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Nun musste das Nationalmuseum in Sarajevo nach 124 Jahren wegen Geldmangels schließen.
Sie wurde von den Muslimen in Sicherheit gebracht, erzählen die Leute. Sie wurde nach Israel verfrachtet, sagen andere. "Wo ist eigentlich die Haggadah?", fragen viele. In diesen Tagen brodelt in Sarajevo die Gerüchteküche.
Die Haggadah, eines der wertvollsten und schönsten Exemplare jüdischer Buchkunst, das um 1350 in Spanien geschrieben und gemalt wurde, wurde bei der Vertreibung der sephardischen Juden 1492 nach Bosnien-Herzegowina gebracht. Das Buch wird in einem speziellen Raum mit einer bestimmten Temperatur und einem bestimmten Lichteinfall im Nationalmuseum in Sarajevo ausgestellt. Doch das Nationalmuseum von Bosnien-Herzegowina wurde am 4. Oktober nach 124 Jahren geschlossen: Seit einem Jahr konnte der bosnische Staat die Gehälter der Angestellten nicht mehr bezahlen.
Einige Studenten haben sich vergangene Woche an den Säulen des Museums angebunden, um zu verhindern, dass es geschlossen wird. Doch das Tor des Gebäudes mit seiner ethnologischen, naturhistorischen und archäologischen Abteilung ist nun mit Holzbrettern vernagelt. "Die Haggadah ist sicher im Nationalmuseum verwahrt", beruhigt Eli Tauber von der jüdischen Gemeinschaft in Sarajevo. "Aber wir wissen nicht, was nun passieren wird."
Das Problem sei die ungeklärte finanzielle Zuständigkeit für sieben Museen auf staatlicher Ebene. Seit Ende des Krieges 1995 ist der Staat Bosnien-Herzegowina in zwei Teile geteilt. Doch zwischen den beiden Landesteilen gibt es keine Übereinkunft für ein reguläres Budget der Kulturinstitutionen auf gesamtstaatlicher Ebene.
Am Beispiel des Nationalmuseums ist zu sehen, dass die Landesteile gegeneinander arbeiten. "Dennoch ist klar, dass der Staat verantwortlich ist", sagt Tauber. Er bedauert, dass eine wichtige Bildungsinstitution für Schüler geschlossen ist. Und sorgt sich, wie man die Haggadah im Winter bewahren wird: "Es braucht ein spezielles Heizsystem." Zur Zeit könne man nicht einmal ins Museum, um Schriftstücke zu digitalisieren.
Die Haggadah ist das Symbol für das Zusammenleben der Religionen in der bosnischen Hauptstadt. Es waren die Muslime, die das wertvolle Buch, wenn es in Gefahr war, in Sicherheit brachten und schützten. Als die Nazis bei der Besatzung 1942 gezielt nach dem Buch suchten, schmuggelte es der bosniakische Bibliothekar Dervis Korkut aus Sarajevo hinaus und übergab es einem muslimischen Geistlichen in Zenica, wo es (möglicherweise in einer Moschee) versteckt wurde. Während der Besatzung Sarajevos im letzten Krieg 1992-1995 wurde die Haggadah wieder versteckt. 1994 wurde sie durch Mitarbeiter des Museums, das unter Granatenbeschuss stand, geborgen. Wieder waren es muslimische Bosnier, die das Buch retteten.
Fünf Institutionen in Gefahr
Das Museum war sogar während des Kriegs zeitweise geöffnet. Für viele Bürger von Sarajevo ist die Haggadah das wichtigste oder eines der wichtigsten Symbole der Stadt.
"Es ist eine Schande, dass das Museum geschlossen hat", sagt auch Mario Gerussi, der auf seiner umfassenden Webpage über Bosnien-Herzegowina (www.vmc.ba) immerhin noch einen virtuellen Rundgang durch das Nationalmuseum anbietet. Sarajevo musste im vergangenen Jahr bereits die Kunstgalerie aus Kostengründen zusperren. Fünf andere kulturelle Institutionen sind auch in Gefahr. Ein einziger Lichtblick auf der kulturellen Agenda der Stadt ist in diesen Tagen die Restaurierung der Vijecnica, der früheren Nationalbibliothek, die Anfang Oktober zelebriert wurde.
Das frühere Rathaus von Sarajevo, das 1891 vom tschechischen Architekten Karel Parik entworfen wurde und damals das größte Gebäude der k. und k. Verwaltung in der bosnischen Hauptstadt war, strahlt wieder in leuchtenden Farben. Doch nur die Fassade ist repariert; das Gebäude, das seit dem Zweiten Weltkrieg die Nationalbibliothek beherbergte hatte, war im August 1992 von Granaten der bosnisch-serbischen Armee zerstört worden. Die Vijecnica stand damals in Flammen, die Bücher und wertvollen Manuskripte (teilweise aus dem Mittelalter) fielen als Aschenregen auf Sarajevo nieder - ein Trauma für die Stadt. Es ist geplant, dass das Gebäude 2014 wieder eröffnet werden kann, wenn auch der Innenraum restauriert ist. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 16.10.2012)
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Solang sich die Politker wie Lagumdzija, Dodik, etc. die Taschen vollstopfen, muss eines der wenigen Sachen, die diese Land noch hat auch verschwinden. Man fragt sich was machen die zuständigen Minister..... es ist zum verzweifeln, so eine kulturelle Vielfalt, wie man sie in Bosnien hat muss doch gefördert werden.
Wieso? Wir erleben heute eine Renaissance des Nationalismus, und diese mag sehr wohl eine Reaktion auf den Euro-Zentrismus sein, siehe Voggenhuber gestern auf Plus 4.. Dessen Argumente kenne ich nur allzu gut, nur ist es in der Regel der Islam und nicht die EU, aber es die gleiche meiner Meinung nach faschistoide Rhetorik. Ich dachte mir nur, wir haben in Österreich das Glück, mit zwei Schwachmaten-Parteien gesegnet zu sein, einmal die Blauen und auf der anderen Seite die Grünen. Da wird man depressiv...
kann denn so ein kulturgut der juden nicht von amerik. juden am leben erhalten bleiben?
ich denke ganz im speziellen an ronald lauder, der die ungar.synagogen wunderbar restaurieren ließ.
ich hoffe auf ein wunder, daß so ein buch nicht dem verfall preisgegeben wird.
einen großen dank den muslimen in sarajevo, daß zumindest bis jetzt dieses wertvolle buch noch exsistiert.
frau dr.spera, wär das nicht eine idee für eine ausstellung im jüd.museum in wien?
hier wäre die sicherheit doch gegeben und ein publikumsmagnet wär es sicherlich auch.
"O5" wie "Christoph Baumgarten" schon gesagt hat, man soll nicht immer polarisieren, ständig provozieren und sticheln. Natürlich gab es von serbischer Seite große Schattenseite in der Geschichte, wofür sich viele nicht mal schämen und das auch noch bejubeln. Aber man kann zumindest mit denen sprechen, die was änder wollen in der serbischen Politik, einen konstruktiven Dialog schaffen. Man muss die hervorheben, die sich für das Zusammenleben engagieren und die sollte man dann auch wählen. Nur so kommt der Balkan voran, man muss die jungen Leute fördern und zusammenführen, und die Basis für das Zusammenleben schaffen. Man muss es für die Zukunft machen und für die Menschen, die so im Krieg gelitten haben, ob in Srebrenica oder in Vukovar egal
hast den Bürgerkrieg nicht, oder? Nur die antiserbische Propaganda.
Das macht die Serben zu keinen Heiligen und soll nichts entschuldigen, was im Namen des serbischen Volkes an Verbrechen begangen wurde. Nur waren und sind die Serben nicht die einzigen, in deren Namen es Kriegsverbrechen gegeben hat und in deren Namen nationalistische Politik gemacht wird.
Am Balkan ergänzen religiöse Identitäten ethnische, fühlen sich alle immer nur als Opfer, nie als Täter. Dafür ist der Nachbar immer der, der einen vertreiben will. Politische und historische Verantwortung sind für die meisten ein Fremdwort. Das gilt für fast alle Volksgruppen im ehemaligen Jugoslawien. Die Konflikte sind komplexer, als du glaubst.
Mitte vergangenen August dort gewesen, oberflächlich betrachtet eine wunderschöne Stadt mit einer Fussgängerzone und internationalen Geschäften, wie wenn alles in Ordnung wäre......und jede Menge Premium Audis, BMW und vor allem Cayennes und Touaregs.....eigentlich wäre es dort wunderbar zum Leben, 2 Stunden zum Meer und herrliche Berge (Schigebiete !) um die Stadt herum.....
Eine tolle Stadt. Gibt genügend junge Leute, die die Vergangenheit gern hinter sich lassen würden (wie in Belgrad, das schon richtig eine europäische Partymeile wird). Aber dazu bräuchte es eine lang anhaltende, wirtschaftlich stabile Entwicklung - und das wird es, glaube ich, angesichts der Euro-Krise gerade in der Region nicht spielen.
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