Alpine: Dicke Auftrags-Polster sagen gar nichts

Nach der Expansion bleibt die Ernüchterung - nicht nur bei der Alpine. Alle großen heimischen Baufirmen haben zu kämpfen

Nach der Expansion bleibt die Ernüchterung - nicht nur bei der Alpine. Die Ostmärkte lassen aus. Alle großen heimischen Baufirmen haben zu kämpfen. Strabag und Porr ordnen ihr Geschäft bereits neu.

 

Wien - Die drei großen heimischen Bauunternehmen Strabag, Alpine und Porr kämpfen alle mehr oder weniger mit Problemen. Die Ausgangslage war bei allen ähnlich: Expansion nach Zentraleuropa. Nach den Boomjahren ging es zuletzt nur mehr in Polen und bis 2009 in Tschechien gut. In Polen fehlten nach der Fußball-EM die Anschlussaufträge. Die Märkte in Südosteuropa - Ungarn, Kroatien und Serbien - sind mittlerweile weggebrochen. Ganz gut läuft es in Deutschland und Österreich.

Die von der spanischen FCC übernommene Alpine ist mit Abstand in der misslichsten Lage: Ein groß gewordener Baumeisterbetrieb ohne Struktur und mit einer Mutter, von der niemand weiß, wie liquid sie ist, lautet die Kritik.

Alpine stand für Expansion mit Vollgas: Es galt, jeden Auftrag, egal wo und zu welchem Preis, zu ergattern. Zuletzt, so sagen Branchenkenner, wurden die Baustellen möglichst lang betrieben, damit die Abrechnung so spät wie möglich erfolgt und der Verlust nicht ausgewiesen werden muss. Alle wollten den Osten erobern, dabei kann man nirgendwo leichter Geld verlieren als im Ausland: Wer die Sprache, die Mentalität nicht kennt und vor allem nicht die geeigneten Mitarbeiter inklusive Controlling hat, fällt langfristig auf die Nase.

Neues Ungemach droht der FCC in Rumänien, wo Bahnbaustellen von der Alpine übernommen wurden. Trotz Anzahlung soll es dort gegen Jahresende eng werden. Nicht zuletzt deshalb, weil die Staaten Südosteuropas für die Infrastrukturbauten kein Geld mehr haben. Um nicht zahlen zu müssen, würden Mängel aufgelistet, auch das verzögert die Zahlungen. Die neue Alpine-Führung verhandelt mit den Banken über ein Fortführungskonzept. Sobald feststeht, wie hoch die Wertberichtigungen sind und wie viel Eigenkapital eingeschossen werden muss, wird die Baufirma wohl massiv verkleinert, profitable Bereich wie die Alpine Energie könnten verkauft werden. Ein Liquiditätsproblem habe die Alpine nicht, verlautet aus Bankkreisen. Die Finanzmarktaufsicht untersucht inzwischen, ob die Alpine die Schieflage zeitgerecht veröffentlicht hat. Strabag mit den Eigentümern Raiffeisen, Hans Peter Haselsteiner und, je nach Liquidität, Oleg Deripaska, ist von allen drei Baufirmen wahrscheinlich die am besten kapitalisierte. Die Probleme des Branchenprimus sind die vielen Märkte, auf denen agiert wird, und das Personal. Die Strabag sei kaufmännisch gut aufgestellt, die Porr technisch überlegen, erzählen Insider. Bei der Porr wurde der Führungswechsel bereits vollzogen, Haselsteiner will sich erst 2014 zurückziehen.

Wie die Porr hat die Strabag mit der Umstrukturierung begonnen. Die Geschäftsverteilung erfolgt wieder nach Regionen und nicht mehr nach Sparten. Die Strategie, durch Zukäufe zu wachsen, ist Geschichte, nun gilt es den Riesen zu stabilisieren. Als der Verlust im Halbjahr präsentiert wurde, sprach auch die Strabag "von nennenswerten Verlustübernahmen von Arbeitsgemeinschaften".

Dass die Porr nicht unwesentlich weniger Verbindlichkeiten in den Büchern hat als die Alpine, ist kein Geheimnis. Allerdings verfügt die Porr über ein Immobilienvermögen von 1,2 Mrd. Euro.

Fazit: Wer die Branche kennt, weiß, dass auf die Bauflaute mit einjähriger Verspätung die Zulieferindustrie folgt - dann trifft es die Elektro- und Haustechnik. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 16.10.2012)

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