen: wenn die Radmantelwände rückstrahlend sind, braucht man die Rückstrahler an den Speichen nicht. Alle anderen müssen allerdings vorhanden sein.

dafür ist ein rad wesentlich kürzer… ca. 1,5 vs. 4 meter?

Abstand nach meiner Kenntnis: 1/2 m + halbe Fahrgeschwindigkeit. Daher zwischen 2 Radfahrern bei 30 kmh : 65 cm.
Weiters braucht kein Radfahrer rechts zum Straßenrand einen Meter.

Doch, den Meter braucht man unbedingt!

Der entscheidet nicht nur über ein erfolgreiches Entkommen vor der geöffneten Autotür sondern auch über geschnitten werden, oder nicht.

"Weiters braucht kein Radfahrer rechts zum Straßenrand einen Meter"

Welcome to the dooring zone. Wenn rechts wer parkt und das tun in der Hasnerstraße genug, brauchts schon ein bisserl Sicherheitsabstand.

Ja, da haben Sie recht, zu parkenden Autos schon, ich schrierb : zum Straßenrand. In Gedanken dort. wo rechts keine Autos stehen.

Nicht wirklich, wenn man die Sicherheitsabstände einhält: 1m links, 1m Rad, 1m rechts, sind 3m wie ein Auto.

Unsinn. Wenn Sie links und rechts neben einem *Fahrrad* einen Meter Abstand rechnen, müssen Sie bei einem Auto aber auch links und rechts *mindestens* einen Meter einrechnen. Dann sind Sie beim Auto schon auf mindestens 4 Meter...

Nein. Einem Auto kann nicht die Kette unter Last rausspringen, der Gang beim Schalten rausspringen, wenn ich das Lenkrad nicht bewege, fährt es geradeaus. Wenn eine Autotür aufgeht, fliegt die FahrradfahrerIn drüber, wenn ein Bim-Gleis unbemerkt zu nahe kommt, muss man vielleicht plötzlich drüberschlenkern.
Ich muss mich überwinden, um auf ca. 70cm an Autos heranzufahren. Bei Autos, die mich überholen, hängt es von der v-Differenz ab. Als Extrem: ein LKW auf der Freilandstraße sollte mindestens 1,5m Abstand einhalten, schon alleine die Luftverwirbelungen reissen einen sonst mit. Bei nur 20km/h Differenz in der Stadt könnten es weniger sein. Aber ein Fahrrad ist nie so geradlinig wie ein Auto, mit Schlenkern sollte man immer rechnen.

Irgendwie sollten Sie das Fahrradfahren bleiben lassen...

Find ich nicht. Sogar sehr anschaulich erklärt, für Leute die nicht so viel Radpraxis in der Stadt haben.

Gähn. Ja, klar. Aber auch fahrende Autos halten zueinander jeweils einen Meter Abstand...

Und wenn Sie so fahren, dass Bim-Gleise plötzlich unbemerkt sich vor Ihnen auftun und sich dann vielleicht auch noch in ungünstigem Winkel und benässt vor sich legen, dann sollten Sie's wirklich bleiben lassen...

Und empfehlen würde ich Ihnen noch, ein bisschen mehr Wartung in den Antrieb Ihres Rades zu investieren, dann springt die Kette nicht raus, weder unter Last noch beim Schalten.

Interessante Strategie: man befindet sich immer auf "Trainingsfahrt mit Rennrad", dann gelten viele Bestimmungen für einen nicht. Das manche davon sicherlich auch sinnvoll sind und der eigenen Sicherheit dienen, wird dabei (gerne?) übersehen. Rückstrahler mögen die leichte Übersehbarkeit nicht vollständig beseitigen, aber sie kosten nichts, sind leicht montierbar, und haben auch kein nennenswertes Gewicht.
Statt sich ständig auf diesen "Rennrad"-Trick rauszureden wäre es gescheiter, sichere Fahrräder zu verwenden. Vor allem auf einer "Vorzeigefahrt".

PS: es würde mich tatsächlich interessieren, ob diese Einstellung juristisch halten würde, wenn z.B. ein Kind dabei stirbt. Bitte nur Antworten von qualifizierten Personen, wenn geht ;-)

Rückstrahler braucht man nur nachts, da darf auch ein Rennrad nicht fahren, weil es kein Licht hat.
Wer Rennrad fährt, trainiert; fährt nicht zum Milch holen; dazu nimmt man das Tourenrad oder Klapprad (mit Packtaschen).
Weiters: Die meisten Rennradpedale, in die man die Schuhe einhängt (einklickt) haben keine Aufnahmemöglichkeit für Rückstrahler.
Und: wenn man tatsächlich mal bei Finsternis fährt, wechselt man die Pedale (dann solche mit Rückstrahler) und montiert auch ein Licht vorne, ein rotes Licht hinten.

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