"Die Provision war von Anfang an zugesagt"

15. Oktober 2012, 17:25
3 Postings

Klaus Kretschmer sagte erstmals im Prozess um die Osterfestspielaffäre aus

Salzburg - Im Schadensersatzprozess um die Osterfestspiel-Affäre sollte die Befragung des ehemaligen technischen Leiters der Sommerfestspiele, Klaus Kretschmer, Licht ins Dunkel bringen. Nach Auffliegen der ungerechtfertigten Zahlungen war der entlassene technische Leiter lange im Krankenstand, weil er Anfang 2010 von einer Brücke gestürzt war und sich dabei schwer verletzt hatte. Auch am Montag konnte Klaus Kretschmer aus gesundheitlichen Gründen nur eine Stunde lang einvernommen werden.

Kretschmer und der ehemalige Geschäftsführer der Osterfestspiele, Michael Dewitte, sollen laut Staatsanwaltschaft Salzburg durch Malversationen einen mutmaßlichen Gesamtschaden von rund 3,1 Millionen Euro verursacht haben. Die Ermittlungen laufen noch. Die Osterfestspiele GmbH fordert in dem Zivilprozess rund 1,5 Millionen Euro von früheren Mitarbeitern und Beratern.

Klaus Kretschmer und eine Wiener Steuerberatungskanzlei werden in dem Verfahren wegen einer Spende der Vidyaev-Stiftung an die Osterfestspiele im Jahr 2009 geklagt. Kretschmer soll von einer Spende des russischen Mäzens Igor Vidyaev zu Unrecht 300.000 Euro Provision kassiert haben. Am Montag klärte der 52-jährige Pensionist die umstrittene Provisionszahlung auf.

Wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation der Osterfestspiele sei der ehemalige Geschäftsführer Michael Dewitte auf der Suche nach privaten Geldgebern gewesen, schilderte Kretschmer die Situation 2009. Dewitte habe auch ihn aufgefordert, aktiv Personen zu suchen, die sponsern würden. Durch seine Kontakte sei Kretschmer auf den russischen Mäzen Igor Vidyaev gestoßen, der ihm eine Förderung in der Höhe von 2,5 Millionen Euro in Aussicht stellte.

"Dewitte hat von Anfang an eine Provisionszahlung für mein Engagement zugesagt", sagte der Kretschmer vor Richterin Christine Außerhofer. " Meine Vorstellung lag bei 15 Prozent, geeinigt haben wir uns auf zwölf Prozent."

Vidyaevs Rechtsvertreter habe von Anfang an gewusst, dass ihm, Kretschmer, eine Provision in Aussicht gestellt worden war. Der Rechtsanwalt des Mäzens, der ebenfalls angeklagt ist, hat dies allerdings in dem Schadensersatzprozess bestritten.

Kretschmer habe Dewitte vorgeschlagen, die Provision über eine von ihm noch zu gründende Firma abzuwickeln. Er wollte sich in Zukunft gänzlich von den Sommerfestspielen zurückzuziehen und über die Verdienstschiene von Provisionen für die Vermittlung von Gastspielen eine wirtschaftliche Grundlage schaffen. Woraufhin er aus steuerrechtlichen Gründen eine Firma in Belize gründete. Die 300.000 Euro Provision seien von den Osterfestspielen überwiesen worden. Es habe zwar Bedenken der Osterfestspiele wegen Geldwäsche gegeben, aber nicht bezüglich der Provision, sagte Kretschmer. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 16.10.2012)

Share if you care.